Europäische Zentralbank auf Mitarbeitersuche EZB will Personal für Bankenaufsicht bei Geschäftsbanken abwerben

700 Stellen hat die EZB für die neue Bankenaufsicht zu besetzen. Das Problem: Es gibt nur wenig arbeitslose Bankenaufseher auf dem Markt. Doch die attraktiven Gehälter könnten auch Risikomanager mit "einschlägiger Berufserfahrung" locken.

Von Andrea Rexer, Frankfurt

Wer 700 Mitarbeiter auf einmal einstellen will, darf nicht allzu wählerisch sein. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist es jedenfalls nicht, was die erste Bewerberrunde für die neue Bankenaufsicht angeht. Schon im nächsten Jahr soll unter dem Dach der Notenbank eine gemeinsame europäische Aufsicht die Arbeit aufnehmen.

Nachdem es wenig arbeitslose Bankenaufseher auf dem freien Markt gibt, wird die Aufgabe denkbar schwierig. Das ist der obersten Führungsetage im Frankfurter Euro-Tower bewusst. Sie beschränken sich nun nicht mehr nur auf nationale Aufseher, sondern werben gezielt um Kräfte aus anderen Bereichen: "Wir versuchen möglichst breit bei Wirtschaftsprüfern aber auch in den Geschäftsbanken gutes Personal zu werben", heißt es in obersten EZB-Kreisen. Man wolle das Team "gut durchmischen", damit es den hohen Qualitätsanforderungen genügt.

Das Gehaltsband beginnt bei 54.000 Euro

Die Notenbank fischt damit also auch in fremden Gewässern. Damit könnte sie durchaus Erfolg haben, denn die EZB zahlt im Vergleich zu anderen Behörden sehr gut. Dem Vernehmen nach beginnt das Gehaltsband, dem die neuen Aufseher unterliegen, bei 54.000 Euro und geht - je nach Funktion - hinauf in den niedrigen sechsstelligen Bereich. Zudem lockt sie mit zahlreichen Zulagen und dem niedrigen EU-Steuersatz - der beginnt bei nur acht Prozent.

Die Kriterien, denen die Bewerber genügen müssen, werden bewusst weich formuliert: Die Kandidaten müssen EU-Bürger sein, sie brauchen einen Universitätsabschluss (mindestens Master oder gleichwertiger Abschluss), sie müssen Englisch und eine weitere EU-Sprache fließend sprechen. Darüber hinaus sollen sie "einschlägige Berufserfahrung" mitbringen. Und hier wird es interessant: Denn was ist "einschlägig"?

Bundesbank und Bafin wollen Personal schicken

Unstrittig hat Personal aus den nationalen Aufsichten die richtige Art von Berufserfahrung. In Deutschland haben Bundesbank und Finanzaufsicht Bafin bereits zugesagt, dass sie Personal schicken, und beide haben mehrfach betont, dass es in ihrem Interesse sei, dass besonders qualifizierte Mitarbeiter zur EZB gehen.

Die Bundesbank hat den Wechselwilligen sogar ein Rückkehrrecht angeboten, falls ihnen der neue Job dann doch nicht zusagen sollte. Auch die Aufsichtsbehörden in anderen EU-Ländern stellen Personal. Doch das wird nicht reichen, um den Bedarf zu decken.

"Bei den Banken dürften vor allem Risikomanager eine attraktive Zielgruppe sein", sagt Christian Schätzlein, der an der Frankfurt School of Finance den Bereich Risikomanagement und Regulierung leitet. Einen formalen Studiengang "Aufsicht" bietet derzeit keine Hochschule an, aber an der Frankfurt School of Finance gibt es einige spezifische Kurse, zu denen sowohl die Bundesbank als auch Geschäftsbanken ihre Mitarbeiter schicken. So drücken etwa im Kurs "Meldewesen" Banker und Aufseher gemeinsam die Schulbank.

Man will Kandidaten mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung

Auch bei Bafin und Bundesbank gibt es keine formale Ausbildung zum Aufseher, vielmehr wird Personal nach und nach trainiert, teils an der Bundesbank-Hochschule. Während die Bundesbank auch Studienabsolventen aufnimmt, wird die EZB im ersten Jahr der Aufsicht keine Berufsanfänger einstellen, heißt es in der Zentralbank. Man wolle Kandidaten zwischen drei bis fünf Jahren Berufserfahrung, damit die Aufsicht sofort starten könne. "Wir denken aber darüber nach, in einigen Jahren eine Ausbildungslaufbahn oder ein Trainee-Programm anzubieten", heißt es.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. In den nächsten Monaten werden nach und nach Stellenanzeigen für die unterschiedlichen Funktionen freigeschaltet. Die interessanteste darunter wird in den nächsten zwei Wochen publik: Die Ausschreibung für den Chef-Posten. Doch die Entscheidung darüber wird vermutlich nicht vor Jahresende fallen, selbst wenn alle Beteiligten ihr Bestes geben. Denn die EZB ist als supranationale Behörde an eine Vielzahl von Regeln gebunden, die Ausschreibung muss einige Wochen öffentlich zugänglich sein, dann müssen verschiedene Gremien zustimmen und schließlich hat das EU-Parlament ein Wörtchen mitzureden.

Und schon fürchten führende Notenbanker, dass das den Prozess aufhalten könnte. Zu frisch sind noch die Erinnerungen an die monatelangen Debatten um die Ernennung des Luxemburgers Yves Mersch, das Parlament hatte darauf bestanden, dass im Direktorium mindestens eine Frau sitzen müsse, und so blieb der Posten monatelang unbesetzt. Immerhin ist nach dieser Debatte zumindest ein Kriterium sonnenklar, auch wenn es in keiner Stellenanzeige auftauchen wird: Die neue Bankenaufsicht wird eine Frau zur Chefin haben, alles andere käme beim Parlament nicht durch.