Familienförderung in USA und Europa Elternzeit fördert Teilzeit

Chefin sein: In Bayern machen sich Frauen häufiger selbstständig als in anderen Bundesländern. 

(Foto: dpa)

Der Anteil berufstätiger Frauen in den USA hat in den vergangenen Jahren kaum zugenommen, in Europa dagegen schon. Woran das liegt und warum das nicht nur ein Segen für die europäischen Frauen ist.

Vor gut 20 Jahren war die Geschlechterwelt auf dem US-Arbeitsmarkt noch in Ordnung: Die USA gehörten zu den zehn Nationen mit dem höchsten Anteil an weiblichen Arbeitskräften. Nur in Norwegen, Dänemark, Schweden, Finnland und Kanada arbeiteten mehr Frauen, Industrieländer wie Deutschland, Frankreich und Japan rangierten hinter den USA. Betrachtet man die Lage 2010, hat sich viel verändert - und nicht nur zum Besseren.

Einige europäische Länder konnten den Anteil von Frauen im Beruf massiv steigern. In Spanien arbeiteten 31,4 Prozent mehr Frauen als noch 1990, in Italien waren es 17,7 Prozent. Auch Deutschland und Frankreich verzeichneten zweistellige Zuwachsraten. In den Vereinigten Staaten dagegen gab es nur magere 1,2 Prozent mehr berufstätige Frauen als 20 Jahre zu vor.

Den Hauptgrund dafür sehen zwei Forscher der renommierten Cornell University in vergleichsweise zaghaft eingeführten familienpolitischen Maßnahmen wie staatlich geförderter Elternzeit. Francine Blau und Lawrence Kahn zeigen in ihrem Arbeitspapier, dessen Thesen in einem Blogbeitrag der Washington Post veröffentlicht wurden, wie unterschiedlich weibliche Arbeitskräfte während der Babyjahre von ihren Regierungen unterstützt werden - und was das für Konsequenzen für sie hat.

Elternzeit in den USA auf eigene Kosten

Im Jahr 1990 ermöglichten es andere Länder ihren jungen Müttern, nach der Geburt im Schnitt 37,2 Wochen lang zuhause bei ihrem Kind bleiben. In den USA existierte ein solches Angebot zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Mittlerweile können sich berufstätige US-Mütter immerhin zwölf Wochen Auszeit für ihr Baby nehmen. Das ist zwar schön, aber immer noch deutlich kürzer als die durchschnittlich 57,3 Wochen, die Frauen in anderen Ländern in Anspruch nehmen. Und eines hat sich in den USA nicht geändert: Wenn Frauen sich in den ersten Wochen ganz ihrem Kind widmen wollen, müssen sie das auf eigene Kosten tun. Von ihrer Regierung werden sie finanziell nicht unterstützt. In anderen Ländern wurden 1990 in der Elternzeit durchschnittlich 26,5 Prozent des ursprünglichen Gehalts vom Staat gezahlt, heute sind es 38 Prozent. Blau und Kahn sehen in der Knauserigkeit der US-Regierung in Sachen Elternzeit und Förderung von Teilzeit-Modellen einen Hauptgrund für den großen Unterschied bei den Beschäftigungszahlen.

Doch nicht in allen Aspekten hinkt der Anteil weiblicher Arbeitskräfte in den USA dem in anderen Ländern hinterher. Die Ergebnisse der Forscher zeigen, dass 55 bis 65 Prozent der auf eine großzügigere Familienpolitik zurückzuführenden Jobzuwächse lediglich in Teilzeit-Arbeitsplätzen münden. Während nur gut 13 Prozent der amerikanischen Frauen stundenweise arbeiten, sind es in anderen Ländern durchschnittlich 26 Prozent, Tendenz steigend. Bedenkt man, dass diese Jobs in der Regel schlechter bezahlt sind und weniger Absicherung im Alter bedeuten, so sieht der Arbeitsplatz-Vergleich weniger rosig aus.

Teilzeit als Karrierehindernis

Berufstätige US-Amerikanerinnen sind laut Blau und Kahn außerdem weit erfolgreicher darin, in ihren Unternehmen Leitungspositionen einzunehmen als ihre Geschlechtsgenossinnen in anderen Ländern. Die Chancen auf einen Managerposten stünden für Männer und Frauen in den USA etwa gleich gut, im Rest der vergleichbaren Länder betrage sie dagegen nur etwa die Hälfte.

Letztendlich führt nach Meinung der Autoren eine großzügig geförderte Elternzeit zwar zu einem höheren Prozentsatz von berufstätigen Frauen. Doch sie fördere außerdem die Job-Ungleichheit in Unternehmen. Während berufstätige Mütter auf Teilzeitpositionen dahindümpeln, machen Männer in ihrer Abwesenheit einfach weiter Vollzeit-Karriere.