Von Melanie Pohner

Als Kulturassistentin in Schlesien.

So ganz war mir im Vorhinein nicht klar, was auf mich zukommen würde, als ich mich 1999 nach Opole in Oberschlesien aufmachte.

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Was ich nicht erwartet hatte: Die deutsche Minderheit im Oppelner Schlesien ist nicht verschwindend klein, sondern stellt ein Drittel der Bevölkerung.

Auch politisch sind die "Menschen mit deutscher Abstammung", wie sie sich selbst bezeichnen, eine starke Kraft. Sie stellen in der Landesregierung einen von zwei ungefähr gleich starken Koalitionspartnern.

Anderes Tempo

Zu Beginn meiner Arbeit musste ich mich bei vielen Vorhaben an die Planungszeiträume und das Tempo vor Ort anpassen.

Für eine Veranstaltung in drei Tagen noch keinen Raum reserviert oder noch keine Referentin gefunden zu haben, ist ebenso normal wie eine anschließende Klärung aller noch fraglichen Punkte in einem dreiminütigen Telefongespräch.

Die erforderliche Gelassenheit für so eine Herangehensweise musste ich erst lernen. Aber auch heute noch fällt es mir hier manchmal schwer, die Ruhe zu bewahren.

Radtouren und Seniorentanz

Nicht, dass ich Eintönigkeit und Langeweile erwartet hätte. Aber allein schon die "Altersvielfalt" im Büro der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien ist beeindruckend. Von 28 bis 73 war bei uns acht Mitarbeitern jede Altersgruppe vertreten.

Bei der Arbeit setzt sich dieses bunte Bild fort: Vom Malwettbewerb für Vorschulkinder über eine Radtour für Jugendliche bis hin zum Sing- und Tanzworkshop für Senioren steht alles auf dem Programm.

Auch wenn ich mich mittlerweile gut eingelebt habe: Vieles ist immer noch neu. Das Lehrerfortbildungsprojekt mit Hospitationsreisen nach Ungarn und Frankreich, das ich hier leite, bringt ständig neue Herausforderungen mit sich.

Schreibwettbewerbe für Kinder

Oder die Herausgabe eines Buches: Zusammen mit der Sozial-Kulturellen Gesellschaft habe ich bei literarischen Wettbewerben deutschsprachige Lyrik und Prosa von Kindern und Jugendlichen aus Schlesien gesammelt und veröffentlicht.

Ich organisiere Auftritte von Musikgruppen oder anderen Künstlern aus Deutschland, plane Seminare für Jugendliche, betreue eine Kinderseite in der zweisprachigen Zeitung "Schlesisches Wochenblatt" und diskutiere in einer deutsch-polnischen Radiosendung mit polnischen Studierenden den Internationalen Frauentag.

Viele Aufgaben, die hier auf mich zukommen, bewältige ich zum ersten Mal. Aber gerade das macht den großen Reiz der Arbeit aus.

Kultur verbindet

Die Geschichte Oberschlesiens ist geprägt von Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Polen. Während des Nationalsozialismus war hier die polnische Sprache (und Kultur) verboten, nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1990 die deutsche.

Heute ist es nicht zuletzt die Kulturarbeit, die einen Beitrag zur Überwindung des Trennenden liefert, was mich als ausgebildete Ethnologin besonders freut.

Polen und Menschen deutscher Abstammung treffen sich bei den oft zweisprachigen Veranstaltungen, lernen die Sprache und Kultur der jeweils anderen kennen und schätzen.

Und am Schluss wird dann doch das Gemeinsame betont: nicht ganz deutsch - nicht ganz polnisch. Schlesisch eben.

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