Forderung nach Mindestlohn Keine verhandlungsunwilligen Ausbeuter

Der Tarifunion liegen Arbeitsverträge mit Stundenlöhnen zwischen 5,77 und 6,50 Euro vor. "Das sind Bedingungen, die nicht hinnehmbar sind", sagt Stöhr. Der Mindestlohn, den er fordert, soll 9,50 Euro betragen.

Bei der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), aber auch beim DGB hält man wenig von dem Vorstoß. Bei der BDA heißt es, man sehe grundsätzlich keine Fälle, in denen dieser Hauptausschuss aktiv werden müsste, "auch hier nicht". Die Arbeitgeber haben die Scholz-Erfindung schon immer für unsinnig gehalten - sie wollen nicht rütteln am Prinzip, dass Arbeitgeber und Gewerkschaften Löhne ohne Einmischung des Staates aushandeln. Davon scheint auch der DGB in diesem Fall keine Ausnahme machen zu wollen. Vorstandsmitglied Claus Matecki sagte der SZ, es sei hier weiterhin richtig, dass "Lohngrenzen tarifpolitisch verankert werden".

Ein Grund für die Zurückhaltung des DGB könnte sein: Die Betreiber der Callcenter gelten nicht als verhandlungsunwillige Ausbeuter. Erstens werden für die miesen Arbeitsbedingungen vor allem die Auftraggeber verantwortlich gemacht. Viele Unternehmen nehmen die Dienstleistung von Callcentern zwar gern in Anspruch. Sie ist ihnen aber nicht viel Geld wert.

Zweitens hat eine Umfrage des Call-Center-Verbands Deutschland (CCVD) ergeben, dass 76 Prozent seiner Mitglieder für einen Mindestlohn sind, dies aber auf Basis eines Tarifvertrags. Dann könnten sie dem Geiz der Auftraggeber etwas entgegenhalten.

Deswegen plant der Verband, im Herbst eine Unterorganisation zu gründen, die auch Tarifverhandlungen führen kann; bisher ist der CCVD nur ein Lobbyverband. Die Arbeitgeber werten die Initiative der Tarifunion daher eher als politisches Manöver: "Die wollen Handlungsdruck erzeugen", heißt es bei ihnen.