Der Wettbewerb um den Titel Elite-Uni geht weiter. Für die Hochschulforscherin Barbara Kehm ist klar: Es entsteht ein Drei-Klassensystem.
Mit der Exzellenz-Initiative fördern Bund und Länder Spitzenforschung. In der ersten Auswahlrunde haben sich die TU und die LMU in München sowie die Technische Universität Karlsruhe den Titel Elite-Uni erkämpft. In der zweiten Runde haben es acht Hochschulen in die engere Auswahl geschafft. Beworben hatten sich 27. Für die Graduiertenschulen und die so genannten Exzellenzcluster sind 278 Projektvorschläge eingegangen. Die endgültige Entscheidung, wer gefördert wird, wird erst im Oktober gefällt.
Barbara M. Kehm (© Foto: Uni Kassel)
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Ein Interview mit der Hochschulforscherin Barbara M. Kehm, Leiterin des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung der Universität Kassel, über die Auswirkungen des Wettbewerbs auf die deutsche Hochschullandschaft.
sueddeutsche.de: Dieser Freitag wird für einige Hochschulen schicksalhaft. Was bedeutet es, beim Exzellenz-Wettbewerb aus dem Rennen zu fallen?
Barbara Kehm: Es wird für die betreffenden Hochschulen natürlich eine Enttäuschung sein. Aber es geht dabei um mehr als Geld und Prestige. Die Exzellenz-Initiative wird zu einem Drei-Klassensystem in der deutschen Hochschullandschaft führen. Es wird eine kleine Gruppe von forschungsintensiven Hochschulen entstehen, die mit zusätzlichem Geld unterstützt wird. Daneben wird es eine große Gruppe forschender Hochschulen geben, die sich jedoch auch an der Bewältigung der Studentenmassen werden beteiligen müssen. Der Rest sind weniger forschungsorientierte dafür lehrintensive Hochschulen.
sueddeutsche.de: Der Elite-Begriff verleitet zu der Vermutung, es gäbe bessere und schlechtere Hochschulen.
Kehm: Es war der politische Wille, künstlich Elite-Unis zu schaffen, weil man im internationalen Vergleich mithalten will. Aber die ausgewählten Hochschulen sind doch nicht per se die Besten in Deutschland. Das wollen sie vielleicht einmal werden. Sie haben eine gute Strategie entwickelt und sich damit im Rahmen der Exzellenz-Initiative durchgesetzt.
sueddeutsche.de: Und wie stehen sie im internationalen Wettbewerb da?
Kehm: Das kommt darauf an, mit wem man sich vergleicht. Auch wenn die Exzellenz-Initiative Geld und Reputation bereitstellt: Harvard oder Stanford haben deutlich mehr finanzielle Mittel zur Verfügung und dazu noch eine viel längere Tradition. Das kann man nicht innerhalb von zehn Jahren erreichen.
Entscheidend ist, was die Hochschulen daraus machen. Sie haben jetzt die Möglichkeit, attraktivere Berufungsangebote zu machen, gute Forscher und Studierende anzulocken oder sich zum Beispiel auf Graduierenden-Programme zu konzentrieren. So können sie ihre Reputation vermehren.
sueddeutsche.de: Der Exzellenz-Initiative wurde vorgeworfen, dass sie die Naturwissenschaften bevorzuge.
Kehm: Das ist so. Die Qualität der wissenschaftlichen Exzellenz spielt für die Förderung eine geringere Rolle als die Frage nach der gesellschaftlichen und ökonomischen Relevanz. Dem entsprechen die technischen Fächer natürlich eher.
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Das Erschreckende an diesem Artikel ist eigentlich die Vorhersage, dass diese für ihre Forschungsarbeit prämierten Universitäten wohl die Studiengebühren, sobald es möglich ist, erhöhen werden. Doch was hat der Studierende davon ausser der Möglichkeit zu sagen "Ich war auf einer Elite-Uni"? Der Ausdruck Eliteuniversität ist einfach nur irreführend und, so finde ich, eigentlich nur berechtigt wenn eine Eliteuni auch eine Eliteausbildung in Aussicht stellt.
Meiner Meinung nach ist es extrem unwahrscheinlich, dass jede Fakultät einer Universität auf gleichem Niveau forscht. Als (fiktives) Beispiel würde ich anbringen, dass die Karlsruher theologischen Fakultäten im Vergleich mit den Heidelberger Fakultäten nicht mithalten können. Wäre es da nicht klüger, Elite-Fakultäten auszurufen statt Elite-Universitäten?