Die Folgen der Krise: Unternehmen stellen in Deutschland die Hälfte aller Beschäftigten nur noch befristet ein. Betroffen sind vor allem junge Leute und Frauen.
Immer mehr Arbeitnehmer erhalten nur noch einen Vertrag auf Zeit, obwohl sie lieber unbefristet angestellt werden würden. Das Statistische Bundesamt meldet, dass fast jeder zehnte in einem beschränkten Arbeitsverhältnis steht. Das ist der höchste Stand seit der Wiedervereinigung. Bei Neueinstellungen ist inzwischen sogar fast jeder zweite Job befristet. Dies trifft vor allem junge Leute, Ausländer und häufiger auch Frauen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert gesetzliche Änderungen.
Besonders häufig sind befristete Jobs in den neueren Dienstleistungssparten. (© Foto: ddp)
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Die Zahl der Zeitverträge hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich zugenommen. 1991, als die Statistiker die Zahlen für Gesamtdeutschland erstmals erfassten, waren noch 5,7 Prozent befristet beschäftigt. 2008 betrug die Quote bereits 8,9 Prozent. Das entspricht 2,7 Millionen der seinerzeit 30,7 Millionen Arbeitnehmer. In den allermeisten Fällen sind die Zeitverträge auf 24 Monate begrenzt.
Das Phänomen ist in den Wirtschaftszweigen unterschiedlich stark ausgeprägt. Besonders häufig seien befristete Jobs in den neueren Dienstleistungssparten, teilte die Wiesbadener Behörde mit. Dazu zählt das Amt zum Beispiel die Leiharbeitsbranche, das Wach- und Sicherheitsgewerbe und die Gebäudereiniger. Längst Alltag sind befristete Arbeitsverträge in Konzernen. Auf solche Verträge setzen laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) 90 Prozent der Großbetriebe, die mehr als 250 Leute beschäftigen. In Kleinbetrieben ist es umgekehrt: Nur einer von zehn hat Arbeitskräfte befristet eingestellt.
Frauen müssen sich nach Angaben des Amtes etwas häufig als Männer mit zeitlich begrenzten Arbeitsverträgen zufriedengeben. Besonders hoch ist der Anteil der Befristung bei jüngeren Beschäftigten: In der Altersgruppe der 15- bis unter 20-Jährigen arbeiten 40,7 Prozent mit einem befristeten Vertrag. In der Altersgruppe der 20- bis unter 25-Jährigen ist es jeder Vierte, dabei hat das Statistische Bundesamt Lehrlinge und Auszubildende nicht berücksichtigt. Ausländer sind ebenfalls überdurchschnittlich stark betroffen, nicht zuletzt weil sie oft in Branchen wie dem Handel und Gastgewerbe und dem Dienstleistungssektor arbeiten. Dort kommen befristete Verträge häufiger vor.
Immer höher wird der Anteil befristeter Arbeitsverhältnisse bei Neueinstellungen. Das Nürnberger IAB fand heraus, dass sich von 2001 bis zum ersten Halbjahr 2009 der Anteil der Zeitverträge bei allen Neueinstellungen von 32 auf 47 Prozent erhöht hat. "Befristete Verträge werden in den Betrieben inzwischen als verlängerte Probezeit genutzt", sagte Claudia Weinkopf, Expertin des Instituts für Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen, der Süddeutschen Zeitung. "Die Unternehmen wollen sich nicht binden und in der Krise möglichst flexibel bleiben." Befristet Beschäftigte bekämen die Betriebe schneller wieder los, erklärt Weinkopf.
Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Bundesvorsitzende, sagte der SZ: Besonders junge Menschen seien dadurch gezwungen, "ihre Lebens- und Familienplanung am nächsten verfügbaren Job auszurichten". Sehrbrock forderte die Bundesregierung auf, die Unternehmen per Gesetz dazu zu zwingen, Befristungen stets zu begründen. "Damit wären Vertretungen oder Abdeckung von Auftragsspitzen erlaubt, Befristungen ins Blaue hinein aber nicht." Joachim Möller, Direktor des IAB, verweist hingegen darauf, dass in knapp der Hälfte der Fälle Arbeitnehmer nach einem Zeitvertrag unbefristet im Betrieb übernommen werden.
- Befristete Arbeitsverträge Die Zeit läuft 16.03.2010
- Befristeter Arbeitsvertrag Stückwerk mit Tücken 24.05.2009
(SZ vom 17.03.2010/woja)
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guten Morgen? im öffentlichen Dienst ist seit ich dort anfing, zu arbeiten (1995), locker die Hälfe der Generation mit dem Pech der späten Geburt befristet angestellt. Sind wir so wenige, dass wir hier offenbar mehr oder weniger unter "sonstige Freaks" segeln?
DGB und ver.di sollen bloß die Klappe zu dem Thema halten, deren gnadenloses Anheizen des Besitzstandswahrertums in der vorangegangener Generation hat ja erst dazu geführt, dass wir Nachgekommenen vertraglich so geknüppelt werden, ein bißchen wirtschaftlich muss der Laden ja arbeiten.... mit einem Bein im kochenden Wasser und mit einem im Eiswassereimer kommt ein guter Mittelwert aber keine angenehme Temperatur für die einzelnen heraus.
Von dieser Thematik mal abgesehen: wenn mein Arbeitgeber sich mir gegenüber betont wenig verpflichtet, bin ich ihm umgekehrt auch weniger schuldig. Wenn ich mir mein Leben nicht anders als mit gelungener Karriere vorstellen kann, tut das weh.
Aber es ist erstens ja nicht so, dass es gar keine unbefristeten Stellen mehr gäbe.
Zweitens kann man die Möglichkeit, nach Ablauf seines Vertrags woandershin zu gehen, genausogut selber zum Zocken benutzen (gesetzt den Fall, man ist nützlich. Wenn man daran allerdings zweifelt, sollte man den Begriff "gelungene Karriere" reevaluieren). Seinem Arbeitgeber im Falle eines Falles unauffällig die Zunge rauszustrecken, indem man einfach von sich aus den Vertrag nicht verlängert, ist sozial akzeptiert und ok. Kündigen ist deutlich aggressiver und erklärungsbedürftiger erfordert mehr Mut.
Und drittens, mir persönlich sind andere Dinge mindestens ebenso wichtig wie "Karriere"!!!
sie haben völlig recht. Richard Sennett hat übrigens hierüber einiges lesenswertes geschrieben. Für die Unternehmen entsteht tatsächlich das Dilemma, dass sie sich der Loyalität der befristeten Arbeitnehmer nciht mehr sicher sein kann. In der Industrie war es ja früher so, einmal Thyssen immer Thyssen. Maximale Loyalität.
Was passiert mit sensiblen Informationen in einem Unternehmen, wenn diejenigen die damit befasst sind, womöglich in ein oder zwei Jahren für die Konkurrenz arbeiten?
Warum sollte sich ein Arbeitnehmer für die Zukunft eines Unternehmens einsetzen, dass sich nicht für die Zukunft des Arbeitnehmers interessiert?
Dass jeder zweite aus befristeten Verträgen übernommen wird, nützt ja nichts. Befristete Verträge mögen zwar auf dne ersten Blick dem Unternehmen nützen, weil man sich schnell wieder von Arbeitnehmern trennen kann. Aber für mich als Arbeitnehmer stellt sich die Frage, ob ich mich in diesem Unternehmen 200% engagieren soll. Mit einem halben Bein steh ich aj schon wieder draußen. Habe es auch erlebt, dass weder in der Stellenanzeige noch im Vorstellungsgespräch die Befristung erwäht wurde und mir nach der Zusage wie selbstverständlich ein Einjahresvertrag ins Haus flatterte. Unternehmen werden immer unverschämter. Ist doch erschreckend, wie viele Leute in solchen befr. Vertragen arbeiten. Kein Wunder, dass die Geburtenraten sich weiterhi im Sinkflug befinden.
Legendenbildung ihrerseits, wie nicht anders zu erwarten. Sie suggerieren, dass unbefristete Verträge dazu führen, dass die Arbeitnehmer einen Quasi-Beamtenstatus erhalten, und kaum noch kündbar sind. Das ist realitätsferner Unsinn. Längere Kündigungsfristen entstehen überhaupt nur dann, wenn ein Mitarbeiter bereits jahrelang im Betrieb ist, alles andere was in dieser Richtung behauptet wird, ist kompletter Unfug.
Der deutsche Arbeitsmrkt ist einer der am stärksten regulierten Arbeitsmärkte weltweit.
Daher verwundert es einen kaum, dass die Unternehmen in einem solchen starren regulierten Markt, in zeitlich befristete Anstellungsverhältnisse ausweichen.
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