Er ist der Star des deutschen Kinos: Regisseur Fatih Akin hat es nach ganz oben geschafft - als Sohn türkischer Einwanderer, der im sozialen Brennpunkt aufwuchs. Ein Gespräch über Schule, Bildung, Integration - und chancenlose Migranten.
sueddeutsche.de: Herr Akin, Sie sind der Sohn türkischer Einwanderer. Bei Ihnen zu Hause wurde nur Türkisch gesprochen, sie wuchsen in einem Hamburger Problemviertel auf und waren eine Zeit lang Mitglied einer Straßengang. In der heutigen Bildungsdebatte wären Sie von manchen als "Problemkind" bezeichnet worden.
Regisseur Fatih Akin: "Viele Türkenkinder aus meinem Viertel waren Sonder-, Haupt- oder bestenfalls Realschüler." (© Foto: ©Kerstin Stelter, corazón international)
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Fatih Akin: Ja, vielleicht. Aber ich hatte das Glück, dass meine Mutter sehr viel Wert auf unsere Bildung gelegt hat. Sie war ausgebildete Grundschullehrerin. In Deutschland musste sie als Putzfrau und Packerin arbeiten - aber ihr war völlig klar, dass mein Bruder und ich die besseren Chancen haben würden, wenn sie uns aufs Gymnasium schickt.
sueddeutsche.de: Hätten Sie Ihre Karriere auch gemacht, wenn Ihre Mutter Sie nicht auf ein Gymnasium geschickt hätte?
Akin: Ich glaube, mein Werdegang hat tatsächlich viel mit meinem Migrationshintergrund zu tun. Wie so viele türkische Familien damals hatten wir zu Hause einen Videorekorder, damit sich meine Eltern türkische Filme anschauen konnten. Schon mit acht Jahren habe ich mir Sendungen aus dem Spätprogramm aufgenommen. So stand für mich schon in der Grundschule fest, dass ich zum Film gehe. Außerdem hatten meine Eltern Freunde, die eine der ersten Videotheken in Hamburg besessen haben. Wenn niemand auf uns aufpassen konnte, weil mein Vater Akkord arbeiten musste, waren wir oft dort und konnten uns aus dem Sortiment alles aussuchen. Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Auf dem Gymnasium hat mich natürlich der Deutsch-Unterricht beeinflusst.
sueddeutsche.de: Waren Sie gut in Deutsch - obwohl Sie zu Hause Türkisch gesprochen haben?
Akin: Ich war gut, weil der Unterricht viel mit Dramaturgie, mit dem Geschichten-Erzählen zu tun hatte. Wir haben viel von Heinrich Böll und Max Frisch gelesen, das war wichtig für mich. Außerdem habe ich in der Theater-AG mitgemacht. Und es gab einige wenige Lehrer, die mich in meinem Berufswunsch immer unterstützt haben.
sueddeutsche.de: In Deutschland leben etwa zwei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln, ihr Bildungsstand ist relativ niedrig. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Akin: Ich kann nur von meinen persönlichen Erfahrungen sprechen. Auf meinem Gymnasium in Hamburg-Altona gab es viele Kinder mit Migrationshintergrund. In meiner Klasse waren von 28 Kindern die Hälfte Ausländer, davon fünf oder sechs Türken. Bei meinem Bruder war das anders: Er war der einzige Türke in seiner Klasse. Da gab es höchstens noch zwei andere Türken auf der ganzen Schule. Vielleicht hatte ich einfach nur Glück.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum andere Kinder aus Akins Viertel später kriminell wurden.
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Single Awareness Day
ich zerbreche mir schon heute den Kopf darüber, wie ich MEINEN Enkeln einmal erklären soll, warum man es in D. erfolgreich geschafft hat, v.a. qualifizierte Einwanderer durch unsinnige Hürden, Vorurteile, gläserne Decken und Zäune in andere Länder wie NL, Schweiz, Kanada etc. etc. zu treiben.
Sehr guter Kommentar !
Mfg
So kommen mir die Kommentare vor. Eine seltsame Diskussion, die mit dem ursprünglichen Artikel kaum mehr etwas zu tun hat. Analysiert man die Kommentare, so hat man den Eindruck, dass die Deutschen sich in Auflösung befinden und die Türken Deutschland übernehmen.
Nun wollen wir doch mal auf dem Teppich bleiben. Die Kultur in Deutschland hat immer von anderen profitert. Ohne Hafis kein Goethe usw. Wir brauchen kein Multikulti, aber ängstlich auf dem Sofa zu sitzen und meinen die bösen Ausländer nehmen uns alles weg ist nun wirklich kindisch.
...vor dem Hintergrund einer sich immer stärker selbst reproduzierenden migrantischen Unterschicht (Stichwort Familienplanung und Islam) ist uns schon in aller Stille um die Ohren geflogen. Ich zerbreche mir bereits heute den Kopf darüber, wie ich meinen Enkeln darüber einmal Rechenschaft ablegen soll.
frohe nachricht: sie können aufhören, sich den kopf zu zerbrechen! das ist kompletter unfug. auch wenn paranoide xenophobe das als schreckgespenst wieder und wieder an die wand malen. davon wirds nicht richtiger.
check this out: im artikel spricht fatih (der eroberer auf türkisch; na, schon angst?) akin von sich und seinem bruder. macht zwei. gezeugt und geboren von vater und mutter. macht zwei. preisfrage: um wieviel prozent hat sich dadurch der anteil der türkischstämmigen bevölkerung in deutschland vermehrt? und jetzt hat er mit einer deutschen ein kind gezeugt. um wieviel... etc
Und weil solche Denkverbote existieren, werden Daten systematisch nicht erfasst, nicht mehr erfasst oder verschleiert. Schauen Sie sich z.B. die Arbeitsmarktstatistik der BA an, gleiches gilt für Kriminalstatistiken. Das Problem ist, dass mangels solcher Statistiken weder dumme Parolen widerlegt werden können noch sinnvolle Maßnahmen abgeleitet. Es geht nur Politik mit der Methode "Augen zu und durch", mit allen negativen Konsequenzen.
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