Entlarvte EU-Beamte Hohes Gehalt, extra viel Urlaub

EU-Beamte erhalten fünfstellige Monatsgehälter - weil sie so viel arbeiten, dachte man. Jetzt stellt sich heraus, dass die meisten Eurokraten genau 37,5 Stunden im Büro sind. Und freie Tage gibt es als Ausgleich für Überstunden noch dazu.

Von Maria Holzmüller

Überarbeitet und unterbezahlt? Das können EU-Beamte wohl so schnell nicht mehr von sich behaupten. Dass sie mit einem Bruttomonatsgehalt von bis zu 18.000 Euro zu den Besserverdienern gehören, ist schon länger bekannt. Bislang wurde in Hinblick auf die fürstliche Entlohnung immer automatisch auf die hohe Arbeitsbelastung und die vielen Überstunden verwiesen.

Inge Gräßle, CDU-Haushaltsexpertin im Europaparlament wollte es genauer wissen. Sie stellte eine Anfrage an Maroš Šefčovič, der bei der EU-Kommission für Verwaltungsfragen zuständig ist. "Viele Kommissionsmitglieder sind häufig abwesend von ihrem Arbeitsplatz. Ich wollte einfach wissen, warum das so ist", sagte sie auf Anfrage von sueddeutsche.de. Und siehe da: Alles gar nicht so schlimm mit den Arbeitszeiten. Wie die Financial Times Deutschland berichtet, nehmen fast 2000 der 4500 Spitzenverdiener Überstundenausgleich, wenn ihre wöchentliche Arbeitszeit 37,5 Stunden überschreitet. Bis zu 24 freie Tage dürfen sie so pro Jahr ansammeln.

Für Gräßle ein unhaltbarer Zustand. "Diese Zahlen haben mich sehr überrascht. Von Topverdienern müssen wir verlangen können, dass sie auf Freizeitausgleich verzichten. Wer 18.000 Euro im Monat bekommt muss auch bereit sein, Überstunden zu machen", fordert sie. In der Wirtschaft sei dies ja auch üblich.

Auch unabhängig von den abgefeierten Überstunden können sich die Beamten nicht über zu wenig Freizeit beklagen. Insgesamt können sie im Jahr 2011 mit 57 bis 63 freien Tagen rechnen. Das sind im besten Fall mehr als zwölf Wochen Urlaub im Jahr. Denn neben dem Überstundenausgleich kommen die Beamten in Brüssel in den Genuss von 18 bezahlten Feiertagen - in Deutschland sind es nur neun. Und dann gibt es ja noch den regulären Urlaubsanspruch von 24 bis 30 Tagen.

Die EU-Kommission ist derzeit bemüht, den Eindruck, die Eurokraten neigten zu Müßiggang, zu relativieren. "Viele Beamte arbeiten länger als sie müssen" sagte ein Sprecher. Außerdem sei es falsch, Gleitzeitausgleich mit Urlaub gleichzusetzen.

CDU-Haushaltsexpertin Gräßle sieht das anders. "So etwas kann uns nicht egal sein", sagt sie und fordert eine Reform des EU-Beamtenstatuts. Einen Neuentwurf muss die Kommission 2011 vorlegen. Wie und wann die Reform tatsächlich kommt, ist aber völlig offen.

Bislang haben die Beamten der EU ihre Privilegien erfolgreich verteidigt. Erst im November erstritten sie vor dem Europäischen Gerichtshof eine Gehaltserhöhung von 3,7 Prozent. Zuvor hatte der Ministerrat der EU-Staaten in Hinblick auf die Wirtschaftskrise die planmäßige Erhöhung der Löhne auf 1,85 Prozent reduziert. Damit habe das Gremium seine Zuständigkeiten überschritten, entschieden die Richter in Luxemburg.

Im Beamtenstatut ist festgelegt, dass die Gehälter jährlich angepasst werden. Die Berechnung erfolgt auf Basis der Entwicklung der Lebenshaltungskosten in Brüssel und der Entwicklung der Beamtengehälter in den Mitgliedsstaaten. 2009 lief diese Berechnung auf 3,7 Prozent hinaus. In diesem Jahr sollen es aber nur 0,4 Prozent sein.

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