Von Sylvia Englert

Der Job eines Quality Managers ist es, alle Prozesse im Unternehmen, die Einfluss auf das Produkt oder die Dienstleistung haben, zu dokumentieren und dabei Schwachstellen zu beseitigen.

(SZ vom 16.10.2000) Die Bedeutung der Qualitätssicherung zeigt sich erst dann, wenn sie einmal versagt - wenn der Verbraucher mit den sich ablösenden Einzelteilen eines Geräts in der Hand fluchend nach dem Kundendienst schreit. Ein ganzer Berufsstand kümmert sich darum, dass es möglichst gar nicht erst dazu kommt: Der Job eines Quality Managers ist es, alle Prozesse im Unternehmen, die Einfluss auf das Produkt oder die Dienstleistung haben, zu dokumentieren und dabei Schwachstellen zu beseitigen. "Wichtig ist, etwas zu tun, ehe das Kind in den Brunnen gefallen ist", bestätigt Ernst Reimann. Der Pharmazeut arbeitete erst in der Arzneimittelproduktion und kam dann mit einem Umweg über ein Beratungsunternehmen zum Quality Management (QM). Heute leitet er die QM-Abteilung beim SmithKline Beecham Consumer Healthcare Deutschland und ist dafür verantwortlich, dass man sich auch in Zukunft mit Mundwasser nicht den Rachen verätzt und mit Vitaminpillen nicht den Magen verdirbt.

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Laufend neue Trends

Das Berufsfeld der Quality Manager ist im ständigen Wandel, immer neue Trends, immer neue gesetzliche Bestimmungen wollen umgesetzt werden. "Angefangen hat die Entwicklung mit der Qualitätskontrolle der Produkte. Aber Ausschuss kostet Geld, und so hat man sich auf die Vorbeugung konzentriert", sagt Wolfgang Kaerkes von der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ) in Frankfurt, "dazu braucht man beherrschte Prozesse: Qualitätsmanagement geht in diese Richtung, weg von der Produktbezogenheit. Heute bezieht man Mitarbeiter, Kunden, Ergebnisse mit ein und nennt diesen ganzheitlichen Ansatz Total Quality Management."

Telefonieren, mit Mitarbeitern aus der Herstellung sprechen, Meetings, Audits bei Lieferanten - ein Quality Manager hängt nicht in einem Labor und nudelt Messwerte aus Stichproben, das erledigen andere Mitarbeiter. Gelegentlich testet er zwar auch selbst neue Geräte und Software, vor allem hat er jedoch mit Arbeitsprozessen und Menschen zu tun. Aber so richtig befriedigend ist das nicht immer: "Quality ist bestimmt nicht die beliebteste Abteilung, denn schließlich wäre sie überflüssig, wenn es keine Fehler gäbe", meint Erich Reimann. "Für viele Unternehmen ist es nur ein notwendiges Übel." Zum Job seiner Leute gehört es, sich die Klagen unzufriedener Kunden anzuhören, sie zu sammeln und zu bewerten. Während für den Kunden nach dem Dampfablassen der Fall erledigt ist, fängt für Reimann die Detektivarbeit erst an. Aus der Vielzahl möglicher Ursachen für die Mängel muss er die wahrscheinlichste herausfiltern und den Finger darauf legen. Er prüft nach, was bei der Herstellung des fehlerhaften Produkts wann wo gemacht wurde, führt Interviews, sammelt Beweise, lässt neue Analysen machen. Es kann Wochen dauern, bis der Fehler eingekreist ist.

Erfahrung ist Pflicht

Mehr mit Prozessen als mit Beschwerden hat Norbert Jonen zu tun. Der Chemiker baut zur Zeit das Qualitätsmanagement-System der Aircabin GmbH, eines Flugzeugteileherstellers, auf. Er durchleuchtet die einzelnen Arbeitsschritte von der Entwicklung bis zur Montage und wirft einen ganz genauen Blick auf die Prozesse: "Manchmal hat sich ein Prozess etabliert, der nicht unbedingt der beste ist. Dann muss man sich einen überlegen, der besser, schneller, reibungsloser läuft." Sein Ziel: Aircabin als Entwicklungsbetrieb nach ISO 9001 zertifizieren zu lassen.

Die Faszination ihres Jobs ist für viele QMs, dass sie einen sehr guten Überblick über das Unternehmen bekommen. Sie sind fast überall eingebunden und gestalten vieles mit. Das ist jedoch auch der Grund, warum Absolventen frisch von der Uni in diesem Beruf nicht gefragt sind - Erfahrung ist Pflicht. Da es keine geregelte Ausbildung gibt, werden als QMs meist Ingenieure oder Leute mit einem naturwissenschaftlichen Studium und einem Gefühl für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge gesucht. Fortbildungen offeriert zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Qualität (DGQ) in Frankfurt. An der Uni Kaiserslautern gibt es einen Fern- und einen Präsenzstudiengang Total Quality Management. Die Früchte, die der Quality Manager für seine Arbeit erntet, liegen je nach Erfahrung zwischen 80.000 und 180.000 Mark im Jahr.

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