Expatriates Niemand wartet auf die Rückkehrer

In der Firma stellen Expatriates ebenfalls fest, dass die früheren Kollegen nicht sehnsüchtig auf ihre Heimkehr gewartet haben. Erst recht wollen diese nicht darüber belehrt werden, wie dieses und jenes - etwa in den USA - gemacht wird. "Während viele Expatriates im Gastland versuchen, sich sensibel den anderen Verhältnissen anzupassen, entwickeln sie nach ihrer Rückkehr eine Art missionarischen Eifer", hat Bittner beobachtet. Das kommt bei Kollegen nicht gut an.

Auch auf sachlicher Ebene jenseits jeglicher Besserwisserei gibt es in vielen Betrieben kein Konzept, wie Erfahrung im Ausland für die Firma systematisch genutzt werden könnte. "Dafür bräuchte man eine Art Firmen-Wiki, das verzeichnet, welcher Angestellte Kontakte und Wissen in welchen Bereichen hat. Das scheitert nicht nur am Betriebsrat", sagt Bittner.

Er hat aber Verständnis dafür, dass die Rückkehrer ihr Fachwissen nicht immer einsetzen können: "Nun war jemand vier Jahre Bereichschef in Portugal und möchte nach seiner Rückkehr eine leitende Funktion in Deutschland, in der er gezielt seine Portugal-Kenntnisse nutzt - so eine Stelle gibt es aber meistens nicht." Diese Diskrepanz mache vielen zu schaffen, die im Ausland verantwortlich für eine ganze Region waren, in Deutschland jedoch zurück in die Reihe müssen, "schließlich haben Leitungsfunktionen im Stammhaus ein ganz anderes Gewicht. Dort sind sie in der Hierarchie wieder viel weiter unten."

Wer etwa als oberster Firmenvertreter in einer rumänischen Stadt bei jedem Fest vom Bürgermeister hofiert wurde, ist hier wieder einer unter vielen. Hinzu komme, dass die Expatriates in vielen Teilen der Welt zur Oberschicht gehören, sagt Bittner: "Dort übernimmt alles die Haushälterin, hier stehen die Leute plötzlich selbst wieder im Supermarkt in der Kassenschlange."

Rückkehrer Baier meint: "Da muss man erst mal wieder entwöhnt werden - und das wollen viele nicht. Ich kenne einige, die sich von Auslandsaufenthalt zu Auslandsaufenthalt hangeln." Dies berge die Gefahr, sagt Bittner, dass man plötzlich zu den Auswanderern zähle, die Deutschland für immer den Rücken gekehrt haben - ohne sich jemals bewusst für diesen Schritt entschieden zu haben. Sollte man also besser generell auf einen Auslandsaufenthalt verzichten?

Nicht, wenn man Karriere machen will, erklärt Bittner. Zwar könne man nicht gleich bei seiner Rückkehr mit einer Beförderung in höhere Hierarchien rechnen, "aber Personaler sagen durchaus, dass diejenigen weiterkommen, die im Ausland erfolgreich gearbeitet haben und sich ein halbes oder ein Jahr lang auch wieder in der Heimat bewähren". Zwar wird der Schritt ins Ausland nicht mehr automatisch mit Beförderung belohnt. "Aber er wird umgekehrt bei der Karriere vorausgesetzt. Wer nicht im Ausland war, wird bei manchen Posten nicht mehr berücksichtigt."

Diese Entwicklung berge die Gefahr, dass Frauen im Beruf benachteiligt würden, die für mehrere Jahre in der Fremde auf eine eigene Karriere verzichten. Im Gegensatz zu weiblichen seien viele männliche Partner nicht bereit, Job und soziales Umfeld für die Karriere der Frau für längere Zeit aufzugeben. "Drei Jahre lang Hausmann in den USA zu machen, können sich die wenigsten vorstellen." Sei der Expatriate hingegen männlich, nutze das Paar die Zeit im Ausland oft für eine Babypause der Partnerin.

Familie Baier kann sich vorstellen, noch mal an ein anderes Ende der Welt zu ziehen - wieder heimisch fühlt sie sich trotz netter Nachbarn auch nach einem Jahr nicht. Noch wäre Zeit, der Abstand zur Pension groß genug. "Sonst bekommt man bei der Rückkehr im Vorrentenalter keine interessante Aufgabe mehr", fürchtet Baier. Weitaus jüngere Chefs würden dem unbekannten Mitarbeiter aus der Fremde nicht mehr viel zutrauen.