Arbeitsplatz-Debatte Ein Hoch auf das Home-Office

Großraumbüro in Frankfurt: Die Arbeit im Home-Office hat viele Vorteile - sie müssen aber richtig genutzt werden.

(Foto: Imago Stock&People)

Heimarbeit, nein danke. So sehen das zumindest viele deutsche Microsoft-Mitarbeiter. Doch der klassische Arbeitstag im Büro ist ein Auslaufmodell - Home-Office kann da eine echte Alternative sein. Wenn Arbeitnehmer sich selbst disziplinieren.

Ein Kommentar von Sibylle Haas

Wer etwas ändern will und damit scheitert, hat die Sache meist schlecht vorbereitet. Microsoft hat das gerade lernen müssen. Der Software-Konzern ist über seine Idee gestolpert, drei Büros zu schließen und seine Leute von daheim aus arbeiten zu lassen. Die Mitarbeiter haben opponiert - zu Recht. Denn sie wurden gar nicht gefragt, ob sie das wollen, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt. Doch manche können in ihrer Wohnung vielleicht gar keinen Arbeitsplatz einrichten, und andere möchten aus ihrer Wohnung schlichtweg kein Büro machen. Die Schließung der Microsoft-Büros ist vom Tisch, die Beschäftigten haben sich durchgesetzt.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich ein US-Konzern an den deutschen Gepflogenheiten stößt. Die US-Supermarktkette Wal-Mart etwa scheiterte nicht zuletzt daran, dass sie die deutschen Arbeitnehmerrechte unterschätzte. Die Modekette Hollister landete mit ihren umstrittenen Taschenkontrollen bei Mitarbeitern vor Gericht. Wer in Deutschland erfolgreich sein will, kommt an der Mitbestimmung und dem Arbeitsrecht nicht vorbei.

Der Fall Microsoft ist peinlich und er wirft Fragen auf. Ging es dem Konzern am Ende gar nicht darum, den Mitarbeitern flexibles Arbeiten zu offerieren? Handelte es sich in Wahrheit um ein Kostensparmodell? Wollte die Firma durch die Schließung unliebsame Mitarbeiter loswerden? Hat das Unternehmen all diese Pläne in eine rosarote Tüte gepackt - umgemünzt als "Mitarbeiter-Geschenk" für flexibles Arbeiten und mehr Freiheit?

Das wäre alles andere als ehrenhaft. Zum einen, weil man seine Leute nicht für dumm verkaufen sollte. Zum anderen, weil flexibles Arbeiten wichtiger wird und nun vielleicht in ein schlechtes Licht gerät. Denn Home-Office kann den Beschäftigten dienen, wenn es ordentlich organisiert wird. Wer Kinder betreuen oder einen Angehörigen pflegen muss, für den bietet sich die Heimarbeit vielleicht an. Auch wer aus privaten Gründen nach Hamburg zieht und seinen Job in Frankfurt behalten will, schafft dies womöglich mit einem Home-Office-Arbeitsplatz an der Alster.

Klare Regeln und Flexibilität

Damit Arbeit im Home-Office funktioniert, müssen klare Regeln her. Etwa wer welche Kosten übernimmt. Wann der Heimarbeiter erreichbar sein muss. Oder wie viele Stunden er zu arbeiten hat.

Die Arbeit im Home-Office gehört in die moderne Arbeitswelt. Vielleicht nicht als Standard, weil Menschen andere Menschen brauchen, um gute Ideen zu entwickeln - aber bei Bedarf. Etwa wenn die Analyse einer komplizierten Sache Ruhe und ungestörtes Arbeiten erfordert. Oder als Mischform, zwei Tage daheim und drei in der Firma. Vielleicht auch für ein Jahr, wenn ein Angehöriger zu pflegen ist.

Es gibt viele Möglichkeiten, flexibel zu arbeiten. Der klassische Arbeitstag, der um neun beginnt und um 17 Uhr endet, ist ein Auslaufmodell. Auch in Tarifrunden geht es nicht mehr allein um Geld oder darum, möglichst viel Freizeit auszuhandeln. Es geht immer öfter um menschenfreundliche Arbeitsmodelle. Um besseres Arbeiten für Ältere und um die Chancen der Jungen. Vielleicht wollen die Älteren weniger Stunden am Tag arbeiten, weil sie nicht mehr so kräftig sind. Vielleicht wollen Jüngere mehr arbeiten, weil sie sich leistungsstark fühlen. Für solche Bedürfnisse müssen Lösungen her, auch die Gewerkschaften sind da gefragt.

Es geht um Vertrauen und Selbstdisziplin

Flexibles Arbeiten im Home-Office setzt Vertrauen voraus. Klar. Hoffentlich arbeitet der Mitarbeiter wirklich - oder liegt er am Ende faul auf dem Sofa? Nun, so misstrauische Chefs sind von vorgestern. Bei der Arbeit im Home-Office geht es nicht darum, dass die Leute zu wenig arbeiten. Das Gegenteil ist meist der Fall.

Deshalb geht es um Selbstdisziplin. Darum, im Job autonom zu bleiben und Grenzen zu ziehen. Nicht jede E-Mail muss sofort beantwortet werden. Arbeit im Home-Office heißt nicht, rund um die Uhr verfügbar zu sein. Grenzen zu ziehen bedeutet, sich vor Selbstausbeutung und Selbstüberschätzung zu schützen.

Das Bett als Arbeitsplatz Home-Office im Schlafzimmer

Muss man Schlafen und Arbeiten wirklich trennen? Unsere Autorin hat eine Woche lang vom Bett aus gearbeitet. Eine Suche nach Kreativität zwischen Kissen. jetzt.de

Modernes Arbeiten hat Gefahren. Nicht jeder kann mit der Freiheit umgehen. Doch es wäre kurzsichtig, es zu verteufeln. Der Schlüssel zur Gewinnung von Mitarbeitern liegt gerade im flexibleren Arbeiten. Doch Flexibilität darf nicht einseitig sein. Auch Unternehmen müssen sich bewegen. Und dazu gehört mehr, als drei Büros dichtzumachen. Home-Office muss gut vorbereitet werden, dann ist es eine Chance - auch für den Software-Konzern Microsoft.