Von Sylvia Englert

IT-Consultants beraten Anwender-Unternehmen bei der Einführung von Software. In dem Beruf arbeiten beispielsweise Informatiker, Wirtschaftsinformatiker und Naturwissenschaftler.

(SZ vom 29.04.2000) Nach ein paar Jahren Berufstätigkeit haben IT-Consultants meist eines gemeinsam: Sie haben durch die unterschiedlichsten Projekte eine Menge Menschen kennen gelernt, und sie hassen Hotels. Denn in den ersten Jahren sind sie häufig auf Achse und leben in der Nähe ihrer Kunden, solange ein Projekt dauert - das können ein paar Tage sein, ein paar Monate oder sogar mehrere Jahre.

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Gefragte Dienstleistung

Die Berater werden dann gerufen, wenn ein Unternehmen eine IT-Lösung für einen Geschäftsprozess braucht, die eigenen Computeranlagen ausbauen oder neue Software einführen möchte - und dafür auf Hilfe von außen baut. "Es kommt darauf an, Kundenbedürfnisse zu erkennen, daraus Lösungsansätze zu entwickeln und zügig sowie kostendeckend umzusetzen", bringt es Florian Kröher auf den Punkt. Er ist Leiter des Geschäftsfelds Microsoft Services bei der großen IT-Beratungsgesellschaft SerCon. Die Dienste der IT-Consultants sind sehr gefragt: Nach Auskunft des Bundes Deutscher Unternehmensberater (BDU) macht die IT-Beratung schon fast die Hälfte des Gesamtberatungsmarkts aus. Welchen Umfang die Projekte haben, ist sehr unterschiedlich.

"Mein bisher schwierigster Job war, eine Behörde komplett zu automatisieren - das dauerte mehrere Jahre", erzählt Günter Szameikat von der Schumann Unternehmensberatung AG, einem Unternehmen der SYSTOR-Gruppe, mit seinen fast dreißig Jahren Beratungserfahrung ein echtes Urgestein der Branche, "das ging von der Schulung der Mitarbeiter, die noch nie in ihrem Leben eine Tastatur gesehen hatten, über die Programmierung der Anwendungen bis hin zur Einführung des Systems."

Für einen solchen Großauftrag stellt das Beratungsunternehmen meist Dutzende von IT-Beratern ab. Die Teams werden jedesmal neu aus Mitarbeitern zusammengestellt, die von der Spezialisierung und eventuell auch von den Branchenkenntnissen her für den konkreten Auftrag geeignet sind. Bei längeren Projekten haben sie ein oder zwei Wochen Zeit, sich beim Kunden einen Überblick zu verschaffen, bei kurzen muss ein Tag reichen. Sein eigenes Büro sieht der IT-Consultant in den ersten Jahren selten mehr als einen Tag in der Woche.

Ein Job für Quereinsteiger

Da die Bezeichnung "Berater" beziehungsweise "Consultant" nicht geschützt ist, steht es jedem Informatiker oder Quereinsteiger frei, sich selbständig zu machen und allein oder mit ein paar Mitstreitern Kunden zu betreuen. Auch firmeninterne Mitarbeiter mit dem Titel "IT-Consultant" gibt es, denn immer mehr IT-Abteilungen in Unternehmen werden nach dem Vorbild der Beratungsgesellschaften organisiert. "Unser Selbstverständnis ist, dass wir Leistungen für Kunden im Unternehmen erbringen", erklärt Sabine Dittmann-Stenger, Chefin der IT-Abteilung bei der vor zwei Jahren gegründeten Allianz Asset Management GmbH, "die IT-Consultants haben bei uns eine ganz wichtige Rolle, denn es muss jemanden geben, der die Anforderungen der einzelnen Unternehmensbereiche in Projektvorhaben und Lösungen übersetzen kann." Ihre internen Berater haben die Aufgabe, aktiv auf die Abteilungen zuzugehen, um frühzeitig Probleme oder Anforderungen festzustellen.

Die meisten IT-Consultants der Allianz Asset Management verfügen sowohl über Computer-Know-how als auch einen finanzwirtschaftlichen Background. Bei den Beratungsgesellschaften sind neben Informatikern und Wirtschaftsinformatiker auch Naturwissenschaftler beliebt. Gefragt sind derzeit speziell Bewerber, die sich mit E-Commerce, Internet-Technologie und Call Center-Systemen auskennen. Offenheit und Freundlichkeit sind in diesem Beruf jedoch ein ebenso wichtiges Kapital wie das technische Wissen, und selbst das Aussehen ist nicht ganz unwichtig: "Ich kann nicht Quasimodo zum Kunden schicken", meint Günter Szameikat von der Schumann Unternehmensberatung trocken.

Vor allem junge Berater genießen das abwechslungreiche Leben mit immer neuen Einsatzorten. Aber manche lassen sich auch nach ein paar Jahren von Kunden abwerben oder bitten darum, heimatnah eingesetzt zu werden. Die Gehälter trösten über manche Härten des Lebens aus dem Koffer, das die Berater mit Galgenhumor "Kinderlandverschickung" nennen, hinweg: Wer frisch von der Uni kommt, der kann mit 60.000 bis 85.000 Mark Anfangsgehalt rechnen, ein Profi bekommt je nach Größe der Unternehmensberatung zwischen 90.000 und 250. 000.

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