Erziehungsberechtigte drücken sich oft vor Elternabenden. Das ist verhängnisvoll, denn ihre Abwesenheit bei solchen Terminen hat Folgen: Kinder, deren Eltern die Schule meiden, leiden häufiger unter psychischen Problemen.
Die eigene Schulzeit ist längst vorbei, und nun hockt man doch wieder im Klassenzimmer. In der Ablage unter dem Tisch liegt ein verschmähtes Pausenbrot und schimmelt vor sich hin. Vorne referiert ein Lehrer über Hausaufgaben und Klassenfahrten. Einige Erwachsene schauen mit müden Augen auf die Uhr, sie haben einen langen Arbeitstag hinter sich. Ein Vater stellt ungerührt weitschweifige Fragen, eine Mutter verdreht schon die Augen.
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Während sich die Kleinen in der Regel auf die Schule freuen, sind die Erwachsenen oft wenig begeistert von der Aussicht, bei Elternabenden wieder die Schulbank drücken zu müssen. (© dpa)
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Es ist Elternabend, willkommen zurück in der Schule!
Versammlungen, die diesen Verlauf nehmen, sind ernüchternd; Pädagogen sehen im guten Kontakt zu den Eltern aber einen Schlüssel für erfolgreiche Schulen. Nach einer Umfrage der Universität Koblenz-Landau besucht nur etwa die Hälfte der Eltern regelmäßig die Elternabende.
Die Krankenkasse AOK hat jetzt dazu aufgerufen, nicht zu schwänzen: "Die Präsenz der Eltern an diesen Terminen vermittelt den Kindern das Gefühl, wichtig zu sein. Das macht sie stark", sagt die AOK-Psychologin Sabine Knapstein.
Sie beruft sich auf eine Studie, die zeigt, dass Kinder, deren Eltern die Schule meiden, häufiger unter psychischen Problemen leiden. Das Fehlen beim Elternabend ist zwar bestimmt nicht die direkte oder einzige Ursache für diese Leiden. Es ist aber ein Symptom, das auf Nöte der Familie und des Kindes hinweisen kann.
Viele Lehrer achten mittlerweile darauf, bei Elternabenden eine möglichst angenehme Atmosphäre zu schaffen. Sie servieren Getränke, verzichten auf oberlehrerhafte Ermahnungen und suchen ein Gespräch auf Augenhöhe. Manchmal laden die Schulen auch Experten ein, die zum Beispiel über Internetsucht aufklären.
Es gehe darum, die Eltern als "Mitspieler" zu gewinnen, sagt der Kölner Gymnasiallehrer Michael Felten. Bürokratische Langeweile müsse vermieden werden, und die Klagen einzelner Eltern dürften in der Gruppe nicht zu viel Raum bekommen, rät der Autor des Buches Auf die Lehrer kommt es an.
Horror vor den Eltern
Allerdings müssen die Pädagogen auch offen sein für Kritik. Der Erziehungswissenschaftler Werner Sacher, der als Professor an der Uni Erlangen-Nürnberg jahrelang über "Elternarbeit" geforscht hat, warnt vor einer "kollektiven Selbsttäuschung" in den Lehrerzimmern. Fast ein Drittel der Eltern von Grundschülern sei mit der Kooperationsbereitschaft der Lehrer unzufrieden. Die Pädagogen würden dazu neigen, die Atmosphäre besser einzuschätzen, als sie ist.
Manchmal entwickeln Lehrer aber auch einen Horror vor den Eltern, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass ihnen gleich mit Anwälten gedroht wird, wenn die Kinder mit schlechten Noten heimkommen.
Sacher warnt davor, den Kontakt erst dann zu suchen, wenn es Ärger gibt. Noch zu oft sei die Elternarbeit "defizitorientiert". Lernen sich Eltern und Lehrer erst in einem Konflikt kennen, fehlt die Vertrauensbasis. Nötig sind deshalb vielfältige Kontakte jenseits der ritualisierten Elternabende.
Einige Schulen bieten "Elterncafés" an oder ermuntern die Lehrer zu Hausbesuchen. Das kostet viel Zeit; aber Einwanderer beispielsweise, die wenig Deutsch sprechen, lassen sich oft nur so erreichen.
Nurgül Altuntas, die mehrere Jahre an einer Gesamtschule in Wiesbaden gearbeitet hat und nun Referendare ausbildet, hat damit gute Erfahrungen gemacht. Sie sagt, viele türkische Eltern empfänden es als eine große Ehre, wenn man sie besucht. Die Lehrerin sollte allerdings nicht gleich beim ersten Treffen mit einer Beschwerde ins Haus fallen.
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(SZ vom 21.09.2010/jobr)
Moderne Verwaltung
führen sie doch eine studie durch. dann haben sie wenigstens was zutun.
Welche Studie belegt die psychischen Probleme der Schüler? Und was ist da kausal. Oder wird hier mal wieder Korrelation und Kausalität fälschlicherweise gleichgesetzt???
Die Lehrer wollen doch nur Eltern, die brav mit dem Kopf nicken, wenn die Lehrer etwas erzählen, und die bereit sind, bei Schulaktivitäten die Arbeit zu erledigen. Kritik, Verbesserungsvorschläge, konkrete Fragen sind unerwünscht.
Übrigens schwänzen auch Lehrer gerne Elternabende oder erscheinen - ohne Entschuldigung - nicht oder verspätet zu vereinbarten Sprechstunden.,
also wenn schon im zweiten Kommentar der ich-kann-Schule-Lehrer auftaucht, ist ein bißchen die Spannung raus, finde ich.
Es mag so aussehen, das die Kinder der bei Elternabenden anwesenden Eltern stärker wären, aber das täuscht. Man sollte auch die Hintergründe beleuchten.
Die anwesenden Eltern sind zumeist diejenigen, die stark, manchmal auch lautstark für die "Rechte" ihrer Kinder kämpfen. Ob das wirklich immer Rechte sind oder ob die Kinder nur von den Lehrern bevorteilt werden sollen sei mal dahin gestellt. Die Lehrer haben oft Schwierigkeiten sich gegen diese sehr resoluten Eltern zur Wehr zu setzen. Es fehlt den Lehrern oft an Stärke und Rückgrat. Die Eltern, die nicht (mehr) zu Elternabenden gehen, haben festgestellt, das ihre Anwesenheit den Kindern nichts bringt.
Es gibt übrigens auch Eltern, die sich die Arbeit des Elternsprechers aufbürden und dafür von darstellungssüchtigen und besserwisserischen Eltern gemobbt werden...so auch ihre Kinder. Es wäre wichtig, das Lehrer fair und stark sind...allerdings sind längst nicht alle Lehrer dazu in der Lage.