Fehler in der Gehaltsverhandlung Fehleinschätzungen und Timing

Fehler: Selbstüberschätzung

Im Gespräch merken Sie: Ihr Chef bewertet Ihre Leistungen deutlich schlechter, als Sie erwartet haben. Und leider hat er mit manchen Einwänden durchaus recht. Wenn Sie erkennen, dass Sie sich selbst überschätzt haben, sollten Sie auf keinen Fall trotzig oder beleidigt reagieren, empfiehlt Sachbuch-Autorin Nicola Holzapfel ("Ich verdiene mehr Gehalt"). "Besprechen Sie mit dem Vorgesetzten stattdessen seine Erwartungen an Sie und wie Ihre weitere Entwicklung konkret aussehen könnte."

Fehler: Zu hoch pokern

Ihrer Vorgesetzten fällt erst die Kinnlade herunter, als Sie sagen, was Sie künftig verdienen möchten. Dann fängt sie schallend an zu lachen. Vermutlich haben Sie Ihr Wunschgehalt zu hoch angesetzt. Vermeiden Sie abwegige Forderungen. Drei bis zehn Prozent mehr - in diesem Rahmen bewegen sich in der Regel Gehaltserhöhungen. Nur wenn Sie künftig deutlich mehr Verantwortung übernehmen, können auch einmal 15 Prozent drin sein.

Fehler: Sich unter Wert verkaufen

"Könnten Sie sich nicht vielleicht vorstellen, mir eventuell demnächst eine Gehaltserhöhung zu gewähren?" Das kann sich Ihr Chef nach dieser gewundenen Ansprache nur schwer vorstellen. "Formulieren Sie Ihre Argumente klar und deutlich, kurz und prägnant", so der Rat von Heike Friedrichsen. Fallen Sie andererseits aber auch nicht auf überschwängliches Lob herein, ergänzt Nicola Holzapfel. Wenn Ihr Chef ganz begeistert von Ihrer guten, verlässlichen Arbeit ist, dann sollten Sie sich nicht damit zufrieden geben, wenn er Ihnen vage in Aussicht stellt, "demnächst könne man dann ja mal über eine Gehaltserhöhung nachdenken".

Fehler: Erpressung

"Entweder Sie zahlen mir mehr Gehalt oder ich kündige." Drohungen dieser Art sollten Sie sich unbedingt verkneifen, sagt Jürgen Hesse, Buchautor, Bewerbungs- und Karrierecoach. Sie signalisieren Ihrem Vorgesetzten unmissverständlich, dass es Ihnen nur ums Geld geht - ein motivierter, loyaler Mitarbeiter sieht anders aus. Verläuft das Gespräch nicht wie geplant, dann vereinbaren Sie lieber einen neuen Termin in einem halben Jahr. Nach beruflichen Alternativen können Sie sich in der Zwischenzeit ja immer noch umschauen - ohne, dass Sie das Ihrem Chef auf die Nase binden.

Fehler: Falscher Zeitpunkt

Egal wie gut Ihre Chancen auf eine Gehaltserhöhung sind, schlechtes Timing kann sie schmälern. Die ungünstigsten Momente, um nach mehr Geld zu fragen:

  • Ist der wichtigste Auftraggeber weggebrochen und im Unternehmen von Kündigungen die Rede? Befindet sich Ihre Firma in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, ist das kein guter Zeitpunkt, um mehr Geld zu verlangen.
  • Geplatztes Projekt, Kundenbeschwerde: Falls bei Ihnen persönlich im Job gerade nicht alles rund gelaufen ist, sollten Sie lieber etwas abwarten.
  • Zwischen Tür und Angel: Für erfolgreiche Gehaltsgespräche sollten mindestens 30 störungsfreie Minuten eingeplant werden.
  • Kurz nach dem Urlaub: Ihrem Chef sind Ihre Leistungen nicht präsent. Montagmorgen und Freitagnachmittag sind ebenfalls tabu.
  • Und auch wenn der Chef dann in Bestlaune ist und Ihnen der Alkohol die Zunge lockert: Firmenfeste oder ein gemeinsames Feierabendbier sind definitiv der falsche Rahmen für ein Gehaltsgespräch.