Ergebnis der Vergleichsstudie Pisa-Test: Asiens Schüler sind die besten

Deutschland verbessert sich im Pisa-Test und verringert das Leistungsgefälle zwischen schwachen und starken Schülern. Ein Grund zum Jubeln? Nein.

Von Tanjev Schultz

Die Schüler ostasiatischer Staaten haben bei der Pisa- Studie am besten abgeschnitten. Die Jugendlichen im chinesischen Shanghai schafften Spitzenwerte im Lesen, Rechnen und in den Naturwissenschaften. Darauf folgen Südkorea, Singapur und Hongkong sowie Finnland als einziges europäisches Land. Deutschland liegt deutlich dahinter, hat den Abstand zur Spitze in den vergangenen Jahren aber verkleinern können und sich stetig verbessert.

Vor Deutschland liegen noch eine Reihe anderer Industriestaaten, darunter Kanada, Neuseeland und die Schweiz. Auch Japan hat, wie in vorangegangenen Untersuchungen, wieder überdurchschnittlich gut abgeschnitten, so dass asiatische Länder die Pisa-Spitzenplätze klar dominieren. Damit erweisen sich zwei unterschiedliche pädagogische Traditionen als gleichermaßen erfolgreich bei den internationalen Pisa-Tests: auf der einen Seite stark auf Leistung und Fleiß - bis hin zum Drill - aufbauende Schulkulturen wie in China und Südkorea. Und auf der anderen Seite eher liberale, reformpädagogisch inspirierte Schulsysteme wie in Finnland.

Es gibt allerdings auch Gemeinsamkeiten. So ist das Prestige von Lehrern sowohl in Finnland als auch in Südkorea äußerst hoch. Die Pädagogen werden dort sehr sorgfältig ausgebildet und müssen sich schweren Auswahlverfahren stellen. Außerdem sind die Schulen teilweise deutlich besser ausgestattet als in Deutschland. So ist es in Finnland üblich, dass zusätzliche Fachkräfte die Lehrer unterstützen, etwa Psychologen, Sozialarbeiter und Krankenschwestern.

Erstmals liegt Deutschland in zwei Fächern über dem Durchschnitt

Die Pisa-Studien sagen allerdings streng genommen nur bedingt etwas über die Qualität der Schulen aus. Gemessen werden Grundfertigkeiten im Lesen und Verstehen von Texten, im Rechnen und im Deuten naturwissenschaftlicher Phänomene. Entsprechende Kenntnisse werden auch außerhalb der Schule geprägt, vor allem in den Familien und durch Medien. Mit zum Erfolg der asiatischen Staaten könnten Nachhilfe-Institute beigetragen haben, in denen beispielsweise viele Chinesen der Mittel- und Oberschicht ihre Kinder lernen lassen.

Die deutschen Schüler haben sich in den vergangenen Jahren bei den Pisa-Studien kontinuierlich verbessert. Erstmals liegen ihre Testwerte nun in zwei Fächern - Mathematik und Naturwissenschaften - statistisch klar über dem Durchschnittswert der Industriestaaten. Bei der ersten Studie vor zehn Jahren hatten die Deutschen dagegen noch in allen Fächern deutlich schlechtere Ergebnisse erreicht als der Durchschnitt. Vor allem die Leistungsschwachen sind in Deutschland besser geworden und tragen so zum stärkeren Abschneiden bei.

Die Leistungskluft zwischen guten und schwachen Schülern ist nicht mehr so tief wie noch vor zehn Jahren. Auch Kinder von Migranten haben sich verbessert. Allerdings haben sie im Durchschnitt noch immer einen beträchtlichen Abstand zu ihren Mitschülern. Insgesamt bestimmt die soziale Herkunft den Schulerfolg in Deutschland weiterhin stark. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), forderte die Bundesländer zu einer Bildungsoffensive für Migranten auf. Schulen mit hohem Migrantenanteil benötigten mehr Lehrer und Schulsozialarbeiter, sagte Böhmer.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ließ im Frühjahr 2009 weltweit fast eine halbe Million zufällig ausgewählte Schüler testen. In Deutschland beteiligten sich mehr als 220 Schulen an den Tests.

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