Jugendliche Bewerber mit Hauptschulabschluss haben bei vielen Unternehmen keine Chancen. Ein Fehler, denn damit allein lässt sich keine Aussage über die Leistungsfähigkeit eines Jobanwärters treffen. Die Konzerne sollten bei der Auswahl der Mitarbeiter sozial durchlässiger werden - auch zu ihrem eigenen Nutzen.
Es gibt immer weniger geeignete Fachkräfte für die Wirtschaft. Gleichzeitig gibt es immer mehr Jugendliche, die aus benachteiligten Verhältnissen kommen und kaum eine Chance für den sozialen Aufstieg sehen. Unternehmen könnten beide Probleme lösen.
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Viele Ausbildungsplätze werden inzwischen nur noch mit Realschülern oder sogar Abiturienten besetzt. Dass auch Jugendliche mit Hauptschulabschluss oder gar ohne Schulabschluss sehr leistungsfähig sein können, wird ignoriert. (© dapd)
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Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen betont in ihrem neuesten Arbeitskräftereport, dass unter anderem zwei Hebel besonders wichtig sind, um die Fachkräftebasis in Deutschland zu sichern: die qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland und die stärkere Qualifizierung der Menschen in Deutschland.
Die Zuwanderung könnte beispielsweise dadurch steigen, dass die Bürger aus vielen neuen EU-Beitrittsländern seit Mai dieses Jahres die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit genießen. Diese wird allerdings bisher nur wenig genutzt, wie eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung nun gezeigt hat. Umso wichtiger wird also das Thema Qualifizierung und Ausbildung in Deutschland.
Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze ist jedoch im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 Prozent gestiegen. Wie kann das sein? Der aktuellen Bilanz der Bundesagentur für Arbeit zufolge liegt dies unter anderem daran, dass die Wünsche der Bewerber nicht immer mit dem Angebot übereinstimmen. Mit anderen Worten: Viele Bewerber wollen nur ihren Lieblingsberuf in ihrer Lieblingsstadt oder gar nichts. Es gibt aber auch noch eine andere Erklärung.
Unternehmen sind zertifikatsgläubig. Sie beurteilen die Bewerber vor allem nach ihrem Schulabschluss: Je höher, desto besser. Jugendliche, die auf der Hauptschule waren, oder gar keinen Schulabschluss vorweisen können, gelten von vornherein als schlecht qualifiziert und unmotiviert.
Sozialer Aufstieg - in Deutschland schwierig
Das mag zunächst rational erscheinen, erweist sich jedoch oft als unhaltbares Vorurteil: Unternehmen, die bereits eigene Erfahrungen mit solchen Jugendlichen gemacht haben, beurteilen sie deutlich positiver. Dies ergab unlängst eine repräsentative Umfrage unter deutschen Unternehmen, die das Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums gemacht hat. Daraus lassen sich zwei Schlussfolgerungen ziehen. Eine gute und eine schlechte.
Zuerst die Schlechte: Die Unternehmen tragen dazu bei, dass der gesellschaftliche Aufstieg in Deutschland so schwierig ist. In kaum einem anderen industrialisierten Land sind die Chancen so ungleich verteilt, wie in der Bundesrepublik. Wer aus einer bestimmten sozialen Klasse kommt, schafft es nur sehr selten in die nächsthöhere. Diese soziale Schichtung wird nur weiter zementiert, wenn Unternehmen ihre Personalentscheidungen von so starren Vorüberzeugungen leiten lassen. Doch nun die gute Nachricht.
Die Umfrage zeigt aber auch, dass offizielle Standeszertifikate, wie beispielsweise die Höhe des Schulabschlusses, eben keine hinreichende Aussage darüber abgeben, wie leistungsfähig ein Mensch eigentlich ist. Und wenn es jemanden gibt, der flexibel genug ist, um sich von starren Auswahlkriterien zu lösen, dann sollte es die Wirtschaft sein.
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Moderne Verwaltung
Jahrelange liest man, wie schlecht doch die Hauptschule sei. Selbst die SZ stößt ins gleiche Horn.
Jetzt rächt sich die ewige Forderung, dass alle Abitur haben sollten. Gerade diese Forderung führte dazu, dass die Hauptschule in ein immer schlechteres Licht gerückt wurden und bei den Menschen mittlerweile das Bewusstsein herrscht, die Hauptschule ist nur noch eine Resterampe.
Woher der Bewerberüberhang kam?
In Bayern aufgrund von drei Faktoren, die unglücklich zusammenfielen:
Sehr starke Binnenwanderung aus den alten Ländern nach Bayern, sehr starke Binnenwanderung aus den Neuen Ländern nach dem Mauerfall nach Bayern, sehr starker Zuzug durch insbesondere "Spätaussiedler". Die Einwohnerzahl Bayerns beträgt aktuell über 12,5 Mio. Menschen. Das sind 2,6 Millionen (!) Menschen mehr als Ende der 1980er, unmittelbar vor dem Mauerfall.
Diese Menschenmasse innerhalb von 20 Jahren auf dem bayrischen Arbeitsmarkt mehr oder weniger voll zu integrieren, es herrscht statisch Vollbeschäftigung, ist eine Herkulesaufgabe die vergleichsweise gut gelungen ist. Das muss man immer im Hinterkopf behalten.
Und gleichzeitig sinken alle diese drei Zuzugsquellen immer mehr, der Auslandszuzug bleibt, mit jährlichen Schwankungen, auf dem Durchschnitt der letzten 20 Jahre stabil. Gepaart mit der demographischen Entwicklung führt das zu einer gänzlich anderen Entwicklung in den kommenden 20 Jahren! Immer weniger junge Arbeitskräfte, immer weniger Bürger im erwerbsfähigen Alter überhaupt. Und es wird uns sehr schmerzhaft auf die Füße fallen wenn wir es nicht schaffen junge Menschen so schnell es geht nach der Schule in das Berufsleben zu integrieren, sei es bei Anlerntätigkeiten für eher praktisch Begabte (die es immer geben wird und die auch ihre Berechtigung und ihren Wert haben!). Diese im Nachhinein, wenn der Arbeitskräftemangel voll durchschlägt, in den Arbeitsmarkt zu integrieren wird sehr viel teurer und sehr viel schwieriger.
Schon aus wirtschaftlichen Gründen ist also der bisherige und aktuelle Umgang mit den jungen Leuten die Schulen und Hochschulen verlassen nur als selbstmörderisch zu bezeichnen, wenn diese Gesellschaft auch in 20 Jahren noch in Wohlstand leben will. Und wie schnell 20 Jahre vorbeigehen werden wissen wir alle, so fern fühlt sich der Mauerfall nämlich nicht an und doch sind schon über 20 Jahre vergangen.
Wir befinden uns im Moment an einer Schwelle, eine Zäsur, bereits seit letztem Jahr sinkt die Zahl der Deutschen im erwerbsfähigen Alter unaufhaltbsam und rapide. bereits im Laufe dieses Jahrzehnts werden wir 5 Millionen (!) weniger Arbeitskräfte zur Verfügung haben als im Laufe des letzten Jahrzehnts. Die Baby Boomer gehen dieses Jahrzehnt nämlich in Ruhestand. Eine Generation, nebenbei erwähnt, die ein Musterbeispiel dafür war dass es nicht auf formale Abschlüsse ankommt s
Sie als HR-Manager hätten jemandem wie z.B. Steve Jobs den Laufpass gegeben- ihn sogar geben müssen, da dieser "vollkommen unmotiviert" sein Studium abgebrochen hat. Vollkommen unzureichend. Aber es ist auch egal, denn wie sagen, die talentierten Hochschulabbrecher mit eigenen Ideen und Elan wollen sicherlich nicht bei der PWC, BCG, oder bei einer Versicherung Abteilungsleiter sein. Diejenigen, die "was drauf haben" packen es ohnehin (wobei das Eine das andere nicht ausschließt) . Aber zu den langweiligen "Karrierejobs" als Befehlsempfänger gibt es auch die entsprechend langweiligen und ideenlosen HR-Manager. Paradoxerweise müssen irgendwann auch die unqualifizierten Unternehmner -wie z.B. Steve Jobs- letzlich doch die materialistisch denkenden und extrinsisch motivierten und visionslosen Befehlsempfänger einstellen- zb im HR-Management ... Unternehmensgründer/Innen sind halt nicht immer die "Top-Leute", sondern eher diejenigen, die unangepasst sind und Drive haben!
"Sie haben recht, durch den Bewerberüberhang der letzten Jahre sind die Unternehmer zum Rosinenpicken übergegangen.
[...]
Derzeit ist der Arbeitsmarkt in Deutschland extrem verkrustet - und zwar nicht von staatlicher Regulierungsseite her."
Was meines Sie denn, wie der "Bewerberüberhang" sonst zustande kommen könnte? Ich betrachte das Problem ausschliesslich ökonomisch, wenn ich sage: Je höher Kapitalgewinne sind, desto höher sind Arbeitslosigkeit/Neuverschuldung. Dort liegt der Kern des Problems - und es ist Sache der Politik in Form von Vermögens- bzw. Kapitalgewinnbesteuerung dort regulierend einzugreifen.
Wenn es zehn freie Stellen mit zehn Bewerbern zur Auswahl gäbe, könnten Sie nicht so schnell schauen, wie scheinbar "ungeeignete" Arbeitskräfte vom Arbeitslosenmarkt vergriffen wären (ist keineswegs beleidigend gemeint).
Seit mehr als 10 Jahren lebe ich im Ausland, Nach Abschluß eines Studiums in der BRD und anschließender Promotion arbeite ich in einem multinationalen Konzern als HR-Managerin und kenne mich mit Bewerbern aus 3 Kontinenten sehr, sehr gut aus. Meine Erkenntnis
lautet: Zertifikate sagen sehr viel aus. Sie sagen nicht alles aus, manche Probleme mit Arbeitnehmern entstehen auf Basis der Persönlichkeit (passen nicht zur Firma, nicht zur Tätigkeit etc.). Aber ein Zertifikat plus entsprechende Einstellungstests, Vorstellungsgespräche und intensive Betreuung während der ersten 6 Monate ermöglichen eine gute Auswahl und exzellente Leistungen.
Zu schreiben, daß jemand mit geringer Qualifikation oder gar ohne Schulabschluß als weniger motiviert und weniger qualifiziert angesehen wird, ist korrekt und stimmt mit der Realität auch überein. Deutschland macht sich sehr viel Mühe und investiert sehr stark in die schulische Bildung. Wenn es jemand nicht mal schafft (trotz Fördermöglichkeiten etc.), einen HS-Abschluß zu erreichen, der ist nicht motiviert, der ist nicht qualifiziert, im Vergleich zu denen, die es eben schon schaffen. Und natürlich würde ich einen Abiturienten eher einstellen als eine Person mit HS-Abschluß, wenn die Tätigkeit eine entsprechende Bildung voraussetzt.
Brauche ich Handwerkliches, dann nehme ich gerne jemanden mit einem HS-Abschluß aus Bayern.
Wenn man anders vorgeht, kommt es zu den o.g. Problemen: Person paßt nicht zur Tätigkeit, und das hat alle möglichen negativen Konsequenzen, die weder für die Beteiligten noch für die Unternehmen angenehm sind. Diese gilt es, zu vermeiden. Und wer glaubt, daß jeder alles kann und jeder alles machen können sollte, der liegt falsch.
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