Von Deutschland aus gesehen hat man Gunter Pleuger meist im Westen verortet, zum Beispiel in New York. Jetzt ist Pleuger für ein neues Amt im Gespräch, das schon geografisch überrascht: Am deutschen East River, in Frankfurt an der Oder, könnte er bald die Europa-Universität Viadrina leiten
Von Deutschland aus gesehen hat man Gunter Pleuger meist im Westen verortet, zum Beispiel in New York. Zuletzt war er dort Botschafter bei den Vereinten Nationen, was nur insofern mit dem Osten zu tun hat, als der Glasturm der UN am East River steht. Jetzt ist Pleuger für ein neues Amt im Gespräch, das schon geografisch überrascht: Am deutschen East River, in Frankfurt an der Oder, könnte er bald die Europa-Universität Viadrina leiten - was derzeit noch Gesine Schwan tut, obwohl die sich eigentlich längst im Wahlkampf für die SPD befindet.
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Pleuger, 67, ist auf dem entgegengesetzten Weg: Sollte ihn die Universität zum Präsidenten berufen, rückte er nicht nur nach Osten, sondern auch von der Politik ins Akademische. Es gäbe zwar Gemeinsamkeiten zwischen der neuen und der alten Aufgabe, da die Viadrina nicht nur der deutsch-polnischen Verständigung dienen soll, sondern überhaupt Studenten aus aller Welt empfängt. Der größte Unterschied zu den UN dürfte allerdings darin bestehen, dass die Frankfurter Universität Lernwillige anzieht, während sich in New York viele tummeln, die leider meist unbelehrbar sind.
Umgängliche Art
Als eindrücklichster Beweis dafür ist Pleuger der 6. Februar 2003 in Erinnerung geblieben, als er im Sicherheitsrat lauschen musste, wie US-Außenminister Colin Powell über angebliche Belege für irakische Massenvernichtungswaffen referierte. "Es war gespenstisch", sagte Pleuger einmal der SZ, "jeder im Saal wusste, dass seine Fakten falsch waren". Pleuger bewies, dass ein Spitzendiplomat auch mal dem engsten Verbündeten entgegentreten muss, selbst wenn dies die USA sind. Trotz seiner umgänglichen Art zeigte er sich zuweilen kämpferisch. Nicht nur im Irak-Konflikt, sondern auch als Unterhändler für das rot-grüne Prestigeprojekt, den UN-Sicherheitsrat zu reformieren und - vor allem - einen ständigen Sitz für Deutschland herauszuschlagen. Pleuger spielte mit hohem Risiko, letztlich scheiterte die Reform an der Zerstrittenheit seiner Verbündeten. Trotzdem blickte er, als er 2006 pensioniert wurde, auf eine erfolgreiche Laufbahn zurück, in der er es unter Außenminister Joschka Fischer bis zum Staatssekretär gebracht hatte.
Seine zuletzt sehr prominente Rolle bei den UN hat vergessen lassen, dass Pleuger, der 1941 im mecklenburgischen Wismar geboren wurde und der unter anderem in Paris studierte, oft auch an der Einigung Europas mitgewirkt hat. Im Auswärtigen Amt war er mit der Osterweiterung der EU befasst, in New York arbeitete er in allen Fragen mit dem französischen Botschafter zusammen. Heute engagiert sich Pleuger in der Stiftung Genshagen für die Verständigung mit Frankreich und Polen, im Beirat sitzt er dort mit einer gewissen Gesine Schwan.
Pleuger will sich nicht dazu äußern, ob er Schwan an der Viadrina nachfolgt, weil die Universität noch nicht entschieden hat. Dass die Märkische Oderzeitung bereits seinen Namen lanciert, ist ihm unangenehm. Wenngleich sein Profil passen würde. Schon lange hatte er mit seiner Lesebrille etwas Professorenhaftes, und zwar, verglichen mit so manchem Hitzkopf bei den UN, durchaus im positiven Sinne des Wortes.
(SZ vom 5.6.2008)
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