In einigen Firmen hat das Umdenken begonnen: Mit Betriebskindergärten und Teilzeitjobs wollen sie Eltern aus der Erziehungszeit zurückholen. Welche Arbeitgeber besonders familienfreundlich sind.
Sind solche Ansichten typisch für einen Bankchef? "Wir haben vier Millionen Arbeitslose, da ist es doch besser, wenn die Frauen zuhause bleiben." Ein Gedanke, artikuliert vom Leiter eines Kleinstadt-Bankhauses im Oktober 2004 bei einer Sitzung der Industrie- und Handelskammer. Zuhörer in der oberbayerischen Provinz: zwanzig männliche Unternehmer sowie eine Referentin der IHK.
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Oder redet der deutsche Bankmanager eher so? "Unser Ziel ist eine vernünftige Balance zwischen Beruf und Privatleben. Haben Eltern einen freien Kopf, können sie besser auf die Wünsche der Kunden eingehen." Ein Satz, gesprochen vom obersten Personalchef der Commerzbank. Zuhörer: Diverse Journalisten bei einer Pressekonferenz in Frankfurt, November 2004.
Natürlich äußern sich Chefs umso freundlicher, je mehr Menschen zuhören. Trotzdem lässt sich die deutsche Arbeitswelt nicht mehr pauschal als "familienfeindlich" beschreiben: Positive Beispiele findet man in großer Zahl. Seit auch Verbände die ökonomischen Vorteile einer veränderten Personalpolitik betonen (siehe Kasten), hat im Unternehmerlager ein Wandel begonnen: "Das Interesse ist deutlich gewachsen", bilanziert die IHK-Referentin Elfriede Kerschl, die derzeit pausenlos vor Unternehmern über "familienfreundliche Firmen" berichtet. Wenn sie im lokalen IHK-Newsletter vorrechnet, wie sich einzelne Maßnahmen rentieren, "kommen schon mal dreißig, vierzig Anfragen. Schreibt man dagegen was über ,soziale Sicherung", ruft kein einziger an."
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Je größer ein Unternehmen, desto wahrscheinlicher praktiziert es familienfreundliche Personalpolitik. So befragte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Nürnberger Bundesagentur für Arbeit gehört, 15.000 Firmen. Das Resultat ist im renommierten "IAB-Betriebspanel" nachzulesen: In knapp der Hälfte der Firmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern gilt eine Vereinbarung über Familienförderung und Chancengleichheit. Bei Kleinbetrieben mit 10 bis 50 Beschäftigten haben nur sieben Prozent eine solche Vereinbarung. Zum gleichen Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft: "Eindeutig ist, dass Großunternehmen weit mehr familienfreundliche Maßnahmen einsetzen als kleine und mittelgroße."
Ein zweiter, von den Wissenschaftlern ermittelter Effekt: Je teurer die Mitarbeiter, desto mehr Unterstützung erhalten sie. Iris Möller und Jutta Allmendinger vom IAB haben drei Branchen als besonders familienfreundlich identifiziert - Telekommunikations-Firmen, Banken und Versicherungen. Ihre Deutung: Diese Unternehmen engagieren sich, weil sie "auf gut ausgebildete, hoch qualifizierte Frauen und auf ihre kontinuierliche Erwerbsarbeit angewiesen sind".
Beispiel Commerzbank. Barbara David arbeitet hier seit mehr als zehn Jahren daran, die Arbeitswelt ein wenig an die heutige Familienwelt anzupassen. Dafür bietet die Bank Hunderte von Teilzeit-Modellen, aber auch eine Notfall-Kinderbetreuung für Schulferien oder bei Krankheit der Tagesmutter. Zusätzlich finanziert der Konzern demnächst sogar eine Kinderkrippe in der Frankfurter Zentrale. Obwohl die Commerzbank wirtschaftlich klamme Zeiten durchstehen muss, sei all das nicht gefährdet, sagt Barbara David: "Es gibt keinen Gegenwind - ich habe eine breite Unterstützung im Unternehmen; die Kinderkrippe war sogar ein Vorschlag unseres Vorstands."
Sie kann sich auch erlauben, einen eingeschlagenen Weg zu verlassen. Als die Regierung Kohl 1992 den "Erziehungsurlaub" von drei Jahren einführte, wollte die Commerzbank großzügig sein und offerierte ein zusätzliches Jahr unbezahlter Familienzeit. Der Effekt: Manche Mütter, die zwei Kinder bekamen, erschienen erst nach sechs, sieben Jahren wieder im Büro - "ein fatales Resultat", wie Barbara David sagt. Also strich die Bank das Sonderangebot und versucht jetzt, junge Mütter schnell wieder an die Schreibtische zu holen - das erklärt auch die Gründung der Kinderkrippe.
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DFB-Torhüter ter Stegen