Film "Résiste" "Praktikanten nehmen Arbeitsplätze weg"

Im Film "Résiste" legen Praktikanten mit einem Generalstreik das Land lahm. Regisseur Jonas Grosch spricht über Parallelen zur Realität.

Interview: Maria Holzmüller

Deutschlands geschundene Praktikanten legen mit einem Generalstreik das gesamte Land lahm - wenn auch vorerst nur im Kinofilm "Résiste - Der Aufstand der Praktikanten", der am 12. November anläuft. Jonas Grosch schrieb das Drehbuch und führte Regie, seine Schwester Katharina Wackernagel spielt die weibliche Hauptrolle. Auf der Leinwand haben die Praktikanten mit ihrer Aktion Erfolg. Wie ihre Situation in der Realität aussieht, wie sie sich wehren sollten und wie viel die Praktikanten am Set verdienten, darüber spricht Jonas Grosch im Interview.

sueddeutsche.de: Haben Sie in "Résiste - Der Aufstand der Praktikanten" eigene schlechte Praktikumserfahrung verarbeitet?

Jonas Grosch: Eigentlich nicht. Ich habe nur ein einziges Praktikum bei einer Produktionsfirma gemacht, und das war sehr gut. Es hat genau drei Monate gedauert und ich habe viel gelernt. Auf die Idee zum Film hat mich eine Produzentin gebracht. Nachdem ich einmal für das Thema sensibilisiert war, traf ich plötzlich überall in meinem Freundeskreis Leute, die in ihrem Praktikantendasein gefangen waren und sehr darunter litten.

sueddeutsche.de: Welches "Praktikantenschicksal", hat Sie besonders getroffen?

Grosch: Am absurdesten fand ich, dass ein Freund von mir bei einer der beiden großen Parteien im Bundestag als Praktikant arbeitete - und nicht bezahlt wurde. Gerade die Politik müsste doch mit gutem Beispiel vorangehen. Im Film spielt deswegen auch "Peter aus dem Bundestag" eine der wichtigen Rollen - seine Geschichte ist absolut der Realität entnommen.

sueddeutsche.de: Die meisten leidenden Praktikanten im Film arbeiten in der Medienbranche. Ist die Situation dort besonders schlimm?

Grosch: Ich denke schon. Gerade über meine Schwester Katharina bekomme ich mit, wie viele Jobs beim Film mittlerweile mit Praktikanten besetzt werden. Die sind natürlich billiger, aber das ist sehr kurzsichtig. Sie nehmen Arbeitsplätze weg und die Produktionszeiten verlängern sich, weil die Praktikanten natürlich nicht so sehr mit den Drehprozessen vertraut sind. Dadurch dauert alles viel länger.

sueddeutsche.de: Warum ertragen Praktikanten das Dasein ohne festen Vertrag, mit langen Arbeitszeiten und kaum Bezahlung? Warum gibt es nicht längst Massendemos für bessere Arbeitsbedingungen?

Grosch: Im Film gibt es das Zitat: "Die Leute können es sich nicht leisten auf die Straße zu gehen, wenn sie dadurch ihre Existenz verlieren." Genau das ist es. Der Leistungsdruck und die Existenzangst sind größer als beispielsweise in den 70ern. Jeder weiß, wenn er nicht auf den Zug aufspringt, wird es ein anderer tun. Da will natürlich niemand den Anschluss verlieren.

sueddeutsche.de: Es scheint eine Art Teufelskreis zu sein. Der Protagonist im Film, Till, gründet eine Beratungsfirma für Praktikanten - und handelt genau so diktatorisch und ausbeuterisch, wie all die Firmenbosse, unter denen er als Praktikant gelitten hat.

Grosch: Viele geraten schnell selbst in die Mühlen des Systems. Wenn sie einmal eine Stelle haben, greifen sie oft zu den gleichen Methoden wie ihre ehemaligen Vorgesetzten und nutzen Praktikanten aus. Sie mussten sich selbst durchkämpfen und erwarten das auch von anderen. Das ist sicherlich egoistisch, aber ich verstehe auch, dass man heutzutage so handelt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Stellung die Praktikanten am Filmset hatten.

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