Das warme Frühstück ist gestrichen, Mitarbeiter sind entlassen, Klassen droht die Schließung: Die Elite-Uni Harvard hat 18 Milliarden Dollar Verlust gemacht.
Noch im Juni 2008 war Harvard mit einem Kapital von 36,9 Milliarden Dollar die reichste Universität der Welt. Im Jahr 1990 waren es erst 4,8 Milliarden Dollar gewesen. Zwischen Juli und Oktober 2008 verlor Harvard nach offiziellen Angaben der Präsidentin Drew Gilpin Faust acht Milliarden Dollar.
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Law School der Universität Harvard: (© Foto: dpa)
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Finanzfachleute hielten diese Zahl für zu optimistisch und schätzten den tatsächlichen Verlust auf 18 Milliarden Dollar. Die Universität musste profitable Teile ihres Investment-Portfolios zu Schleuderpreisen verkaufen, um überhaupt zurechtzukommen.
Das Herz der Universität
Der Verlust betrifft natürlich vor allem die Teile der Universität, die sich aus dem Kapitaleinkommen finanzieren (und nicht etwa den Lehrkörper der Medical School, der sich selbst - auch mit Drittmitteln - bezahlt). Das Herz der Universität, das eigentliche College (eine der zehn Abteilungen Harvards) und seine Faculty of Arts and Science (FAS), ist besonders betroffen: der Teil der Universität also, der sich ausschließlich der akademischen Lehre und Forschung widmet. Dessen Budget von über einer Milliarde Dollar war bis vor kurzem mindestens zur Hälfte aus Kapitalgewinnen finanziert worden.
Im vergangenen Jahr hatte die FAS 550 Millionen Dollar erhalten, für das kommende Jahr waren 750 Millionen Dollar erwartet worden. Nun aber steht ein Defizit von 220 Millionen Dollar ins Haus. Schon ist das warme Frühstück gestrichen, sind 275 Mitarbeiter entlassen und über 500 Angestellte in den Vorruhestand geschickt. Darüber hinaus wurde ein Einstellungsstopp verhängt.
Für den Herbst drohen größere Klassen (weil selbst an den billigen Teilzeitkräften gespart wird) und sogar die Schließung von kleinen Fächern, weil man sich von Professoren mit Lebenszeitanstellungen nur auf diese Weise trennen kann. Und selbstverständlich sind es die Personalkosten, die im Zentrum der Begehrlichkeiten stehen: Die Hälfte des jährlichen Gesamtbudgets der Universität von 3,5 Milliarden Dollar werden für Gehälter und Sozialleistungen ausgegeben (ein Professor der FAS verdient in der Regel fast 200.000 Dollar im Jahr).
Sehr viel, sehr schön und sehr teuer
In einem hervorragenden Artikel der Zeitschrift Vanity Fair (August 2009) beschreibt die Journalistin Nina Munk, wie Harvard in diese Lage geriet. Die Ursache sieht sie einerseits in der unverantwortlichen Expansions- und Ausgabenpolitik der vergangenen sieben Jahre, andererseits in einer kleinlichen, gängelnden Einstellung der Universität den Finanzmanagern gegenüber, die Harvards Geld investierten. In der Tat baute Harvard seit 2000 sehr viel, sehr schön und sehr teuer. Mit 140 Millionen Dollar war das neue Gebäude für die Politikwissenschaften noch billig. Das neue Forschungszentrum der Mediziner kostete hingegen schon 260 Millionen Dollar. Finanziert wurde nicht wie in alten Zeiten durch Spenden, sondern über Kredite.
Gleichzeitig wurden die finanziellen Unterstützungen für die Studenten erhöht. Die offiziellen Studiengebühren werden zwar mit 48.868 Dollar veranschlagt. Doch nur wenige der 8000 Studenten des Colleges entrichten den vollen Preis. Schon seit 2003 zahlen Familien, die weniger als 60.000 Dollar im Jahr verdienen, gar nichts, wenn ein Kind in Harvard studiert. Im Dezember 2007 wurde beschlossen, dass Familien, die insgesamt weniger als 180.000 Dollar im Jahr verdienen, maximal zehn Prozent ihres Einkommens als Studiengebühr für ein Kind zu entrichten haben. Der Beschluss trat im September 2008 in Kraft. Da meldete Lehman Brothers gerade Konkurs an, und der Aktienmarkt war im freien Fall.
Auf der nächsten Seite: Wie Harvard wie ein regulärer Hedge Fund an der Wall Street geführt, die Mitarbeiter am Gewinn beteiligt wurden - und dies zu einer kühnen Expansions- und Ausgabenpolitik führte.
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na, ist schon mal jemandem aufgefallen, dass viele Frauen in dieser Krise eine hauptrolle spielen?
Schickedanz: Quelle pleite
Schäffler: fast pleite
Jane Mendillo: harvard mega-verlust
...
die emanzipation war wohl doch keine so gute idee... ;)
Schon sind "275 Mitarbeiter entlassen und über 500 Angestellte in den Vorruhestand geschickt. Darüber hinaus wurde ein Einstellungsstopp verhängt ... Für den Herbst drohen größere Klassen (weil selbst an den billigen Teilzeitkräften gespart wird) und sogar die Schließung von kleinen Fächern, weil man sich von Professoren mit Lebenszeitanstellungen nur auf diese Weise trennen kann.
Und selbstverständlich sind es die Personalkosten, die im Zentrum der Begehrlichkeiten stehen.."
Die Ursachen sind in einer "unverantwortlichen Expansions- und Ausgabenpolitik" zu suchen, die erst dadurch ermöglicht wurde, dass "die Harvard Management Company (HMC) wie ein regulärer Hedge Fund an der Wall Street agierte" ...
Es bleibt festzustellen, dass es essentiell wichtige Bereiche in der Gesellschaft gibt - insbesondere Altersversorgung, Bildungswesen, Gesundheitswesen - die man dem weltweiten "Casinobetrieb der Finanzwirtschaft" vorenthalten muss ...
Es ist doch völlig unstrittig, dass an Börsen und Rohstoffmärkten investiertes Kapital einer großen Hebelwirkung ausgesetzt ist - zumal, bei fehlenden Regularien und Kontrollen ... Diese Hebelwirkung kann aber auch zu (totalen) Verlusten führen ...
Geplatzte Blasen und nicht zuletzt die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise - mit ihren immer noch nicht absehbaren Folgen für ganze Volkswirtschaften - sollten aber auch den eingefleischtesten Anhängern einer deregulierten, freien Marktwirtschaft, die allein dem Leistungsgedanken huldigen und das Wort "Sozialstaat" nur schwer über die Lippen bringen, zeigen, dass ihre (antisoziale) Ideologie auch natürliche Grenzen hat ...
Nämlich dort, wo man sich selber seiner eigenen Zukunft beraubt:
bei der Altersversorgung, bei der Bildung, bei der Gesundheit ...
Und in einer sozial friedlichen, weil gerechten, Gesellschaft läßt es sich in einem durch Mehrleistung erzielten Wohlstand auch angenehmer leben - als im goldenen Käfig mit Bodyguards und Wachdiensten ...
Abgesehen davon, dass Harvard - oder auch Yale - mit EK von um 30 Mia Dollar ausgerüstet sind, ist ein Verlust von 13-16 Mia für Harvard herbe, aber kein Untergang. Faust dürfte sich auf einem harten Wege wiederfinden, da die Elternschaft und Sponsoren sowie das gesamte sonstige alumni global sich gegen HCM ausgesprochen hatte - wer nicht hören will, muss fühlen. Nur, noch ein Artikel "wie der da" ist peinsam.
Auf welchem Niveau die Autorin von "Armut" spricht, erklärt an sich den Rest des hier verausgabten geistigen Substrates, gleichwohl:
Ist es der Autorin entgangen, dass Harvard aus über 15 "Colleges" besteht und wo sie ihre 8000 "Collegiaten" hernimmt, wird auch nicht ganz klar. Im Semester 2007/08 hatten wir 22000 Studenten....ABER: vielleicht lese ich ja bei SZ - so wie in nahezu jedem Bericht der sich mit Wirtschaft oder Geld befasst, doch Tales aus einer mir nicht bekannten Welt?
Sollte ihr unbekannt sein - Wikipedia gab wohl nicht mehr her beim scrollen? - allein die Law School, die Medical Leute sich nahezu selbst nicht nur "ernähren"....
Wofür zu sorgen sein wird - und dies geschieht - ist dass jungen leistungsfähigen Menschen gleich welcher Herkunft der Zugang sowohl zu Harvard - als auch allen anderen Instituten dieses Kalibers erhalten bleibt.
Insofern möge die Autorin doch einmal recherchieren. Anempfohlen sei ihr der öffentlich zugängliche Business Bericht sämtlicher "Elite"Universitäten incl. Harvard, Yale und Princeton.
Oder überschätze ich, wie meist, den Textinhalt und es ging nur wieder einmal ums Click-Seitenfüllen?
Der war gut. Absofort demonstriere ich nicht mehr gegen einen Krieg oder gegen Menschenrechtsverletzungen wenn diese bereits begonnen bzw. begangen wurden.
Nur leider besitze ich keine medialen Fähigkeiten oder eine Glaskugel.
Wenn ein Langzeitstudent wegen 500 Euro "Überziehungsgebühren" das Studium schmeisst, dann war der erfolgreiche Studienabschluss mit passabler Note weit weg. Sie beschreiben eine theoretische Option, die praktisch nach meinem Empfinden kaum Relevanz hat.
Sie schreiben ferner: "sie erwähnten, dass es darauf an komme, wer und wann die gebühren zu entrichten hat. sehr richtig. man sollte - meiner ansicht nach - diese überlegung in eine progressive einkommensteuer miteinfließen lassen. ein "zwangs"-alumni ginge eventuell auch ... "
Die progressive Einkommenssteuer haben wir bereits. Durch den mehr oder weniger linearen Anstieg des Steuertarifs mit dem Einkommen ist das Steuervolumen (quasi die Fläche unter der Kurve) beinahe quadratisch - wenn man vom steuerfreien Existenzminimum absieht. Wird gern übersehen - ein einheitlicher Steuersatz auf das steuerpflichtige Einkommen führt zu einem linearen Anstieg des Steueraufkommens, ein linearer zu einem quadratischen... Natürlich nur bis zur Kappungsgrenze, ab da wirds linear.
Deswegen machts dem Finanzminister so viel Spass, wenn der Spitzensteuersatz nicht mit der Inflation angeglichen wird. Was seit der Gründung der Bundesrepublik nicht wirklich passiert ist.
Paging