Von Sylvia Englert

Idea und Innovation Manager entwickeln Verbesserungsprozesse in Unternehmen und sorgen für ein unternehmensweites Ideenmanagement. In dem Beruf arbeiten viele Quereinsteiger, manche Personalchegs bevorzugen BWL-Absolventen. Das Einstiegsgehalt liegt bei 80.000 Mark im Jahr.

(SZ vom 20.11.1999) Wer sich heute, im Zeitalter des Cyberspace, auf seinen Erfolgen ausruht, der findet sich schnell auf dem Abstellgleis wieder. "Es werden immer mehr Ideen benötigt, um sich am Markt behaupten zu können", ist die Diagnose der Kreativitätstrainerin Jacqueline Rieger, "ganz besonders das Internet hat zu einer drastischen Beschleunigung aller Unternehmensaktivitäten geführt, die Lebens- und Entwicklungszeiten für Produkte werden immer kürzer."

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Bestehendes verbessern

Die Folge: Seit Mitte der 90er Jahre boomt das Thema Kreativität und Ideen. In den Unternehmen sickert die Erkenntnis durch, dass es nicht mehr ausreicht, die Ideen nur in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen auszubrüten, sondern dass das ganze Unternehmen gefordert ist. Noch zaghaft drängt sich der Beruf des Idea Manager oder Innovation Manager in die Arbeitswelt. "Bisher konnte ich beobachten, dass es solche Leute in großen Unternehmen gibt", berichtet Kommunikationsberaterin Renate Ritter, "entweder in Zusammenhang mit Zukunft - dann geht es oft um allgemeine Entwicklungen - oder aus dem Produktionsbereich. Dann verbessert man das Bestehende und Gewohnte." Darüber hinaus, sagt Ritter, sei ihr das Kreativitätsmanagement aus dem Bereich Marketing und Kommunikation bekannt. So manche Firma kombiniere dabei das altehrwürdige Vorschlagswesen mit modernen Methoden kontinuierlicher Verbesserung und taufe es in "Ideenmanagement" um.

Ideen entwickeln

Wer einen guten Idea Manager sucht, der hat es nicht einfach: Diese Erfahrung machte beispielsweise die Firma Hirschvogel, die Produkte für die Automobilindustrie herstellt. Ihre einschlägige Stellenanzeige hatte sehr viel Resonanz: Zur Belustigung der Personalabteilung zermarterten sich die meisten Bewerber das Hirn, um möglichst originelle Bewerbungen abzugeben, mit witzigem Text und per Computer ansprechend gestaltet. Doch viele von ihnen kamen gerade erst von der Hochschule, kaum jemand konnte die erforderliche Berufserfahrung vorweisen.

Das Rennen machte in diesem Fall schließlich Andreas Schuster. Fitgemacht durch viele Kurse und ein Gruppenleitertraining, betreut der Physiker seit 1994 kontinuierliche Verbesserungsprozesse und entwickelt Konzepte für ein unternehmensweites Ideenmanagement. "Das ist kein Job, bei dem man sich ins Kabäuschen verkriecht und Briefe abschickt, sondern man redet vor Ort mit den Leuten", erzählt Schuster. Im Stammwerk der Firma, in dem rund 1200 Menschen arbeiten, besteht sein Arbeitsalltag vor allem darin, Gruppentreffen zu moderieren, bei denen neue Ideen besprochen und entwickelt werden. Einmal im Monat organisiert er mit den Mitarbeitern Kaizen-Workshops, bei denen jeweils eine Maschine oder ein Prozess verbessert wird. Er selbst muss nicht immer und unentwegt ein Geysir neuer Einfälle sein - im Gegenteil: "Man muss sich zurückhalten, die Leute sollen die Ideen selbst erzeugen. Meine Aufgabe ist es, zu motivieren und zu unterstützen", sagt Schuster.

Umgänglicher Ton

Wie Schuster sind auch die meisten anderen Idea Manager Quereinsteiger, die die Firmen häufig aus den eigenen Reihen rekrutieren. Der neue Aufbaustudiengang der Fachhochschule Brandenburg zum Thema "Technologie- und Innovationsmanagement" (Internet-Adresse: fh-brandenburg.de/tuim.html) steht bisher in der deutschen Hochschullandschaft allein auf weiter Flur. Manche Personalchefs bevorzugen bei ihren Innovation Managern ein BWL-Studium oder einen technischen Hintergrund, für andere ist die Ausbildung Nebensache - sie legen mehr Wert auf die menschlichen Fähigkeiten. "Er sollte angenehm und einfühlsam sein, einen umgänglichen Ton haben, zuhören und mit unkonventionellen Ideen umgehen können", definiert Uwe Rautzenberg, Abteilungsleiter Strategie bei Hirschvogel, den perfekten Idea Manager.

Das Einstiegsgehalt liegt um die 80.000 Mark im Jahr. Manche Unternehmen beteiligen ihren Ideenmanager, beglückt durch die geballte Innovation, die er den Mitarbeitern entlockt, auch am Einsparpotential- dann haben die Summen auf dem Gehaltskonto manchmal ein oder gar zwei Stellen mehr.

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