Hans-Christoph Jahr, einst bundesweit bekannt als friedensbewegter "Pershing-Richter", muss um seinen Job fürchten. Der Grund: Er hat eine Haftstrafe verschwiegen.
An den Wänden der Fachhochschule in Wilhelmshaven hängen Plakate mit dem Slogan: "Sag" Ja zu Jahr!". Die Studenten, offenbar Freunde des einfachen Wortspiels, sehen sich als "Jahrsager": Sie wollen sich solidarisch zeigen mit ihrem Professor, dem Juristen Hans-Christoph Jahr. Der steckt zurzeit in Schwierigkeiten - wieder einmal, wie man in diesem Fall sagen muss. Erst ließ ihn Ende voriger Woche die Hochschule Bremen fallen, nun ist auch noch sein Job in Wilhelmshaven in Gefahr.
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Jahr hatte sich erfolgreich als FH-Rektor nach Bremen beworben, im Juni wäre Amtsantritt gewesen. Doch nun rudern die Bremer zurück, nachdem Details aus der Biographie des Juristen bekannt wurden. Jahr war von 1997 bis 1999 als Freigänger in Haft, verurteilt wegen Rechtsbeugung. Als Richter hatte er Dokumente manipuliert, um Verjährungsfristen zu umgehen. Bereits Mitte der achtziger Jahre war Jahr bundesweit als friedensbewegter "Pershing-Richter" bekannt geworden, als er sieben Studenten freisprach, die ein US-Militärlager blockiert hatten. Die Haftzeit hatte Jahr bei seiner Bewerbung verschwiegen, die Bremer sollen ahnungslos gewesen sein. Als alles rauskam, war die Empörung groß. Ein Recht auf Resozialisierung wollen viele Bremer Professoren ihrem Beinahe-Rektor zwar einräumen. Sie fühlen sich aber hintergangen, weil Jahr nicht offen mit seiner Vita umging. Der Bremer AStA hingegen stellt sich hinter Jahr: Man hätte ihn zumindest noch einmal anhören müssen, stattdessen habe man in seiner Abwesenheit die Wahl annulliert.
Auch in Wilhelmshaven rumort es, denn die Vorstrafe hatte Jahr hier ebenfalls verheimlicht. Das Präsidium prüft dienstrechtliche Schritte. Im für Jahr schlimmsten Fall würde ihm fristlos gekündigt oder sein Arbeitsvertrag angefochten; eine Entscheidung darüber soll in dieser Woche fallen. Jahrs Studenten verteidigen ihren Professor. Sein Unterricht sei gut, man könne auch stets zu ihm kommen, sagt Verena Merz vom Wilhelmshavener AStA. "Er redet mit uns Studenten", und das sei ja nicht bei jedem Professor so.
(SZ vom 16.4.2007)
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Bundesweite Furore hat der Fall des Prof. Jahr leider noch nicht gemacht, aber ich glaube, man sollte schon bei der Beurteilung eines Professors nach seinen fachlichen Fähigkeiten nicht auf seine Vergangenheit zurückschauen.
Das ist ja außerordentlich lächerlich, einen Prof. anzuklagen, solange er seine eigentliche Pflicht, wie Studenten berichten, mit vollem Bewusstsein und mit Kontaktfreudigkeit fachkompetent angeht. Das ist von daher aus meiner Sicht unerlässlich, solche Einzelfälle genauso behandeln, wie die von "normalen" Verbrechern.
Schließlich müsste man schon vor Jahren auf Herrn Jahr geachtet haben und nicht erst jetzt seine Geschichten ausgraben. Dies erinnert uns mehr an die Hollywood-FIlme, wo ständig man anstatt gegen wahre Verbrecher zu kämpfen auf die bei Zuschauern besonders beliebten Schauspieler gejagt wird.
Es kommt nciht in Frage, dass Hr. Jahr gekündigt werden muss, das wäre eine Unverschämtheit seitens unseres Rechts, selbst wenn es objektiv und nicht personenabhängig sein sollte.
Ich stehe auf dem Standpunkt, dass es sich um ein Missverständnis handelt, und Hr. Jahr umgehend von allen Anklagen gegen ihn endlich tatsächich befreit sein wird.
Seine Strafe in Form von Zweifeln und seines Nervenzusammenbruch hat er schon durch die entstandene Unverlässigkeit um seine Person bekommen.
Jetzt heißt es für ihn als Lehrer, seine Freiheit, Mut und angepasstes Verhalten aufzubewahren.