Feedback in Unternehmen Sag was Nettes, Chef

Im Job bekommen wir oft nur dann eine Rückmeldung vom Chef, wenn etwas schiefgelaufen ist. Das hilft keinem. Ausgewogenes Feedback ist für jeden Mitarbeiter wichtig. Doch viele Chefs wissen nicht, wie sie es übermitteln sollen. Und auch die Angestellten machen Fehler.

Von Maria Holzmüller

Woche für Woche, Tag für Tag, immer das Gleiche. Wer morgens ins Büro kommt, weiß oft schon haargenau, wie der Vormittag ablaufen wird, was es mittags in der Kantine gibt und welche Aufgaben nachmittags auf dem Schreibtisch warten. Einmal gefangen in der Routine, kommen Beschäftigte nur schwer wieder heraus. Das kann ermüden. Vor allem, wenn ihnen nie jemand sagt, wie gut sie ihre Aufgaben erledigen - und wo es noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt.

Regelmäßig klagen Angestellte darüber, dass sie von ihrem Chef nur dann eine Rückmeldung auf ihre Tätigkeit bekommen, wenn er unzufrieden ist. Lob oder ausgewogenes Feedback vermissen viele.

Dabei wäre genau das enorm wichtig, sagt Karsten Müller, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Universität Mannheim. "Feedback ist eine unserer wichtigsten Lernquellen. Wenn es im Unternehmen kein Feedback gibt, dann sind Zusammenarbeit und Lernen nicht optimal", sagt er.

Eigentlich ist es doch ganz einfach: Wir verraten dem anderen, was wir für gut und was für verbesserungswürdig an seiner Arbeit halten - und der bedankt sich, denkt über unsere Wahrnehmung nach und stellt sein Verhalten möglicherweise um.

In der Praxis des deutschen Arbeitsalltags haftet jedem Feedback jedoch noch immer ein Schrecken an - für Vorgesetzte ebenso wie für Angestellte. Solange alles gut läuft, sehen Chefs keinen Anlass, sich in die Arbeitsabläufe des Beschäftigten einzumischen - und tun sie es doch, empfinden die Mitarbeiter das Gesagte oft als Kritik an ihrer Person und würden es lieber nicht hören. "Das Problem ist, dass Feedback oft nicht als Chance gesehen wird. Wir erinnern uns an die Bewertungen in der Schule und verstehen Feedback eher als Beurteilung. Deshalb nehmen wir häufig eine Verteidigungshaltung ein, anstatt die Entwicklungschance zu erkennen", sagt Professor Müller.

Damit Feedback auch angenommen wird, muss es allerdings auch adäquat übermittelt werden, betont der Wirtschaftspsychologe: "Feedback darf nicht generalisiert ausgesprochen werden, à la 'Du arbeitest immer zu ungenau' - das greift die Persönlichkeit des anderen an. Wichtig ist deshalb, das Feedback konkret an spezifischen Beispielen festzumachen", sagt er.

Außerdem von Bedeutung: die Ausgewogenheit. Positive Aspekte müssten genauso thematisiert werden wie Mängel.

Weil vielen Vorgesetzten für die Vermittlung von Feedback im direkten Gespräch die Zeit oder auch das Gespür fehlt, gibt es inzwischen auch zahlreiche Dienstleister, die Feedback erarbeiten. IT-Spezialist Manfred Spatz und seine Frau Eva, Wirtschaftspsychologin, gründeten Anfang des Jahres das Unternehmen ask4feedback. Online können Nutzer hier zum Beispiel Feedback zu ihrem Führungsverhalten oder ihrer Zielorientierung einholen.

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