Von Aglaja Frodl

Aglaja Frodl berichtet von ihrem DAAD-Lektorat in Großbritannien.

Die Doktorarbeit war fast fertig. Nur der Musenkuss für den Kraftakt der letzten Durcharbeitung schien sich im heimischen Trott nicht einstellen zu wollen.

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Caswell Beach in der Nähe von Swansea, Wales (© Aglaja Frodl)

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Ein Tapetenwechsel musste her und so bewarb ich mich beim Deutschen Akademischen Auslandsdienst um ein Lektorat an einer britischen Uni - und wurde angenommen.

Nach zwei Jahren als Lektorin an der University of Wales Swansea arbeite ich nun am University College London.

Ballnächte der German Society

Neben meiner Arbeit als Lektorin betreue ich mit einer Kollegin die German Society, die nicht nur Deutschstudenten zu Filmabenden, Quiznights und Bällen einlädt.

Ich habe schnell die Vorzüge des Systems und meiner Position als DAAD-Lektorin schätzen gelernt: Die Hierarchien im Kollegium sind sehr flach, und ich habe viel Freiheit. Konstruktive Vorschläge werden nicht skeptisch gebremst, sondern der eigene Elan unterstützend angefacht.

Die Universitätslehre wird auf den britischen Inseln eher als Dienst am Kunden verstanden: Die Studierenden werden weitaus individueller betreut, die Klassenstärke liegt zwischen sechs und 14.

In Staff-Student-Committees werden Probleme und Vorschläge der Studierenden diskutiert.

Es ist ein sehr beschwingendes Gefühl, mit Studierenden und Kollegium gemeinsam konstruktiv am Projekt "Bildung" zu basteln!

Konferieren im Windsor Park

Aber nicht nur die Arbeit an der Uni ist inspirierend, der DAAD selbst bietet Weiterbildungsmöglichkeiten und ein Netz beruflich und menschlich wertvoller Kontakte.

Bis zu drei Treffen jährlich veranstaltet der DAAD für seine Lektorinnen und Lektoren in Großbritannien und Irland. Treffpunkt ist Cumberland Lodge, ein wundervoll inmitten von Windsor Park gelegener Landsitz.

Spannende Vorträge und Lesungen machen diese Seminare zu intellektuellen und sozialen Highlights.

Zur Jahreskonferenz, die ich gemeinsam mit Kollegen vorbereite, kommen neben Vertretern aus Universität, Verlagswesen und Kulturorganisationen auch einige illustre Gäste wie zum Beispiel Klaus Landfried, der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, oder die Autorin Judith Kuckart.

Vom ruhigen Wales ins schnelle London

Und das Leben? Meine beiden Stationen als Lektorin hätten unterschiedlicher kaum sein können. Mit dem Wechsel vom beschaulichen Swansea nach London ist das Meeresrauschen dem Straßenlärm gewichen.

Diesen Bericht schreibe ich in einem Café in Covent Garden, plaudere mit den amerikanischen Touristen am Nachbartisch und der alteingesessenen Londonerin daneben, genieße Caffe Latte und Pain au Chocolat, und merke beim Schreiben, wie glücklich ich bin, hier zu leben.

Würde ich es wiedermachen? - Jederzeit! Die Tätigkeit als DAAD-Lektorin ist für mich der beste Weg, meine Pläne zu realisieren (bei aller Arbeitsbelastung hatte ich Zeit, in den Ferien meine Dissertation zu beenden), vor allem aber mit interessanten Menschen und Projekten in Kontakt zu kommen.

Ich bin froh, dass noch drei Jahre vor mir liegen!

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