Emoticons in beruflichen E-Mails Nie ein Smiley an den Chef

*<:-) schreibt der Kollege fünf Minuten vor Feierabend im Büro-Chat. Symbole in E-Mails sind keine Privatsache mehr, sie machen sich auch in der beruflichen Korrespondenz breit. Ein kleiner Knigge, was bei Smileys erlaubt ist, was gerade noch geht - und was Sie besser vermeiden sollten.

Von Pia Ratzesberger

Smileys haben nicht den besten Ruf. Die lachenden Gesichter galten lange als beliebtes Kommunikationsmittel 14-jähriger Mädchen mit glitzernder Handyhülle, als Leidenschaft von Computer-Nerds, die den ganzen Tag in Foren chatten oder auch von älteren Silver Surfern, die krampfhaft jugendlich wirken wollen. Doch in den vergangenen Jahren haben sich die kleinen Symbole mehr und mehr in den alltäglichen Gebrauch eingeschlichen. Sie zieren mittlerweile nicht nur die Texte privater Gespräche, sondern auch die geschäftliche Korrespondenz. Dann laufen zum Beispiel E-Mails mit Sätzen wie "Ich komme später in die Konferenz, schaffe es nicht :/" oder "Super Präsentation vorhin :-)" in den Posteingang.

Obwohl die Gesichter gerne verwendet werden, ist umstritten, ob sie während der Arbeitszeit wirklich angebracht sind. Vor allem bei Kollegen, die man nicht näher kennt, oder wenn der Chef selbst ein Smiley in seine E-Mail einfügt, stellt sich die Frage: ignorieren oder die Antwort ebenfalls mit einem Grinsen beenden? Riskieren, mit zu vielen Symbolen infantil zu wirken oder mit keinem einzigen als humorloser Spießer dazustehen?

Martina Dressel, Kommunikationstrainerin und Autorin des E-Mail-Knigge, hat dazu eine klare Meinung: "Generell haben Smileys in geschäftlichen E-Mails nichts verloren." Der elektronische Brief sei schließlich nichts anderes als ein digitaler Ersatz für den klassischen Brief, mit den gleichen Höflichkeitsregeln. Dennoch kann es Ausnahmen geben.

Zeichen, die Emotionen zeigen

Smileys wollen dem Empfänger Gefühle vermitteln: ein Lachen, eine Träne, Erstaunen oder Entsetzen. Sie verbildlichen das, was oft zwischen den Zeilen steht, was der Text alleine nicht transportiert. Die Symbole können die Kommunikation in Unternehmen so auch erleichtern und Missverständnissen vorbeugen.

Digitales Grinsen

(Foto: SZ Grafik)

Ursprünglich wurde das Smiley sogar für Firmenzwecke erfunden: Eine Versicherungsgesellschaft in Ohio hatte Anfang der 1960er-Jahre die kleine Werbeagentur von Harvey Ball beauftragt, Ansteckbuttons für die Angestellten zu gestalten. Diese waren in den Monaten zuvor immer lustloser zur Arbeit erschienen. Die Buttons sollten sie wieder motivieren. Ball zeichnete zwei Punkte und eine nach oben geschwungene Linie, das erste Smiley. In der Versicherungsgesellschaft funktionierte die Mitarbeitermotivation damals.