Thinschmidt: Stellen Sie sich vor, eine Erzieherin muss ein Kind einem offensichtlich alkoholisierten Vater aushändigen, der mit dem Auto unterwegs ist. So etwas ist sicherlich nicht die Regel, kommt aber vor. Oder ein Kind leidet unter den Partnerschaftsschwierigkeiten seiner Eltern. Dann muss eine Erzieherin auch die Auseinandersetzung mit den Erziehungsberechtigten suchen - und ist dafür nicht immer gut gerüstet. Viel zu oft wird der Beruf einfach nur als der einer Spaß- und Basteltante beschrieben. Die Menschen unterschätzen die täglichen Anforderungen, die dieser Beruf mit sich bringt.
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Psychologin Marleen Thinschmidt: "Die Ansprüche an Erzieherinnen sind in den letzten Jahren stetig gewachsen." (© Foto: privat)
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sueddeutsche.de: Leiden die Erzieherinnen unter diesem Image?
Thinschmidt: Ja, denn das hat mit der Realität überhaupt nichts zu tun. Die Ansprüche sind in den letzten Jahren stetig gewachsen: Kitas sollen nicht nur "aufbewahren", sondern erziehen, einen Beitrag zur Integration leisten, auf die Schule vorbereiten und den Kindern Chancengleichheit in puncto Bildung und Gesundheit bieten. Zum Arbeitsalltag gehören also vor allem pädagogische Konzepte, das Anlegen von Portfolios der einzelnen Kinder, Beobachtungs- und Entwicklungsbögen und die Auseinandersetzung mit zum Teil sehr anspruchsvollen und widersprüchlichen Elternerwartungen.
sueddeutsche.de: An dem Streik beteiligen sich nur die Erzieherinnen kommunaler Einrichtungen. Wie ist die Situation in freien oder kirchlichen Kitas? Würden Sie Eltern empfehlen, ihre Kinder eher dort betreuen zu lassen?
Thinschmidt: Nein, man kann die Situation nicht nach Trägern differenzieren. Es gibt tolle städtische Krippen genauso wie andere. Vor Ort kommt es immer darauf an, dass engagierte und interessierte Menschen mitarbeiten. Gerade deshalb sollte man den Streik ernst nehmen: Ignorieren wir jetzt die richtigen Forderungen, werden wir langfristig nicht mehr genug gut ausgebildete und motivierte Erzieherinnen haben.
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(sueddeutsche.de/mri/jja)
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Ich höre immer wieder, dass sich die Leute doch diesen Beruf selbst ausgesucht und demzufolge nicht zu meckern hätten. Mal ganz davon abgesehen, dass das ein Totschlagargument ist, denn der Bedarf ist riesengroß und MUSS abgedeckt werden. Gehen wir doch einfach mal davon aus, niemand hätte mehr Lust dazu, Erzieherin, Krankenschwester und was es da noch so an Berufen im Nonprofitbereich gibt zu werden, was wäre dann?
@Runkelrübe
Ich vermute aber mal, dass Sie bedeutend mehr verdienen als eine Erzieherin.
Anmerkung zum Sitzen auf Kinderstühlen: Ich kann mich noch erinnern, dass es mal als Teil des pädagogischen Konzepts angesehen wurde, in Augenhöhe mit den Kindern zu sein. Nun, vieles überlebt sich im Laufe der Zeit und da sollte der Arbeitgeber doch bitte nicht weiter an Überholtem festhalten und gefälligst seiner Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern nachkommen.
Fakt aber ist, dass eine Erzieherin, die zur Ergreifung des Berufes einen mittleren Bildungsabschluss braucht und dann eine fünfjähre Ausbildung durchläuft, viel zu wenig verdient, vergleicht man ihr Gehalt mit dem anderer Berufstätiger mit ähnlichem Bildungshintergrund.
Wenn ich dieses Interview lese, dann kann ich einfach nicht bestreiten, dass die Erzieherinnen in meinen Augen nicht wirklich mehr Verständnis erwarten müssen, als jeder Andere Arbeitnehmer.
Nehmen wir die Hauptargumente der Belastung, des Lärms und der Erschöpfung.
Die Belastung in einem Beruf hängt natürlich vom Arbeitsumfeld ab, dennoch muss ich klipp und klar sagen, dass ich als Erzieherin doch darüber im Klaren sein muss, in welches Arbeitsumfeld ich mich begebe. Wer keine Büroarbeit machen möchte, der bewirbt sich doch nicht als Sekretärin? Natürlich sind Kinder nicht nur Schutzbedürftig sondern fordern auch ein hohes Maß an Aufmerksamkeit. Doch wie ich auch schon bei tappy nur zustimmend nicken konnte:
Es geht doch nicht nur~ darum, den Kindern beim Spielen zuzusehen und ihnen die Schuhe zu binden? Oftmals würde ein Bisschen mehr Struktur und ein fester Plan Wunder bewirken. Das wiederrum ist jedoch nicht eine Frage des Gehaltes, sondern dem Stil der Führung einer Kita.
Der Lärm ist natürlich ein hoher 'Störfaktor', auch, wenn mir das Wort nur widerwillig über die Zunge kommt. Mich würde interessieren, was die Damen und Herren einer Kindertagesstätte erwarten? Einen Beruf zu erlernen, heißt sich doch auch mit den Rahmenbedignungen auseinander zu setzen. Ich arbeite selbst in einem Büro Flughafen und über meinem Kopf landen sowie starten Flugzeuge. Mit Telefon und jeder Unterhalltung im Raum, die ständig anhalten bin ich mir sicher, ist der Lärm nicht mehr oder weniger heftig.
Erschöpfung ist dann natürlich auch ein großes Thema. Ich möchte niemandem die Härte seiner Tätigkeit abstreiten. Dennoch bin ich mir sicher, dass es weitaus erschöpftere Menschen gibt.
Und natürlich die Frage, die uns beschäftigt:
Bis jetzt ist noch nicht einmal wirklich ans Licht gerückt, was eigentlich gefragt ist und was Ver.di erreichen möchte?
PSYCHOLOGIN ????????
"Stellen Sie sich vor, eine Erzieherin muss ein Kind einem offensichtlich alkoholisierten Vater aushändigen, der mit dem Auto unterwegs ist. "
Was soll denn dieser Aussage implizieren ?? ? Das sollen Argumente sein für eine "gerechte Bezahlung" ?
Hier wird doch offensichtlich am gesunden Menschenverstand gerüttelt.
Wenn jemand nicht aus Liebe zum Beruf gewisse Anforderungen aushalten kann; dann soll er/sie sich einen anderen suchen !
Natürlich sollte eine angemessene Bezahlung erfolgen, aber heutzutage schreit ja jeder Berufstand nach besserer Bezahlung
WER SOLL DAS DANN BEZAHLEN ???
Ergo, es werden die Steuern erhöht und dann wird genau von diesen Leuten wieder gewinselt!
Auch der Vergleich mit den Dezibeln tut einem ja im Herzen weh.
DEUTSCHLAND ERWACHET !!!!!!!!!!!
Meine Rede von gestern: "So lange die Kitas als Verwahranstalten aufgefasst werden, deren einziger Zweck eine Art "Babysitting" ist, das die Eltern als Dienstleistung in Anspruch nehmen, wird sich nichts ändern." Daß Erzieherinnen den Kindern Kenntnisse, Wissen und Erfahrungen vermitteln sollen und müssen wird "vorsichtshalber" übersehen. Daraus könnten sich ja gesellschaftliche, vernunftorientierte Verpflichtungen ergeben.
Paging