30 Prozent der deutschen Unternehmen werden von Frauen gegründet. Oft steht das Privatleben der Selbstständigkeit im Weg.
(SZ vom 20.9.2001) Geld gehört in Männerhände. Wer für diese Binsenweisheit eine wissenschaftliche Erklärung sucht, wird in der Betriebswirtschaftslehre fündig. "Frauen sind aus natürlichen Gründen mit weniger Unternehmersinn ausgestattet als Männer", schrieb der Betriebswirt Eugen Schmalenbach. Das war 1949. Im Jahr 2001 kämpfen Frauen seltener mit diesem Vorurteil, ihr Weg in die Selbständigkeit aber ist noch steinig.
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Von den 3,3 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland wurden fast eine Millionen von Frauen gegründet. Knapp 30 Prozent - diese Zahl ist der Ministerialdirigentin im Wirtschaftsministerium, Gisela Hammers-Strizek, noch zu klein. Bei einer Tagung der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) zum Thema "Wirtschaftsfaktor Unternehmerin" fordert sie deshalb mehr Harmonie zwischen Berufswelt und Familienleben. Herzustellen sei diese beispielsweise durch Ganztagsschulen oder die Förderung von privater Kinderbetreuung.
Das weibliche Privatleben steht der eigenen Firma häufig im Weg, so auch die Erkenntnis von Margarita Tchouvakhina. "Der Unternehmer hat seine Familie im Rücken, die Unternehmerin hat ihre Familie im Nacken", zitiert die Referentin der DtA. Neben diesen geschlechtsspezifischen Ungereimtheiten hätten Frauen aber mit den gleichen Schwierigkeiten wie Männer zu kämpfen. Als da wären: die Finanzierung der Idee, die uferlose Bürokratie, das Personal sowie die Zahlungsmoral der Kunden. Das letzte Problem stelle sich bei Unternehmerinnen allerdings seltener. Möglicherweise zahlten die Kunden an Frauen deshalb pünktlicher, weil diese sie stärker an sich binden könnten, vermutet Tchouvakhina.
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Im viel gelobten Land Amerika ist für Unternehmerinnen vieles besser, aber nicht alles.
Die amerikanischen Gründerinnen seien so erfolgreich, weil es drüben "zielgruppenspezifische Programme" gebe, in denen Finanzierung und Unterstützung kombiniert würden, lobt Katrin Hansen, Professorin an der Fachhochschule in Gelsenkirchen. Die jungen Unternehmerinnen werden mit Idee und Geld nicht alleine gelassen. Zudem scheinen die Frauen in den Vereinigten Staaten den Netzwerk-Gedanken verstanden zu haben. Sich dichter in solchen Netzwerken zu verweben, sollte auch ein Ziel deutscher Unternehmerinnen sein, rät Tchouvakhina.
Deutsche Unternehmerinnen sind vor allem im Dienstleistungssektor stark. Das macht Hoffnung für die Quote, zumal die DtA diesem Sektor ein starkes Wachstum prognostiziert. Auch in anderer Hinsicht gibt es positive Signale. Unternehmerinnen würden in der Finanzwelt immer beliebter, berichtet die Vertreterin des Wirtschaftsministeriums, Hammers-Strizek.
Nach einer kanadischen Studie zahlten nämlich Frauen ihre Kredite zuverlässiger zurück. Zudem zeichneten sich Firmen unter weiblicher Führung durch ein kontinuierlicheres und solideres Wachstum aus. Warum das so ist? "Frauen", sagt Hammers-Strizek, "sind einfach vorsichtiger."
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