Deutsche Wissenschaftler haben genug: In einem offenen Brief an Angela Merkel werfen 23.000 Doktoranden der Kanzlerin einen falschen Umgang mit dem Fall Guttenberg vor.
Der Frust muss raus: Wissenschaftler haben vor dem Kanzleramt einen von 23.000 Doktoranden unterzeichneten offenen Brief an Regierungschefin Angela Merkel übergeben, in dem sie der CDU-Politikerin in der Plagiats-Affäre eine "Verhöhnung" aller wissenschaftlichen Hilfskräfte vorwerfen.
Video
Plagiat: – So machten Wissenschaftler Druck (© reuters)
Anzeige
Ihre Haltung in der Debatte über die Dissertation von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) lege nahe, "dass es sich beim Erschleichen eines Doktortitels um ein Kavaliersdelikt handele", heißt es in dem Schreiben. Die Initiatoren kritisieren insbesondere die Aussage Merkels, dass sie Guttenberg als Minister bestellt habe "und nicht als wissenschaftlichen Assistenten".
Die Doktoranden beklagen, "wir haben den Eindruck, dass Sie mit aller Macht versuchen, einen Minister zu halten, der trotz massiver Gegenbeweise immer noch die Behauptung aufrecht erhält, er habe in seiner Doktorarbeit nicht bewusst getäuscht." Dabei habe Guttenberg große Teile seiner Dissertation "zusammenkopiert und Quellen vertuscht, um sich den Doktortitel zu erschleichen, mit dem er dann nicht zuletzt auf Wahlplakaten geworben hat".
Einer der Initiatioren des Briefes, Tobias Bunde, sagte, die Kanzlerin spreche stets von der Bildungsrepublik Deutschland. "Nach ihrem Umgang mit der Affäre Guttenberg fragen wir uns aber schon, ob man das noch ernst nehmen kann."
Der Brief mit der Unterschriftenliste wurde vor dem Kanzleramt von einem Mitarbeiter der Poststelle in Empfang genommen. Bunde betonte, er hoffe, dass Merkel die 100.000ste Unterschrift selbst annehme, falls die Affäre überhaupt noch so lange dauere.
Den vollständigen offenen Brief finden Sie hier.
- Annette Schavan über Guttenberg "Ich schäme mich nicht nur heimlich" 01.03.2011
- Guttenberg und die Plagiatsaffäre Im Kreuzfeuer der Kritik 27.02.2011
- Professor Peter Häberle Guttenbergs verzweifelter Doktorvater 28.02.2011
- Nach der Revolution Deutschland will Universitäten in Ägypten stärken 28.11.2011
- Studentenansturm Vorlesungen in der Kirche 24.11.2011
- Komplettes Studium in einem anderen Land Worauf Auslandsstudenten achten müssen 16.11.2011
- Konsequenzen aus der Plagiats-Affäre Wissenschaftsrat will Noten für Doktorarbeiten abschaffen 15.11.2011
(sueddeutsche.de/dapd/holz)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
"Zu den hochgehaltenen wissenschaftlichen Standards würde es des weiteren gehören, die verwendeten Begriffe zu definieren und nicht politisch-journalistische Schlagwörter zu verwenden. Was ist denn mit 'Kavaliersdelikt', das das 'Erschleichen eines Doktortitels' nicht sei, hier genau gemeint? Ist das ein strafrechtliches Urteil? Ein wissenschaftstheoretisches Urteil? Ein politisches Urteil? Oder doch nur ein moralisches Urteil? – Oder wissen die AutorInnen letztlich selbst nicht so genau, warum und worüber sie empört sind?"
Und @ "Verhöhnung":
Die "Herren und Damen AkademikerInnen [sollten] wissen: Guttenberg ist in der Tat nicht der wissenschaftliche Berater von Frau Merkel und auch kein Beamter im Bundeskanzleramt, der ggf. bestimmte Laufbahnvoraussetzungen erfüllen muß, sondern Politiker. Kriegsminister. Und diese Herren und Damen AkademikerInnen sollten noch aus ihrem Schulunterricht wissen, daß selbst Deutschland mittlerweile den Feudalismus hinter sich gelassen hat. Der Zugang zu politischen Ämtern ist seitdem nicht mehr an bestimmte Standeszugehörigkeiten und auch nicht das Führen eines Doktortitels gebunden. Und das ist gut so.
‚Schlimm’ ist nicht, daß auch ein Arbeiter mit Hauptschulabschluß und eine Putzfrau ohne Schulabschluß Bundeskanzler bzw. Bundeskanzlerin werden dürften. ‚Schlimm’ ist, daß sie es faktisch nicht können. Insofern wäre es auch nicht ‚schlimm’, wenn Guttenberg ohne Dr.-Titel Minister geworden wäre oder es ohne geblieben wäre.
Die ArbeiterInnenbewegung hat jahrzehntelang, nahezu ohne jeden Zugang zu akademischer Bildung, allein unterstützt von einer handvoll bürgerlicher Intellektueller, die aber überwiegend auch außerhalb der Akademie standen, leidlich erfolgreich Politik gemacht."
http://theoriealspraxis.blogsport.de/2011/03/01/nach-dem-abgang-des-symptoms-eine-offenherzige-antwort-an-30-000-dt-akademikerinnen/
Eine Unschuldsvermutung ist keine Verteidigung.
Ich ziehe ferner meinen Hut vor Ihrer Fachkenntnis. Sie schein problemlos zu beurteilen in der Lage zu sein, ob arglistige Täuschung vorliegt, oder nicht.
Man kann sich natürlich auf die Buchstaben berufen und argumentieren, die unterstellte vorsätzliche Täuschungsabsicht wäre kein Straftatbestand, somit würde die Unschuldsvermutung nicht gelten. Die Gremien der Uni Bayreuth können ergo Ihre Arbeit einstellen, denn es gibt eine Menge Leute, die haben die Schuld beschlossenm, sie ist ihnen offensichtlich.
Ich bin der Meinung: Die Unschuldsvermutung ist ein Menschenrecht und steht in der UN Charta. Sie gilt auch bei Vorwürfen, die keinen Straftatbestand darstellen. Ich wende sie auch privat an, zB indem ich meinem Sohn nicht sofort eine Ohrfeige verpasse, wenn irgendjemand behauptet, er hätte was angestellt, selbst wenn es auf den ersten Blick so aussieht. Ich mache mir die Mühe und nehme mir die Zeit zu hinterfragen, was genau passiert ist und warum, bevor ich mir ein Urteil erlaube. Ich fühle mich gut dabei. Wie sie das handhaben, bleibt natürlich Ihnen überlassen.
Einen schönen Abend noch...
(Aber vielleicht haben sie gar nicht begriffen, daß hier gar nicht zur Debatte steht, ob die Arbeit Plagiate enthält, oder nicht. Das ist bewiesen. Hier geht es um die vorsätzliche Täuschungsabsicht, die in dem Brief als Tatsache unterstellt wird.
Sollte dies zutreffen, so entschuldige ich mich und werde Sie nicht weiter behelligen, bzw. kommentieren.)
Die "Affäre Guttenberg", dass mehrere Zitate nicht korrekt als solche ausgegeben wurden, wird als ein Riesenskandal behandelt.
Der in diesem Zusammenhang aber sehr viel größere Skandal, dass es seit Jahren üblich ist in manchen Positionen sich bei einem Titelhändler den Doktortitel einfach zu kaufen, man schätzt in Fächern wie Wirtschaft oder Jura um die 3 Prozent aller Arbeiten, und selbst wenn es auffliegt der Doktor häufig nicht zurückgegeben wird, das ist derzeit überhaupt kein Thema.
Seltsam, seltsam, warum wohl?
PP
Guttenberg Doktorvater hat leider den Fehler gemacht sich auf die ehrenwörtliche Erklärung, die Arbeit selber angefertigt und alle Quellen richtig angegeben zu haben (§8 Promotionsordnung) Guttenbergs zu verlassen. Ein grober Schnitzer bei einem so ehrlosen Gesellen.
ohhh, die gute alte unschuldsvermutung.
1. ist die ein juristischer fachbegriff der für diskussionen vollkommen irrelevant ist:
http://de.wikipedia.org/wiki/Unschuldsvermutung
2. ist der fall einfach offensichtlich, schauen Sie doch mal selber:
http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Herausragende_Fundstellen
3. galt die unschuldsvermutung auch nicht für den gorch fock kapitän oder die beiden herren, die wegen kunduz von herrn guttenberg gefeuert wurden.
also eine ganz schwache letzte verteidigungslinie.
Paging