Der Wettbewerb um Talente ist schärfer geworden. Verlierer sind häufig kleine und mittlere Unternehmen. Wie Mittelständler um Fachkräfte werben.
Hemer ist ein reizvolles Städtchen im Sauerland. Das Kulturzentrum am Park lockt mit Klavierabenden, Kabarett und Filmen. Gleich zweimal zeigt der Abenteurer Michael Martin dort am nächsten Dienstag seine Dokumentation "Die Wüsten der Erde". 2010 richtet der Ort mit 38.000 Einwohner die Landesgartenschau aus. Schön, aber all das reicht nicht, um qualifizierte Arbeitskräfte nach Hemer zu locken. Der größte Arbeitgeber im Ort, der im Eigentum von Finanzinvestoren befindliche Badarmaturenhersteller Grohe, entschloss sich deshalb im vergangenen Jahr, seine Zentrale nach Düsseldorf zu verlegen. Internationale Spitzenmanager ließen sich nur schwer für einen Job im Sauerland begeistern, begründete Vorstandschef David Haines diesen Schritt. Damit folgte der Engländer auch den eigenen Wünschen: Er wohnte schon vor seinem Wechsel zu Grohe in Düsseldorf.
Charme der Provinz: Wie lockt man talentierte Führungskräfte aufs Land? (© Foto: dpa)
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Ein Konzern wie Grohe mit mehreren tausend Mitarbeitern kann sich solch einen Umzug leisten, viele Mittelständler können und wollen das nicht. Dabei würde dies die Besetzung von Führungspositionen erleichtern. Denn auf die Frage, weshalb ihre Firma Probleme hat, Fach- und Führungskräfte für sich zu begeistern, verweisen Personalchefs auf den von Bewerbern als wenig attraktiv eingeschätzten Standort. Das hat eine bisher unveröffentlichte Befragung mittelständischer Firmen durch die Unternehmensberatung BBDO Consulting ergeben, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.
Bis vor ein paar Jahren konnte es den Firmenchefs gleichgültig sein, dass mancher Bewerber vor einem Wechsel in die Provinz zurückschreckte. Es gab genügend geeignete Kandidaten. Das hat sich geändert. Viele Branchen plagen Nachwuchssorgen. Nach einer Studie des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom), sind derzeit in Deutschland etwa 43.000 Stellen für IT-Fachleute unbesetzt. Ein Viertel der Firmen mit offenen Stellen muss laut Umfrage Aufträge ablehnen, weil sie keine geeigneten Mitarbeiter finden. Mit diesem Problem kämpft nicht nur die IT-Branche. Nach der Studie von BBDO Consulting sieht jeder dritte Mittelständler in dem Mangel an Fach- und Führungskräften ein Wachstumshindernis für sein Unternehmen. "Zwei Drittel der Befragten befürchten, dass sie künftig Probleme haben werden, qualifiziertes Personal zu finden", sagt Angelika Inglsperger, Autorin der Untersuchung. Große Unternehmen mit prominenten Marken wie BMW, Porsche oder Adidas seien im Wettstreit um Talente in der besten Ausgangsposition: Sie seien bekannt und verfügten zudem meist über große Budgets, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu profilieren und neue Mitarbeiter zu rekrutieren.
Flache Hierarchien, früh Verantwortung übernehmen
Ganz anders sei die Situation im Mittelstand. Insbesondere dann, wenn es sich um Zulieferer handele, deren Produktname den Verbrauchern nicht vertraut sei. Wer weiß schon, dass die Dachsysteme der BMW-Cabrios von der Firma Edscha im Bayerischen Wald gefertigt werden? "Mittelständler sind oft auf sehr spezialisierten Produktfeldern tätig, die kaum bekannt sind und als wenig faszinierend wahrgenommen werden", sagt die Personalexpertin. Dennoch sind mittelgroße Firmen nach ihrer Einschätzung keineswegs chancenlos im Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte. "Sie müssen ihr Profil als Arbeitgeber schärfer betonen - also herausstellen, was sie von Großunternehmen unterscheidet", so Inglsperger. Dazu gehörten beispielsweise flache Hierarchien und das Angebot an Nachwuchskräfte, früh Verantwortung übernehmen zu können.
Dass solche Argumente zählen, zeigt das Beispiel von Michael Stiehl, dem Chef der Rauch-Gruppe, einem der größten Möbelhersteller in Deutschland. Knapp 20 Jahre arbeitete er für Daimler, ehe es ihn 1999 zu Rauch ins beschauliche Main-Städtchen Freudenberg zog. "Bei einem Mittelständler ist der Handlungsspielraum größer und es lässt sich mehr bewegen", sagt Stiehl. Sein Wechsel in die Provinz hatte aber auch private Gründe: "Zu einer Karriere im Konzern gehören mehrere Auslandsaufenthalte, und darunter leidet meist die Familie", sagt der Vater von vier Kindern. Die Entscheidung, zu Rauch zu wechseln, habe er "keinen Tag bereut".
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DFB-Torhüter ter Stegen
eine wahre Begebenheit..
Die andere traurige Wahrheit ist auch die Philosophie der Mittelständler. Ich kann sicher nicht alle pauschalisieren, aber dennoch wird die Aussage für die meisten zutreffen. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus will ein Mittelständler sowenig wie möglich für die eigene fachliche Weiterbildung seiner Mitarbeiter investieren. Fähige Nachwuchskräfte werden Mangelware weil die in den mittelständischen Betrieben oft höherwertige Ausbildung nicht mehr durchgeführt oder extrem abgebaut wurde. Ebenso haben auch noch viele Unternehmen die Einstellung: "Zu uns muß man wollen, und wer zu uns will, der kennt uns auch!"
Wie will man mit solchen Verfahrensweisen denn attraktiv am Arbeitsmarkt als AG wirken?
Es gibt Ausnahmen.. die bestätigen zwar die Regel.. aber es sind eben Ausnahmen..