Von Von Christine Burtscheidt

Auf- statt Abbau: Die bayerischen Fachhochschulen fordern Geld und Personal, um mehr Studenten praxisnah ausbilden zu können.

Der Staatsregierung stehen schwierige Entscheidungen bevor. Entgegen ihres strikten Sparkurses muss sie kräftig in ihre Hochschulen investieren, will sie den Standort Bayern nicht gefährden. So sehen die bayerischen Fachhochschulen angesichts ihrer bereits überproportionalen Auslastung keinen Spielraum mehr, Angebote auszudünnen oder gar zu streichen. Stattdessen fordern sie zusätzlich Geld und Personal, um künftig 40 Prozent der Hochschulabsolventen auszubilden. Auch denken sie über eine Verlagerung weiterer Studiengänge von den Universitäten an die Fachhochschulen nach; insbesondere in den Naturwissenschaften, der Technik und der Lehrerbildung.

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Das geht aus dem "Optimierungskonzept 2010" hervor. Vier Wochen nach den Universitäten haben jetzt auch die 17 Fachhochschulen ein Zukunftspapier beim Wissenschaftsministerium eingereicht. Die Expertenkommission unter der Leitung des Konstanzer Philosophen Jürgen Mittelstraß soll dies nun ebenso prüfen und daraus für die Regierung eine Generallinie ableiten.

"Weitere Kürzungen von Personal- und Sachmitteln müssen unterbleiben, Ausbau ist erforderlich", heißt es knapp unter dem Punkt "staatliche Maßnahmen" in dem jetzt vorgelegten Optimierungskonzept. Erich Kohnhäuser, Sprecher der Fachhochschulrektoren, spitzte das gestern nochmals zu: "So etwas wie die Theologie haben wir nicht. Wir bieten nur Dinge, die nachgefragt sind." Im Gegensatz zu den Universitäten sind die Fachhochschulen sehr praxisbezogen und in ihren Angeboten stark am Arbeitsmarkt orientiert. Die Studiengänge sind entsprechend überlaufen: 32 283 Studienplätze gibt es bayernweit, die sich 63.995 Studenten teilen.

Nahezu alle Einrichtungen müssen den Zustrom bereits mit einem Numerus clausus beschränken. Und auch das wird in Zukunft nicht mehr ausreichen.

Zurzeit sind rund 30 Prozent eines Studenten-Jahrgangs an den Fachhochschulen eingeschrieben. Künftig aber, so fordert es die Kultusministerkonferenz bundesweit, sollen es 40 Prozent sein. Bei einem darüber hinaus nochmals steigenden Akademikeranteil werden 2013 doppelt so viele, nämlich 130.000 Studenten, an den Fachhochschulen eingeschrieben sein.

Selbst Wissenschaftsminister Thomas Goppel räumte gestern ein: "Ein solcher Zuwachs ist sicherlich mit der gegenwärtigen Raum- und Personalausstattung nicht zu leisten." Zumal diese schon jetzt mehr schlecht als recht ist. Die Rektoren beziffern in ihrem Papier das Defizit bei den Professorenstellen auf 18 Prozent, bei den nichtwissenschaftlichen Mitarbeitern auf 28 Prozent.

Die große noch unbeantwortete Frage aber wird sein: Wie lassen sich die Studentenströme von den Universitäten an die Fachhochschulen lenken? Goppel setzt hier vor allem auf eine bessere Studienberatung; auch Eignungstests und engere Kooperationen mit den Universitäten sollen dazu beitragen. Vor allem aber fordert er, dass das Studienangebot ständig überarbeitet wird. "Alle Studienangebote werden nach ihrer Attraktivität für den Arbeitsmarkt und für Studierende gemessen und angepasst, gegebenenfalls auch eingestellt", sagte der Minister.

Mit großen Umschichtungen oder gar einem Rückbau rechnet jedoch keiner. Bestenfalls sehen die Fachhochschulen noch eine Manövriermasse im Bauingenieurwesen. Schwerpunkte bleiben aus ihrer Sicht die Betriebswirtschaft, Informatik, Maschinenbau oder die Sozialarbeit. Neu hinzu kämen eher bislang nicht akademische Berufe etwa im Gesundheitswesen. Stärker will man sich auch in der Biowissenschaft, der Mechatronik oder dem Lehramt positionieren. Hier wäre eine Verlagerung von Studiengängen aus den Universitäten denkbar. Goppel wünscht sich allerdings eine Debatte über alle Fächer - mit Ausnahme der Geisteswissenschaften und der Medizin.

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(SZ vom 25.8.2004)