Die vom EU-Parlament geforderte Verlängerung des Mutterschutzes ist richtig.Wer über Fachkräftemangel klagt, muss auch etwas dafür tun, dass künftige Fachkräfte geboren werden.
Wer nur auf die Statistik schaut, müsste Frauen davon abraten, in Deutschland ein Baby zu bekommen. Ist der Mutterschutz vor und nach der Geburt doch hierzulande so kurz wie nirgendwo sonst in der Europäischen Union, von Malta abgesehen. Insgesamt 14 Wochen dürfen Frauen in Deutschland derzeit rund um die Niederkunft bei vollem Gehalt zu Hause bleiben. Die EU will der Bundesregierung nun 20 Wochen Mindestfrist vorschreiben.
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Das EU-Parlament möchte den Mutterschutz von 14 auf 20 Wochen ausdehnen. (© ddp)
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Doch was nach einem Drama klingt, ist gar keins. Denn bezieht man die insgesamt 14 Monate mit ein, in der Mütter und Väter einen großen Teil ihres Gehalts in Form von Elterngeld ersetzt bekommen können, ist die deutsche Regelung im internationalen Vergleich großzügig.
98 Prozent der Mütter und Väter nutzen diese Möglichkeit und kümmern sich länger in Vollzeit um ihr Baby, als der reine Mutterschutz dies vorsieht. Insofern wird die Verlängerung für viele Eltern nicht viel bringen - außer einer kleinen Geldspritze. Viele kleine Geldspritzen allerdings summieren sich, und das lässt Regierung und Wirtschaftsverbände jetzt aufstöhnen. Und deshalb gibt es sogar Frauen, die um die Karrierechancen ihresgleichen fürchten, sollte nun Mutterschutz XL verordnet werden.
Der Schritt der EU ist nicht zwingend erforderlich - aber trotzdem gut. Denn erstens sind einheitliche Standards in der gesamten EU wichtig, was Deutschland an anderer Stelle oft reklamiert. Und zweitens ist die Verlängerung ein Signal: Sie betont den Wert von Kindern und nimmt Frauen den Druck, allzu bald nach der Geburt wieder zu arbeiten. Wer über Fachkräftemangel klagt, muss auch etwas dafür tun, dass künftige Fachkräfte geboren werden.
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(SZ vom 19.10.2010/holz)
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Als berufstätige Mutter von 3 Kindern kann ich nur sagen: endlich,endlich, tut sich mal was, um den Mutterschutz in Deutschland zu verbessern!!!
Haben Sie es schonmal ausprobiert, mit einem 8 Wochen alten Säugling (bei Mehrlingen 12 Wochen) arbeiten zu gehen??? Er will alle 2-3 h gestillt werden, dafür kann man ungefähr jeweils eine 3/4 h einrechnen und nachts heisst es in aller Regel auch noch mehrfach aufstehen. Welche Frau kann dabei noch 100 % produktiv für die Arbeit sein?? (mal ganz unabhängig davon, ob eine Säuglingsbetreuung auf dem Betriebsgelände möglich ist, wie lang die Anfahrt zur Arbeitsstelle ist und dass die offiziell genehmigte Stillzeit während des gesamten Arbeitstages gerade mal 60 min max. beträgt).
Für meine Freundin aus dem Studium, die von ihrem deutschen Arbeitgeber nach Frankreich entsendet worden ist, und dort nun im nächsten Jahr das 3.+4. Kind im Doppelpack erwartet, kann ich nur innigst wünschen, dass die Bundesrepublik schnellstmöglich die 20 Wochen-Regelung umsetzt, so dass der Nachteil zu ihren französischen Kolleginnen, die bei Zwillingen 34 Wochen Mutterschutz ab Geburt erhalten, ein bisschen geringer wird!
Unabhängig davon, ob das Vorhaben in der Sache sinnvoll oder wünschenswert ist, hätte frau/man doch gern gewusst, wer im Europäischen Parlarment sich aus welchen Gründen für eine Änderung stark macht bzw. gemacht hat -- daraus würden sich u.U. Wahl entscheidende Gesichtpunkte für 2014 ergeben.
na dann mal kurz folgende Rechnung:
Ich stelle einen jungen Ingenieur ein. Ein halbes Jahr später, also kaum eingearbeitet wird seine Frau schwanger. Der Herr fehlt dann ein paar Monate, ich brauche einen Ersatz. Kaum wieder am Arbeitsplatz (ins laufende Projekt kann ich ihn nicht integrieren, weil ihm die Kenntnisse fehlen), ist das nächste Kind unterwegs. Und wieder brauche ich einen Ersatz.
Und wenn Sie den Zirkus ein-zwei mal mitgemacht haben (hatte eine Frau, die sass mir 3 Jahre lang auf der Lohnliste, ohne je das Büro besucht zu haben; war dann mal wieder krank, schwere Schwangerschaften etc etc. und dann meinte die Dame, sie erhalte den angestrebten Posten "einfach so wieder" und kam auch gleich mit dem Anwalt; klar dass sich diese Szene in Deutschland abspielte), dann stellen Sie ganz einfach keine Frauen mehr ein.
Meine Frau arbeitete vor der Geburt nach danach nach einer zehntägigen Pause wieder zu 100%, und das bei allen Kindern. Weil sie das so wollte (war ihr sonst zu langweilig).
Es bringt viel mehr, wenn Unternehmen eigene Kindertagesstätten einrichten, entsprechend grosse Büros haben (und keine Arbeitsnischen). Frauen (und Ehemänner) müssen TROTZ Kinder arbeiten können und nicht wegen Kindern keinen Job finden. Und je länger der Mutterschaftsurlaub ist, desto hinderlicher ist das beim Finden eines Arbeitsplatzes. Und einstellen tut nun mal der Arbeitgeber und ich stelle ein, wer mir passt und wer für mich das Optimum rausholt.
Ich habe nicht zuletzt deswegen die Firma in Deutschland geschlossen und ins Ausland verlagert. Und dort kann ich ohne weiteres Frauen einstellen, habe mit andern Firmen zusammen eine kleine Tagesstätte, die grösse der Büros erlauben sogar einen Spielecken, man hat flexible Arbeitszeitmodelle und Homeoffices. Derzeit sind es drei junge Mütter, die von diesem Angebot profitieren. Und alle hatte eine Babypause von gut 2-3 Wochen und nicht länger.
potentielle Eltern, die Kinder nur wegen längerer Mutterschutzfristen, Elterngeld, Elternzeit, usw. in die Welt setzen würden, dächten ziemlich kurzfristig. Der Großteil derjenigen, die Nachwuchs bewußt planen, tun dies sicherlich mit Weitblick und mehr Lebenserfahrung (zumal das "Einstiegsalter" steigt). Vielleicht ist aber gerade dies der Grund und solche Aussagen und Einstellungen (z.B. bei cj_calva), dass sich viele Menschen gegen Kinder entscheiden.
Wer Kinder will hat Verantwortung, das gilt nicht nur für werdende Eltern, hier sind alle gefordert (Gesellschaft, Wirtschaft, Staat), Weitblick und die bewusste Entscheidung für Verantwortung zu schärfen.
Bitte?
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