Odilo Lechner hat ein großes Ziel vor Augen: die Ewigkeit. Auf dem Weg dorthin ist die Karriere unwichtig.
(SZ vom 27.04.2002) Bevor mir 1975 mein erster Orden verliehen wurde, hatte ich immer gedacht, dass ich so etwas ablehnen würde. In der Kirche gibt es ja diese institutionalisierte Tugend-Vorstellung von Demut und Bescheidenheit. Aber als ich dann den Orden bekam, habe ich mich doch gefreut.
Odilo Lechner (© )
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Nicht, dass diese Dinge wirklich wichtig wären, aber es ist schon so eine Anerkennung. Und jeder Mensch braucht Erfolg: Das motiviert.
Als Junge habe ich davon geträumt, ein berühmter Dichter zu werden. Die Vorstellung, mich auf dem Theaterbalkon zu verbeugen, gefiel mir. Mein Vater war Bankbeamter, daher war ich Realist genug, um zu wissen: davon würde ich erst mal keine Familie ernähren können.
Also habe ich mir überlegt, das nötige Geld als Schrankenwärter an einer abgelegenen Bahnstrecke zu verdienen. Ein paar mal am Tag würde ich die Schranke herunterlassen, die Frau könnte den Garten pflegen, aber vor allem würde ich dichten.
Ich studierte Theologie und entschied mich für den Priesterberuf in einem Orden. Die Gemeinschaft und das geordnete Leben dort waren der eine Grund. Ein anderer Grund war - ein bisschen salopp gesagt -, dass ich im Singen schlecht war und dachte, im Kloster singen immer mehrere. Als Pfarrer müsste ich die Oster-Liturgie alleine singen. Aber man wird immer für die unlauteren Motive, die man ins Kloster mitbringt, bestraft: Ich bin dann Abt geworden und muss nun der Liturgie vorstehen und singen, auch wenn's falsch ist.
Als ich mit 33 Jahren zum jüngsten Benediktiner-Abt Deutschlands gewählt wurde, habe ich mich gefreut, das Vertrauen der Mitbrüder zu finden. Aber es gab natürlich auch eine gewisse Beklemmung darüber, wie ich der Aufgabe gerecht werden könnte. Jeder Mensch, jeder Abt, jeder Manager hat seine Stärken und Schwächen. Und die Schwächen sieht man gewöhnlich erst mit der Zeit.
Ich bin von Natur aus ein eher harmoniesüchtiger Mensch, was natürlich hilft, um Konflikte innerhalb der Gemeinschaft zu befrieden. Aber wenn es darum geht, Ziele energisch anzugehen, fällt mir das schon schwerer. Ich möchte das nicht unbedingt als Unglück bezeichnen, doch in einem Automobilkonzern wäre es sicher keine große Stärke.
Wenn etwas nicht so gut läuft, lasse ich es auch mal liegen und beschäftige mich mit anderen Zielen. Meist bin ich von dem Grundvertrauen getragen: Es wird schon gut gehen.
Unser Kloster ist vor allem in der Seelsorge tätig, und in der Begegnung mit den Menschen erlebe ich Erfolge. Aber das sind unsichtbare Dinge. Wenn sich jemand mit einem Problem an mich gewandt hat und ich konnte eine Lösung anregen, wenn ich dann sehe, dass dieser Mensch wieder Ruhe findet und Hoffnung schöpft, ist das sicher ein großer Erfolg. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit und dem Gefühl, nicht umsonst gelebt zu haben. Versagt habe ich, wenn zum Beispiel ein Mitbruder das Kloster verlässt - dann kann ich nur auf die Barmherzigkeit Gottes vertrauen.
Es gibt den schönen Satz: Erfolg ist keiner der Namen Gottes - das bedeutet, er ist kein Selbstzweck. Als Christ und als Mönch hat man immer ein großes Ziel vor Augen: die Ewigkeit. Das ist natürlich unabhängig von äußerem Erfolg. Oft werde ich sogar erst durch Misserfolge wieder darauf hingewiesen. Auch die Glocke, die zum Stundengebet läutet, erinnert daran. Deshalb kann ich mit Misserfolg leichter umgehen.
(Aufgezeichnet von Gunthild Kupitz)
DFB-Torhüter ter Stegen