Eine bayerische Grundschule wollte ihren Schülern Sicherheit garantieren und installierte einen Fingerabdruck-Scanner am Eingang. Sie hat nicht mit dem Protest der Eltern gerechnet.
Die Angst ist groß. Und sie ist vielseitig. Ist es gefährlicher, persönliche Daten preiszugeben oder fremden Menschen Zutritt in eine Grundschule zu lassen? In Gilching im Landkreis Starnberg spaltete diese Frage beinahe eine ganze Gemeinde. Dabei wollten alle stets nur das Beste. Für ihre Kinder.
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Mit Fingerabdruck zum Flötenunterricht: In Gilching löste das Schließsystem an der Grundschule eine Diskussion über Datenschutz aus. (© Foto: ddp)
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Weil die örtliche Musikschule seit Beginn des Schuljahres nachmittags die Räume der Arnoldus-Grundschule nutzte, forderte die Grundschuldirektorin Barbara Madlindl ein sicheres Schließsystem, um den Zugang zu den Schulräumen zu kontrollieren. In Zeiten, in denen Schlagzeilen über Amokläufe an Schulen die Zeitungen füllen, sollte niemand außer den berechtigten Musikschülern Eintritt in die Klassenräume bekommen, gerade weil zu der Zeit noch Kinder zur Mittagsbetreuung im Gebäude sind. Zunächst sah man die Lösung in einer Zahlen-Pin - doch die sprach sich herum. Die Option, dass Schüler einfach klingeln und der Musiklehrer die Türen öffnet, stieß ebenfalls auf wenig Zustimmung. "Wir wollen störungsfreien Unterricht. Wenn jeder Lehrer ständig zur Tür laufen muss, ist das nicht möglich", argumentierte Musikschulleiter Roland Siegel. Also griff die Gemeinde Gilching zur "praktikabelsten Lösung", wie Bürgermeister Manfred Walter sagte: Ein Fingerabdruck-Scanner wurde angebracht.
Am vergangenen Montag wurden die 160 Schüler der Musikschule dann zur Registrierung vor Ort gebeten. Alle Musikschüler sollten ihren Fingerabdruck abgeben, um künftig Zutritt zu ihrem Instrumentalunterricht zu bekommen. Für die Väter Peter Kadlec und Steffen Oberländer ein Unding. "Schützen Sie die Persönlichkeitsrechte Ihrer Kinder. Geben Sie keinen Fingerabdruck ab" appellierten sie auf Flugblättern an die eintreffenden Eltern. Dass sie erst unmittelbar vor Inbetriebnahme von der Installation des 3000 Euro teuren Gerätes erfuhren, schürte ihre Empörung nur noch mehr.
"Völlig übertrieben"
"Ich bin Informatiker, ich weiß, was man mit diesen sensiblen biometrischen Daten alles machen kann. Ein Fingerabdruck-Scanner für eine Musikschule ist völlig übertrieben", sagt Kadlec. Der Registrierungstermin war nicht zuletzt aufgrund des Protestes der beiden Väter nur ein mäßiger Erfolg. "Den meisten Eltern war unwohl bei dem Gedanken, die Daten ihrer Kinder preiszugeben, nur damit sie eine Schule betreten können. Viele sind wieder nach Hause gegangen, ohne sich zu regsitrieren", sagt Kadlec. Lediglich 49 Schülerabdrücke wurden bislang gespeichert.
Und auch die werden nun gelöscht. Nachdem die Aktion der beiden Väter Datenschützer und Medien aus ganz Deutschland nach Gilching lockte, scheint der Druck auf Schulleitung und Gemeinde zu groß geworden zu sein. "Leider hat dieser 'Türöffner' mittlerweile zu bundesweiten Diskussionen und entsprechenden Presseartikeln geführt. Nachdem auch aufgrund der geführten Diskussion ein Großteil der Eltern der Musikschüler/innen diesen 'Fingerprint' nicht akzeptieren, werden wir von der Umsetzung des Systems Abstand nehmen", verkündete Bürgermeister Walter in einer Presseerklärung.
Pseudo-Sicherheit
Für Peter Kadlec ist die Demontage des Apparates ein Erfolg. "Der Scanner vermittelte lediglich Pseudo-Sicherheit. Wenn jemand wirklich in die Schule will, kommt er auch hinein", sagt er. Kadlec ist vor allem zufrieden, dass das Bewusstsein für die Sensibilität von persönlichen Daten durch die Diskussion geschärft wurde.
Musikschulleiter Roland Siegel hofft nun vor allem auf Ruhe. "Seit der Einführung des Scanners steht das Telefon hier nicht mehr still", sagt er. Dabei hätte die Musikschule gar nichts mit der Entscheidung für das Schließsystem zu tun. "Wir kämpfen seit Jahren um eigene Räumlichkeiten und ziehen von einer Schule in die nächste. An der Arnoldus-Grundschule war das Schließsystem einfach Voraussetzung dafür, dass wir dort unseren Unterricht abhalten können."
Keine neuen Ängste
Wie die Musikschüler künftig zum Flöten- oder Gitarrenunterricht kommen, steht noch nicht fest. Schulleitung und Gemeinde suchen noch nach einem geeigneten System. Sicher soll es sein - und keine weiteren Ängste schüren.
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(sueddeutsche.de/joku)
warum haben die nicht einfach nen Magnetkarten-Leser an der Tür angebracht? Jeder Zugangsberechtigte bekommt eine und man kann sogar einstellen wann welche Karte rein darf. Dann noch ein Schild "No Tailgating" danebengeklatscht und fertig is.
Um meine rethorische Frage zu beantworten bevor jemand anders auf die Idee kommt: kostet zu viel. Und finanzielle Aspekte sind in unserer Welt nun mal gewichtiger als Datenschutz, Moral, Ethik und der ganze Kram...
...sondern wohl auch nichteinmal mit dem üblichen Sauberkeitsgrad der Grundschülerhände !
Zum Totlachen...stellen sie daneben ein Handwaschbecken auf damit sich die hunderten Schüler nacheinander vor dem Betreten der Schulde die Finger waschen können ? Köstlich !!
Bei den meisten Amokläufen der letzten Jahre sind die Amokläufer gegen die eigenen Lehrer und Mitschüler vorgegangen. Was helfen da Zugangsbarrieren mit Fingerabdruckscannern?
Wären die Amokläufe in den 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts passiert, hätte die Öffentlichkeit auch nach den sozialen Bedingungen für diese Taten gefragt. Damals gab es noch eine Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft und dementsprechend wurden die Gesellschaftsstrukturen hinterfragt. Heute wird dies total ausgeblendet. Stattdessen lautet die Standardantwort: Es fehlt an Überwachungstechnologie. Dass dahinter ein gefährlicher Repressionsstaat lauert, wird verschwiegen. Dieser totalitäre Repressionsstaat ist für die Mehrheit der Schüler eine viel größere Gefahr als ein einzelner Amokläufer. Der totalitäre Repressionsstaat zerstört die Seelen von tausenden von Kindern.
Stattdessen sollen die Kinder geeicht werden, Kontrollen über sich ergehen zu lassen. Erst die Fingerabdrücke, dann im Erwachsenenalter die Nacktscanner. Wo wird das enden?
Vieles spricht dafür, dass diejenigen, die diese Kontrollen widerstandslos über sich ergehen lassen, diejenigen sind, die am Ende bedingungslos Amok laufen. Im dritten Reich hat es einen solchen Massenamoklauf schon einmal gegeben. Und da waren die Repressionstechniken noch nicht so weit entwickelt.
1. implantierter RFID-Chip
verimedinfo.com/files/VM_PhysBro8pg_Rev8_07.pdf
2. Nacktscanner
epic.org/privacy/airtravel/backscatter/default.html
3. Kernpintomograph
wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=15348802&aref=image021/E0001/SCSP200000101480149.pdf&thumb=false
so müssen die Schulen ausgestattet werden, dann wird klar wer kommt und was er bei oder in sich trägt.
die haben angst, dass schüler freiwillig in einen unterricht gehen?
lächerlich.
man kann das geld für die ausbildung wahrscheinlich besser einsetzen als für ein nicht gerade billiges schließsystem
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