Von Anne-Ev Ustorf

Das Elterngeld hat Folgen: Es bestärkt hochqualifizierte Väter darin, eine Weile aus dem Job auszusteigen.

Mitte Juli kam das Baby. Für Wolfgang Kümer begann damit ein neues Leben: Statt elektromagnetischer Geräte bestimmen nun Windeln und Fläschchen seinen Alltag. Der promovierte Systemingenieur ist sechs Monate lang in Elternzeit, seine Frau sucht sich während dieser Zeit einen neuen Job, denn ihr befristeter Vertrag lief kurz vor dem Mutterschutz aus.

Familie

Dank Elterngeld betreuen immer mehr Männer éine Zeit lang ihre Kinder. (© Foto: dpa)

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Die Entscheidung, zu Hause zu bleiben, hat der 34-Jährige bisher nicht bereut: "Ich möchte das neue Leben meines Kindes mitbekommen und meine Frau nach der Geburt unterstützen", sagt er. "Ich sehe das als Auszeit, für mich, mit meiner Familie. Außerdem möchte ich meiner Frau den Jobeinstieg erleichtern."

Hemmschwelle der Väter ist gesunken

Das Elterngeld macht es möglich. "Ohne diese staatliche Unterstützung wäre das nicht gegangen", sagt Kümer. Er zählt zu den gut 17000 männlichen Antragstellern auf Elterngeld, die ihren Antrag im ersten Halbjahr dieses Jahres einreichten.

Bereits ein kleiner Erfolg für Familienministerin Ursula von der Leyen: Inzwischen bleiben dank des Elterngeldes doppelt so viele Männer zu Hause wie noch im letzten Jahr. Bundesweit sind es mittlerweile 8,5 Prozent, in Großstädten wie Hamburg sogar bis zu 15 Prozent.

Volker Baisch geht davon aus, dass die Zahl der Männer, die in Elternzeit gehen, weiter steigen wird. Baisch ist Geschäftsführer von Väter e.V., einem mehrfach ausgezeichneten Hamburger Verein, der sowohl Väter als auch Unternehmen zu Themen rund um Elternzeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf berät.

Für viele Väter sei es seit Einführung des Elterngeldes leichter geworden, ihrem Wunsch nach einer Babypause nachzugeben, glaubt Baisch, denn der gesetzliche Anspruch, die finanzielle Unterstützung und die steigende gesellschaftliche Anerkennung hätte die Hemmschwelle vieler Väter deutlich gesenkt. "Auch in den Personalabteilungen steht man heute überwiegend hinter den Vätern. Nur die direkten Vorgesetzten sind oft noch nicht sensibilisiert für das Thema - und die zu fragen stellt für viele Männer nach wie vor eine Hürde dar."

Wolfgang Kümer stieß mit seiner Entscheidung weder im privaten Umfeld noch im Job auf Probleme. "Familie, Kollegen, Vorgesetzte - alle haben äußerst positiv reagiert", sagt er, "einige waren sogar neidisch".

Kümer hat Glück: Sein Arbeitgeber Airbus Deutschland ist äußerst familienfreundlich. Gerade von "Beruf und Familie", einer Initiative der Hertie-Stiftung, als familienfreundliches Unternehmen zertifiziert, macht Airbus seiner Belegschaft eine Reihe außergewöhnlicher Angebote, angefangen bei flexiblen Arbeitszeitmodellen bis hin zu Ferienprogrammen für Schulkinder und sogar einem Betriebskindergarten.

Lesen Sie im zweiten Teil, in welchen Branchen eine Babypause für Väter besonders unkompliziert ist.

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