Folgen der Oberstufenreform Stabil in Englisch, besser in Mathe

Die Oberstufenreform ist bei Schülern und Lehrern unbeliebt. Aber die Konzentration auf die Kernfächer verhilft Gymnasiasten laut einer Studie zu besseren Leistungen.

Von T. Schultz

Die gymnasiale Oberstufe ist in den vergangenen Jahren in den meisten Bundesländern neu geordnet worden. Die Kernfächer wurden gestärkt, die Zahl der Prüfungen im Abitur wurde erhöht. Erstmals haben nun Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Universität Tübingen die Effekte untersucht.

Das Leistungsgefälle in den Mathematik-Klassen ist seit der Oberstufenreform geringer geworden.

(Foto: AP)

Ihre Studie bezieht sich auf Baden-Württemberg, das bei der Reform der Oberstufe seit 2002 Vorreiter ist. Die Ergebnisse sind gemischt: In Englisch und der naturwissenschaftlichen Grundbildung blieben die Leistungen stabil. In Mathematik haben sich die Schüler verbessert. Außerdem ist der Abstand zwischen guten und schlechten Schülern nicht mehr so groß, die Mathematik-Leistungen sind jetzt homogener.

"Die Reform wird von Schülern und Lehrern eher schlecht beurteilt, aber zumindest die Ergebnisse in Mathematik deuten darauf hin, dass sie, gemessen an ihren Zielen, durchaus erfolgreich ist", sagt Ulrich Trautwein, einer der Autoren der Studie. Die frühere baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan (CDU), derzeit Bundesbildungsministerin, sagte 2001, in Deutsch, Mathematik und den Fremdsprachen seien "solide Grundkompetenzen für alle wichtiger als Spezialisierungsmöglichkeiten für wenige".

Keine Leistungskurse mehr

In Baden-Württemberg wurde daher in den Kernfächern die Differenzierung in Grund- und Leistungskurse aufgehoben. Länder wie Bayern und Schleswig-Holstein gehen bei der Reform der Oberstufe ähnliche Wege wie Baden-Württemberg. Die Wissenschaftler sprechen von einer "Re-Kanonisierung". Wesentliche Elemente der berühmten Oberstufenreform von 1972 würden so wieder zurückgenommen.

Die Wahlfreiheit für die Schüler sinkt, und die meisten Schüler haben nun mehr Unterricht in den Kernfächern als früher. Diesen bundesweiten Trend, den die Kultusministerkonferenz mit den sogenannten Husumer Beschlüssen 1999 einleitete, halten Experten für mindestens so einschneidend wie die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre (G8).

Problem für die Motivation

Bei vielen Schülern und Lehrern ist die Neuordnung unbeliebt. Denn die Reformen führen unter anderem dazu, dass es in den Kernfächern keine kleinen Leistungskurse mehr gibt, in denen ein intensiver Dialog möglich war. Kritiker sehen in der Reform der Oberstufe vor allem ein Modell, das Lehrerstellen spart.

Manche Fachlehrer befürchten außerdem einen Niveauverlust. Die Lernbereitschaft, so ihre Sorge, könnte leiden, wenn die Schüler Fächer und Vertiefungen nicht mehr nach eigenen Neigungen wählen. "Die Abnahme von Selbständigkeit kann ein Problem für die Motivation der Schüler sein", sagt auch der Wissenschaftler Ulrich Trautwein. Solche Effekte seien in der Studie allerdings nicht getestet worden.

Noch nicht am Ende

Auch Auswirkungen auf andere Fächer, etwa Kunst oder Geschichte, wurden nicht untersucht. Die Forscher sehen "hohen Bedarf" für weitere Studien. Ihre aktuelle Untersuchung beruht auf Tests vor und nach der Reform in Baden-Württemberg. An den Tests haben 2002 und 2006 jeweils etwa 5000 Abiturienten teilgenommen.

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