Englisch für die Jobsuche Was ist eigentlich ein Mediator?

Mediatoren sind neutrale Vermittler, die streitenden Parteien helfen, zu einer Lösung zu kommen. Sie betreuen sowohl Auseinandersetzungen zwischen Unternehmen als auch im privaten Bereich.

Von Sylvia Englert

(SZ vom 22.04.200) Ehemals Verliebte kämpfen mit Klauen und Zähnen um das gemeinsame Haus, Kinder werden gegen den Ex-Partner aufgehetzt - wie unerfreulich eine Ehe enden kann, ist auch Romantikern spätestens seit dem Film Der Rosenkrieg bekannt. Doch auch bei "normalen" Scheidungen wird über Anwälte um gemeinsamen Besitz, Sorgerecht und Unterhalt gestritten - was bei allen Beteiligten einen hässlichen Nachgeschmack hinterlässt und die Kinder verstört.

Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland Menschen, deren Beruf es ist, solche Streitigkeiten weit schonender zu regeln. Als neutrale Vermittler helfen die so genannten Mediatoren beiden Seiten, wieder ins Gespräch zu kommen, sich darüber klar zu werden, was sie eigentlich wollen, Lösungen zu erarbeiten und im Idealfall zu einer schriftlichen Vereinbarung zu kommen. "Man wendet den Blick von der Vergangenheit in die Zukunft und fragt die Partner: Was sind denn deine Interessen?", beschreibt der Anwalt und Mediator Hans-Georg Mähler seine Arbeit. In den USA hat dieses Verfahren eine lange Tradition - nicht zuletzt deshalb, weil es dort sehr teuer ist, vor Gericht zu ziehen. Ende der 80er Jahre flogen Mähler und seine Frau in die USA, um sich über diesen Ansatz der Schlichtung zu informieren, und initiierten später zusammen mit anderen erste Pilotprojekte in München. 1992 wurde der amerikanische Begriff mediation (Vermittlung) auf einer Konferenz zum ersten Mal eingedeutscht.

Nicht nur bei Trennungen profitieren Familien von der Mediation: Einer von Hans-Georg Mählers Fällen betraf ein Familienunternehmen in Norddeutschland, bei dem es um die Nachfolge ging. Von mehreren Kindern arbeiteten zwei in der Firma. Die Frage war, wie die Übergabe organisiert werden könnte. "Wir haben uns zweimal in München und einmal in Hamburg getroffen, haben uns dann drei Tage in ein Haus in den Bergen zurückgezogen und das ausgepuzzelt", erzählt Mähler. Die emotionale Atmosphäre gehört bei solchen Gesprächen immer dazu: "Die schwierigste Fähigkeit, die man lernen muss, ist sicher, beide Seiten zu sehen, ohne innerlich Partei zu ergreifen. Das ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Mediation", meint der Psychologe, Familientherapeut und Mediator Hans Dusolt, "wenn ich merke, ich gebe einer Seite mehr Recht, dann ist Supervision wichtig." Im Gespräch mit Kollegen über den Fall und die eigenen Gefühle lässt sich die Neutralität wieder gewinnen.

Im Bereich Familie gibt es in Deutschland mittlerweile eine Vielzahl von gut ausgebildeten Mediatoren. Doch auch Umweltkonflikte, Auseinandersetzungen zwischen Unternehmen und sogar Arbeitskämpfe sind schon mit der neuen Methode beigelegt worden. Im Umweltsektor sind es vor allem Mitarbeiter von Institutionen oder Universitäten, die als Mediatoren auftreten, in der Wirtschaft wird das Feld von Wirtschaftsjuristen dominiert. Für alle anderen Bereiche kommen Anwälte und Angehörige psychosozialer Berufe, zum Beispiel Psychologen und Sozialpädagogen, in Frage. Da die Mediation zwischen den Berufsfeldern liegt, müssen sich Psychologen Rechtskenntnisse aneignen, Anwälte sich über Trennungsdynamiken und Gesprächsführung informieren. Aber die persönlichen Eigenschaften sind ebenso wichtig: "Lebenserfahrung, Glaubwürdigkeit, Unerschrockenheit, Weisheit", nennt der auf Baurecht spezialisierte Anwalt und Mediator Jürgen Ebbing.

Die Weiterbildung zum Mediator dauert etwa 200 Stunden. Studiengänge bieten etwa die Fernuniversität Hagen und die Universität Oldenburg an. An der Universität Klagenfurt können sich Interessierte zum European General Mediator mit Kompetenzen im Bereich Familie, Wirtschaft, Verwaltung und Umwelt schulen lassen. Ausschließlich von der Mediation leben können in Deutschland bisher nur wenige, dazu ist die Nachfrage noch zu verhalten. Abgerechnet wird nach Stunden: 120 bis 200 Mark berechnen Psychologen gewöhnlich für Mediation, Anwälte 200 bis 500 Mark. Bei der Wirtschaftsmediation wird es für die Unternehmen noch ein wenig teurer.