Die Eliteuniversität Cambridge feiert in diesem Jahr ihr 800-jähriges Bestehen. Der Deutsche Christian Richardt feiert mit: Er studiert dort Informatik - und muss sich unter lauter Klassenbesten behaupten.
Es ist eine Universität der Superlative: 83 Nobelpreisträger und zwei Dutzend Staatsoberhäupter studierten oder forschten bisher an der Universität von Cambridge. 15 britische Premierminister und manche Mitglieder der Königsfamilie - zuletzt Thronfolger Prinz Charles - holten sich an der Eliteuniversität ihr akademisches Rüstzeug.
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Christian Richardt aus Erfurt. Der 23-Jährige studiert seit 2004 Informatik in Cambridge. (© Foto: dpa)
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In diesem Jahr feiert die ehrwürdige Hochschule, die 45 Minuten Zugfahrt von London entfernt liegt, ihr 800-jähriges Bestehen. Mit dabei ist auch Christian Richardt aus Erfurt. Der 23-Jährige studiert seit 2004 Informatik in Cambridge und ist Vorsitzender der dortigen deutschen Studentenschaft.
Notenschnitt von 1,0
An seinem Erfurter Gymnasium war Richardt herausragend. Schon vor dem Abitur hatte er nach schwierigen Aufnahme-Interviews die Zusage aus Cambridge in der Tasche, da musste es nur noch mit dem Spitzen-Abitur klappen. Und es klappte. Mit einem Notenschnitt von 1,0 kam Richardt im Herbst 2004 aus der thüringischen Landeshauptstadt in die Stadt mit den prächtigen mittelalterlichen College-Gebäuden - und musste sich erstmal umstellen: "Wo die Studenten herkommen, waren sie überall die Klassenbesten. In Cambridge müssen sie sich erstmal neu einordnen."
Dabei hilft ihnen ein ziemlich verschulter und vor allem leistungsorientierter Stundenplan. Von Montag bis Samstag geht es in Vorlesungen, meist zweimal am Tag. Hinzu kommen zahlreiche praktische Seminare und Übungen. "Das ist eine 60-Stunden-Arbeitswoche mit einem freien Tag", stellt Richardt fest. Selbst die Studentenpartys sind mitunter auf das Arbeitspensum abgestimmt und hören meist schon um zwei Uhr morgens auf. "Da muss man intensiver feiern", sagt Richardt augenzwinkernd.
3800 Euro Studiengebühren
Dabei wäre der Mythos Cambridge nie entstanden, wenn es nicht 1209 Unruhen in Oxford gegeben hätte. Ein paar Studierende zogen in die rund 160 Kilometer entfernte Stadt am Flüsschen Cam, um sich in Ruhe weiter ihren Studien widmen zu können. Aus dem Ausweichquartier wurde eine Universität, die seit Jahrhunderten eine führende Rolle in der weltweiten Hochschullandschaft einnimmt. Hier wurde das Elektron gefunden, das Atom gespalten, die DNA-Struktur entdeckt.
Hier studierten der Mathematiker Isaac Newton, Evolutionsforscher Charles Darwin, der Autor Salman Rushdie oder der Astrophysiker Stephen Hawking, der nach seiner Doktorarbeit am Gonville and Caius College der Universität weiterwirkte - rund 40 Jahre später studiert Richardt an genau diesem College, manchmal kommt Hawking noch zum Dinner. "Es ist schon toll, ein Teil davon zu sein", sagt der Erfurter.
Gut angelegtes Geld
Und für die Spitzen-Ausbildung müssen Richardt und die rund 18.000 Cambridger Studenten gar nicht tiefer in die Tasche greifen, als Studierende an anderen britischen Universitäten. Umgerechnet 3800 Euro pro Jahr betragen die Studiengebühren, weit weniger als die fünfstelligen Beträge, die etwa US-Universitäten erheben. Und das Geld ist gut angelegt, nicht nur wegen der exzellenten Jobaussichten.
Die Studenten bekommen auch Unterkunft, Essen und Betreuung in einem der 31 Colleges, die über die Stadt verteilt sind. Dort findet auch Unterricht in Kleinstgruppen, Supervisions genannt, statt.
Auch deshalb ist Cambridge immer noch Magnet für Hochbegabte. Je nach Studiengang kommen auf einen Studienplatz zwischen vier und zehn Bewerber, die in persönlichen Interviews ausgesiebt werden. Und obwohl die meisten seiner ehemaligen Schulkameraden sicher ein entspannteres Studentenleben haben, würde Richardt immer wieder den Weg von Erfurt nach Cambridge gehen. "Es ist fantastisch hier zu lernen, alle Studenten sind motiviert und clever."
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(dpa/Thomas Pfaffe/bön)
ich hab auch 4 Jahre in Cambridge studiert, und kann deshalb aus Erfahrung sagen: Leute, keine Sorge, da wird auch nur mit Wasser gekocht!
Die Vorstellung, dass da die ehemaligen oder zukuenftigen Nobelpreistraeger miteinander in Massen durch die neo-gotischen Korridore huepfen, bringt mich jedes mal zum lachen :-)
Es ist natuerlich wahr, dass Cambridge als "Marke" eine grosse Anziehungskraft auf gute Abiturienten aus aller Welt ausuebt. Das schlaegt sich dann darin nieder, dass, sagen wir mal, statt 1% aller Studenten vielleicht 2% besonders begabt sind. Der Rest ist halt "normal": Einige mit 'ner grossen Klappe, ein paar Fach-idi*ten, ein paar unscheinbare...
Was Cambridge aber am besten kann, aehnlich wie Harvard und Oxford, ist "Marketing". Die verstehen es ausgezeichnet, den Ruf aufrecht zu erhalten, dass die Wissenschaft dort mehr als irgendwo sonst zu Hause ist.
kleine Korrektur: Weder das Essen noch die Unterkunft sind in Cambridge umsonst: Sowohl fuer die Zimmer als auch fuer die Verpflegung zahlt man extra. Die Mieten sind am unteren Ende des Marktes angesiedelt, aber dafuer bekommt man auch nur ein winziges Zimmer mit Gemeinschaftsdusche ;-)
Da denkt man immer Otto Hahn (und Lise Meitner, die es ihm erklärte) hätten als erste ein Atom gespalten - und zwar in Berlin und Stockholm. Nein, es war in Cambridge! Woher kommen denn diese Neuigkeiten?
Cambridge kann ich persönlich nicht beurteilen, ich war nämlich als Mitarbeiter (nicht als Student) in Oxford. Und da genügen starke Oberarme, die einen für die Rudermannschaft qualifizieren, manchmal völlig als Aufnahmegrund. Dass das in Cambridge sehr viel anders ist, ich bezweifle es. Dass die Studenten eine 60-Stunden Woche hätten, auch das kann ich nicht nachvollziehen.
Meine Erfahrungen waren anders: Die Absolventen hatten nur eine Schule durchlaufen. Praktische Erfahrungen hatten Sie keine. Jeder Diplomand den ich in Deutschland hatte war besser ausgebildet als die "Elite-Absolventen" aus Oxford.
Aber vielleicht gilt das ja nur für mein Fachgebiet. Wobei aber auffällt, dass Doktoranden in Oxford ganz oft nicht von der eigenen Uni kommen.
So eine NERD Schule ;)