Raus aus dem Abseits: In der neuen Berliner Sekundarschule werden künftig alle Kinder, die nichts aufs Gymnasium gehen, zusammen lernen. Das ist eine Chance.
Es geht ein Gespenst um in Berlin, es heißt Sekundarschule, und viele Eltern mit bildungsbürgerlichen Ambitionen macht es Angst. In der Sekundarschule werden Berliner Oberschüler von sehr unterschiedlicher Intelligenz künftig gemeinsam lernen, also Kinder mit Lernziel Abitur neben ehemaligen Real- und Hauptschülern. Das Berliner Abgeordnetenhaus wird das dreigliedrige Schulsystem abschaffen, in Zukunft gibt es in Berlin nur zwei weiterbildende Schultypen: das Gymnasium und die Sekundarschule, die Schüler nach neun Jahren verlassen oder bis zum Abitur besuchen können. Die Hauptschule aber ist tot, das ist eine mutige Entscheidung, zu der man Berlin gratulieren muss.
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Die Sekundarschule macht vielen Mittelstandseltern Angst - aber sie ist eine Chance für alle. (© Foto: dpa)
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Kein Schultyp ist durch so viel Frust und Perspektivlosigkeit geprägt wie die Hauptschule, diese Resterampe für Kinder, denen ohnehin nicht zugetraut wird, dass sie auf der gesellschaftlichen Leiter nach oben klettern. Dort sind in der Regel diejenigen endgelagert, die aus bildungsfernen Familien kommen, zu wenig Deutsch sprechen, langsamer lernen oder sonst wie stören. Dass sie jetzt rausgeholt werden aus dem Abseits, ganztags betreut sind und konfrontiert mit Schülern aller Schichten, ist ein Gewinn - auch für die Mittelstandskinder, deren Eltern jetzt um Privilegien fürchten und davor warnen, die Hauptschulklientel auf ihren Nachwuchs loszulassen.
Die Kinder der besser Gebildeten von heute sind die Leistungsträger von morgen, sie werden mal die Zeche zahlen, wenn das Heer der Abgeschriebenen weiter wächst. Damit gemeinsames Lernen funktioniert, müssen außer Eltern aber auch Lehrer und Schulbehörden umdenken - und erheblich in flexiblere Unterrichtsmethoden investieren.
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(SZ vom 15.01.2010/holz)
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SchülerInnen aus den Gymnasien Freundschaften aus der Grundschulzeit pflegen und bei Defiziten ihren Freunden und Freundinnen weiterhelfen (Vielleicht kann da schon mancher zukünftige Lehrer erste Erfahrungen sammeln).
Nur einseitig von Vorteil ist das bestimmt nicht.
SchülerInnen an Gymnasien ihren Eltern die erhabene Latte-Macchiato Athmosphäre gönnen und für sich selbst entscheiden wie sie den Mitmenschen begegnen wollen, mit denen sie auf gewisse Art und Weise ihren LebensRaum teilen werden.
StudentInnen dann mal Handlanger sind, wenn der&die FreundIn "von nicht früher" beim Einrichten der Cafeteria in der Uni hilft - damit sich die Eltern auch wohlfühlen (bei der morgendlichen Kaffee_Runde)
"...und konfrontiert mit Schülern aller Schichten, ist ein Gewinn - auch für die Mittelstandskinder, deren Eltern jetzt um Privilegien fürchten und davor warnen, die Hauptschulklientel auf ihren Nachwuchs loszulassen."
Hehe, man muss es der SZ lassen, so wie sie formulieren nicht viele Zeitungen. Es ist also ein "Gewinn" fuer die "Mittelstandskinder" wenn sie taeglich mit denen konfrontiert werden "die aus bildungsfernen Familien kommen, zu wenig Deutsch sprechen, langsamer lernen oder sonst wie stören." DAS wuerde ich doch gern genauer wissen, worin dieser 'Gewinn' besteht. Die SZ bietet auch da die Antwort:
"Die Kinder der besser Gebildeten von heute sind die Leistungsträger von morgen, sie werden mal die Zeche zahlen, wenn das Heer der Abgeschriebenen weiter wächst."
OK, uebersetzen wir das mal. Diese "Leistungsträger von morgen", sprich Nettosteuerzahler von morgen, sollen sich also ein paar Jahre lang in der Schule von den "Abgeschriebenen" mobben lassen, damit die wirklichen "Leistungsträger von morgen", naemlich die aufm Gymnasium, hinterher nicht so viel "Zeche zahlen" muessen (sprich Steuren und Sozialabgaben) wegen all denen "die aus bildungsfernen Familien kommen, zu wenig Deutsch sprechen, langsamer lernen oder sonst wie stören". Oder ganz kurz:
Ihr ehemaligen Realschueler werdet jetzt als punching ball fuer die ehemaligen Hauptschueler agieren, damit die jetzigen Gymnasiasten und "Leistungsträger von morgen" sich in Ruhe auf diese Aufgabe vorbereiten koennen. Betrachtet das gefaelligst als Gewinn!
Gegen das mehrgliedrige Schulsystem wäre ja gar nichts einzuwenden, wenn am Ende für alle etwas Vernünftiges bei heraus käme. Es muss ja eben nicht jeder Abitur machen - aber jeder sollte die Möglichkeit bekommen, das Beste aus seinen Fähigkeiten zu machen. Mittlerweile ist es doch so: Uniabsolventen machen nach dem Studium Praktika statt nur während des Studiums, für viele Ausbildungsberufe braucht man heute Abitur statt wie früher die Mittlere Reife. In unserem Bildungssystem hat sich etwas enorm verschoben - und zwar hauptsächlich zu Ungunsten der Hauptschüler.
Hinzu kommt noch, dass der weitere Bildungsweg häufig von der sozialen Herkunft abhängig ist. Und das nicht nur, weil Eltern mit niedrigem Bildungsniveau sich nicht kümmern (können / wollen), sondern auch, weil die Lehrer sich bei der Schulempfehlung von der sozialen Herkunft beeinflussen lassen (http://www.uni-mainz.de/presse/24855.php).
Mag sein, dass man mit einem Hauptschulabschluss auf dem bayerischen Land noch eine anständige Lehrstelle bekommt. Aber in Ballungszentren oder Großstädten leider nicht. Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive kann man einem ausbildenden Betrieb es ja nicht mal verübeln, dass dort lieber Real- als Hauptschüler eingestellt werden, wenn man die Auswahl hat, weil in der Region die Arbeitslosigkeit extrem hoch und Jobs extrem rar sind. Ob sich der Realschüler immer so viel geschickter, besser... anstellt, mag dahingestellt bleiben. Das gleiche gilt natürlich auch für Abiturienten im Vergleich zu den anderen Schülern.
und wenn so mancher Gutbürgerlicher in den Genuß eines halbintelligenten Kindes kommt und es nicht für das Gymnasium reicht? Was dann? Lehrer und Schule haben Schuld.
Diese arrogant Gelaber (siehe Hamburg) ist peinlich für das gesamte Land. Kinder in der 4. Klasse zu sortieren ist schlicht sinnlos. Vielerorts verhöhnen sich die Kinder untereinander , wenn es für das Gymnasium nicht reicht. Vollkomen Meschugge.
In Sachsen ist das Schulsystem zweigliedrig, Mittelschule und Gymnasium. Wer auf der Mittelschule in der 9. Aussteigt hat den Hauptschulabschluss, ansonsten geht er bis zur 10. Das ist zwar nicht das Gelbe vom Ei, immer noch besser x-gliedrig. Der Trend geht aber dahin, die gemeinsame Grundschule zu verlängern.
Man sollte sich mal den Umkehrschluss vor Augen halten. Zum Besipiel, um bestens möglich (Maßstab?) zu fördern, alle zwei Jahre neu aufspalten und noch gezielter fördern. Noch mehr hausarbeiten und Schularbeiten. Und warum? Weil die Schulzeit wahrscheinlich der letzte Vollzeitjob mit ner 40 und mehr Stundenwoche im Leben sein wird. Die Kindheit kann man dann nachholen.
Das gibt es auf der Website des Kultusministeriums, zum Beispiel via http://www.meinbildungsweg.de/uebersicht.php
Da sind alle Wege zum Abitur ersichtlich. Genau einer davon führt über das Gymnasium, der Rest (ca. 20 Stück) über hervorragene Einrichtungen wie Realschule, FOS, BOS und - iiiih, pfui! - Hauptschule. Fragen Sie die Verständnislosschauer dann einfach, ob das allessowiesoimmerbessermachende Ausland auch so viele gleichwetige Wege hat, im eigenen Tempo voranzugehen.
Wenn Sie allerdings dann Ihr Kind nicht durch das Gymnasium coachen, haben Sie zugegebenermaßen ein Problem: Sie können den Mamas von Lisa-Cecile und Lars-Kevin in der morgentlichen Latte-Macciato-Runde nicht mehr von der tollen Atmosphäre beim Elternstammtisch im Hach-wie-sind-wir-nobel-Schymnasium vorschwärmen. Sie müssten dann Sätze verwenden wie: "Mein Kind geht auf die Hauptschule, fühlt sich wohl und lernt auch was."
Das wäre für viele Eltern allerdings eine nicht hinzunehmende Forderung.
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