Emotionale Intelligenz in der Gehaltsverhandlung Mehr Geld für die Sensiblen

Wer im Job erfolgreich sein will, muss auch eine gewisse Sensibilität mitbringen, heißt es. Eine Studie belegt jetzt, dass Menschen mit hoher emotionaler Intelligenz tatsächlich erfolgreicher sind. Aber nur unter einer Voraussetzung.

Von Petra Meyer

Wenn es um das Thema "Gefühle am Arbeitsplatz" geht, scheiden sich die Geister: Die einen winken genervt ab, die anderen pochen darauf, dass eine starke Sensibilität unerlässlich ist, um die oberen Sprossen der Karriereleiter zu erreichen. Eine wissenschaftliche Untersuchung sorgt nun für Klarheit.

Forscher der Universitäten Bonn und Heidelberg haben gemeinsam mit amerikanischen Kollegen untersucht, wie sich die sogenannte emotionale Intelligenz auf die Karriere auswirkt. Dabei verstehen sie unter emotionaler Intelligenz die Fähigkeit, die eigenen Gefühle und die anderer Personen wahrzunehmen, richtig zu deuten und erfolgreich mit ihnen umzugehen. Genau das geschieht zum Beispiel, wenn Vorgesetzte einen wütenden Kunden besänftigen, einem ängstlichen Kollegen die Scheu vor neuen Aufgaben nehmen oder das Fehlverhalten einer Mitarbeiterin angemessen kritisieren. Emotional weniger intelligente Personen sind dazu oft nicht in der Lage, so die Wissenschaftler.

Doch sind Menschen mit hoher emotionaler Intelligenz deshalb tatsächlich beruflich erfolgreicher? Die Antwort lautet der Studie zufolge: Ja. Aber nur, wenn sie zugleich ehrgeizig sind. "Es gibt Menschen mit hoher emotionaler Intelligenz, die ihre Arbeit eher als lästige Sache empfinden und diese Fähigkeit lieber in der Freizeit ausleben", sagt Gerhard Blickle, Psychologie-Professor an der Universität Bonn. "Nur wer einen ausgeprägten Karrierewillen hat und gleichzeitig über ein feines emotionales Sensorium verfügt, steigt beruflich schneller auf als andere", so der Mitautor der Studie.

Um herauszufinden, wie emotionale Intelligenz und Ehrgeiz den Karriereweg beeinflussen, befragte das deutsch-amerikanische Forscherteam 71 Absolventen eines betriebswirtschaftlichen Studiums. Ihre Aufgabe war es, sich in Personen hineinzuversetzen, die in real erlebten Alltagssituationen mit bestimmten Gefühlen umgehen mussten.

So sollten sie beispielsweise angeben, wie sich eine 30-jährige Informatikerin fühlt, die mit ihrer kranken Katze zum Tierarzt muss, weil sie das Tier möglicherweise mit Insektenspray vergiftet hat. Je näher die Antwort der Testperson an dem Gefühl der Informatikerin lag, die diese Situation tatsächlich erlebt hatte, desto höher war die emotionale Intelligenz der Absolventen. Außerdem untersuchten die Wissenschaftler mit Hilfe eines Persönlichkeitstests, wie ehrgeizig die befragten Betriebswirte waren.

Probezeit: "Sorry, das war wohl nix"

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