99 Prozent der Studenten scheitern an ihrem Bafög-Antrag. Nicht aus Dummheit, sondern weil die Unterlagen zu kompliziert sind. Das soll sich jetzt ändern.
Man könnte den Eindruck gewinnen, deutsche Abiturienten seien dumm. Um die acht Formblätter für ihre Studienförderung auszufüllen, brauchen sie im Schnitt fünfeinhalb Stunden. Manche verbringen sogar einen ganzen Tag mit den Bafög-Fragebögen. Und das mit äußerst bescheidenem Ergebnis: Nur ein bis zwei Prozent aller eingereichten Anträge sind vollständig und fehlerfrei.
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Es soll alles einfacher werden: Bafög-Anträge sollen künftig auch online ausgefüllt werden können. (© Foto: dpa)
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Doch die jungen Leute sind nicht dumm. Dumm sind die Formulare. Wie soll ein angehender Student wissen, worin der Unterschied zwischen dem Bafög und dem sogenannten "Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz" besteht, das im Antrag plötzlich auftaucht? Und wie soll er sicher sein, welche Dokumente er beilegen muss, wenn sich die Anweisungen dazu manchmal im Formular finden, dann wieder in den beigefügten Anmerkungen verstecken?
Für immer unverständlich
Fast die Hälfte der Studenten hält die Bafög-Formulare für unverständlich. Und daran wird auch die für Herbst geplante Änderung des Bafög-Gesetzes nichts ändern. Der Bund allein kann sie nicht korrigieren, neue Texte müssen Bund und Länder später noch gemeinsam erarbeiten.
Verständlichere Formulare - das empfehlen die Bundesregierung und der Normenkontrollrat in einer gemeinsamen Studie. Zweiter zentraler Vorschlag: Die Studenten sollen die Förderung endlich auch im Internet beantragen können. Das ist bisher nirgendwo möglich. Bayern will diese Option ab dem Sommersemester 2010 anbieten.
Hinweis auf Fehler
Ein Online-System könnte die Studenten automatisch auf unvollständige Angaben hinweisen, und ihre Anträge müssten nicht mehr von den Mitarbeitern der Bafög-Ämter abgetippt werden. Denn auch diese sind mit dem derzeitigen System überfordert. Im Schnitt brauchen sie 56 Tage, um einen Antrag zu bearbeiten, in Extremfällen dauert es sogar ein halbes Jahr.
Immerhin: Einige der Empfehlungen aus der Studie sind in dem Entwurf für die Bafög-Novelle enthalten. Künftig müssen Studenten ihre Mietkosten nicht mehr einzeln nachweisen, es wird eine Pauschale geben. Auch die Leistungsnachweise sollen einfacher zu erbringen sein. Zusammen mit der Gesetzesänderung wird außerdem der Bafög-Satz um zwei Prozent erhöht. Er hängt vom Einkommen der Eltern ab - wobei die Hälfte des Geldes ein zinsloses Darlehen ist.
Verzicht auf Sprachnachweis
Im Schnitt erhält ein Student derzeit knapp 400Euro monatlich, der Höchstsatz liegt bei 648 Euro. Zwei Prozent Erhöhung entsprechen also höchstens 13 Euro. Andere Vorschläge der Experten finden sich im neuen Gesetzentwurf nicht wieder. So raten die Fachleute etwa, auch die Krankenkassenbeiträge pauschal zu berechnen. Und beim Auslands-Bafög könnte man auf einen Sprachnachweis verzichten. Das fordert auch das Studentenwerk.
Doch in vielen Fällen wären schon kleine Änderungen in der Verwaltung ausreichend, um die Situation für alle Beteiligten zu vereinfachen. Eltern und Studenten wünschen sich beispielsweise, bei Behörden per E-Mail nachfragen zu können. Den Mitarbeitern der Bafög-Ämter würde es viel Zeit ersparen, wenn es in den Behörden für die Antragsteller Kopiergeräte gäbe. Denn bisher sind sie dazu verpflichtet, jedes einzelne Original selbst abzulichten.
Nützliche Angaben
Und wenn die Angabe von E-Mail-Adresse und Telefonnummer in den Formblättern obligatorisch wäre, könnten die Ämter bei Fehlern unkompliziert nachfragen. Gerade das erscheint Studenten und Experten bei 99 Prozent fehlerhaften Erstanträgen ganz nützlich.
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(SZ vom 19.03.2010/holz)
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studieren wollen, auf Studenten-Demos eine große Klappe haben und Forderungen an den Staat stellen, und dann aber zu dumm sein, einen popeligen Bafög-Antrag auszufüllen. Diejenigen, die daran scheitern, sollten sich mal ernsthaft überlegen, ob sie überhaupt für ein Studium geeignet sind.
1% der Studenten hat die Anträge verstanden, die anderen 99% stellen den Antrag und bekommen irgendeinen krummen Betrag bezahlt oder auch mal garnix.
Die Anträge sind von den Erfordernissen der zugrundeliegenden Gesetze konzipiert und nicht aus der Perspektive des Antragsstellers. Niemand hat sich bei Erstellung der Formulare die Mühe des Perspektivwechsels gemacht, statt dessen wurden sie juristisch sauber, also hochkompliziert aus den gesetzlichen Vorgaben abgeleitet. Das ist das eine.
Das andere: Die Rechtssprache (unsere Rechtssprache) hat eine abschreckende Wirkung, weil sie nicht sofort verstanden wird. Das ist das Problem jeder Geheimsprache, aber hier hat es System. Das gleiche findet sich bei jedem Antrag, der an den Staat gestellt wird (ALG II). Diese Wirkung wird zumindest billigend in Kauf genommen (denn die Probleme sind lange bekannt), weil man so einen Teil der eigentlich zu erbringenden staatlichen Pflichtleistungen nicht erbringen muß: sie werden einfach nicht abgerufen. So spart der Staat Geld. Fieser Trick.
Meiner Meinung nach sind die Antragsformulare am aktuellen BaFöG System das kleinere Übel. Als BaFöG-Bezieherin habe ich am eigenen Beispiel gesehen, wie undurchsichtig, wenig verständlich und kompliziert das gesamte Berechnungssystem ist. Niemand kann einem vor der endgültigen Entscheidung über den Antrag wirklich sagen, wieviel Geld man bekommt. Und ist der Bescheid dann da können einem die Mitarbeiter der BaFöG Stelle meist nur unzureichend erläutern, wie sich die Zahlungen genau berechnen.
Auch die Bearbeitungszeit ist wie im Artikel genannt bei bestimmten Fällen schlicht und ergreifend eine Frechheit. Bei mir hat ein Aktualisierungsantrag genannte 6 Monate Berarbeitungszeit in Anspruch genommen. Letztlich bekam ich dann 200% mehr BaFöG als vor dem Aktualisierungsantrag. Nicht jeder Student kann auf Erspartes oder auf das Geld der Eltern zurückgreifen! Wie soll man bitte Studieren und Leben, wenn man keine regelmäßige Unterstützung erwarten kann.
Ich beziehe den Höchstsatz, kann mich also wirklich nicht beschweren, dennoch finde ich die Berechnung aufgrund des Einkommens der Eltern grundlegend fragwürdig. Bildung geht alle an und sollte jedem offen stehen! Dazu gehört auch und vorallem für Studenten eine einfache, durchsichtige und gerechte Ausbildungsförderung!
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