Um aus dem tiefen Loch der Verzweiflung zu kommen, helfen oft schon kleine Tricks. "Der Betroffene kann ein Positiv-Tagebuch führen, in das er jeden Tag drei Dinge schreibt, die ihm gut gelungen sind", rät Psychologe Väth. Mit einer positiven Einstellung lässt sich dann auch konkretisieren, wie die Zukunft aussehen soll. "Drei wichtige Fragen müssen geklärt werden: Was kann ich aus meinem Scheitern lernen? Wo liegen meine Fähigkeiten? Wohin will ich jetzt beruflich?", sagt der Psychologe.

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Es geht nicht um den perfekten Lebenslauf

Erst wer eine klare Vorstellung davon hat, wie er sein Leben künftig gestalten und welche beruflichen Wege er gehen will, kann gezielt seine weitere Laufbahn planen. Und die sieht möglicherweise ganz anders aus als vor dem Rauswurf.

Genau darin liegt die Chance des Scheiterns: Die Zwangspause gibt Zeit zum Nachdenken, Zeit für eine Standortbestimmung, Zeit, das bisherige Lebensmodell in Frage zu stellen und gegebenenfalls eine Veränderung einzuleiten. "Im ersten Moment ist ein Bruch im eigenen Lebenslauf sehr bedrohlich. Aber er bietet auch die Chance, Fehlentwicklungen zu korrigieren", sagt Rausch.

Beim konkreten Wiedereinstieg in die Arbeitswelt sollten sie sich schließlich auf sich selbst und ihre Fähigkeiten konzentrieren. "Es bringt nichts, sich zehn Bewerbungsratgeber aus der Bücherei zu holen und sich daraus einen vermeintlich perfekten Lebenslauf zu basteln", sagt Karriereberaterin Rausch. Vielmehr gehe es darum, seine eigene Persönlichkeit in jede Bewerbung einzubringen.

Nicht um eine Stelle betteln

Wer über ein großes Netzwerk zurück in die Arbeitswelt will, sollte sich erst dann Ansprechpartner suchen, wenn er genau weiß, was er will. "Ein diffuses: `Ich suche einen Job´, bringt einen da nicht weiter", sagt Rausch. "Viel sinnvoller, als direkt mit der Tür ins Haus zu fallen und nach einer Stelle zu fragen, ist es, die Einzelnen als Experten und Sparringspartner zu nutzen." Wer andere um eine Einschätzung bezüglich der eigenen Pläne oder um guten Rat bitte, gebe ihnen nicht gleich das Gefühl, in die Verantwortung genommen zu werden, mobilisiere aber oftmals ihre Hilfsbereitschaft. Nach dem Gespräch überlegten sie oft doch, wo es eine geeignete Stelle geben könnte, sagt Rausch.

Wer diese geeignete Stelle irgendwann hat, kann schließlich gestärkt und mit Leichtigkeit auf den eigenen Misserfolg zurück blicken. Jan Lucke hat diesen Weg noch vor sich. Wie es genau weitergehen soll, weiß er noch nicht, aber zumindest von vorschnellen Bewerbungen hat er inzwischen wieder abgelassen. Und irgendann kann er vielleicht sagen, dass er aus seiner Krise das Beste gemacht hat.

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(sueddeutsche.de/gal)