Will ihren Glanz vermehren: die RWTH Aachen.
Mit dem Wort "Elite" hat man an der RWTH Aachen noch nie Probleme gehabt. Wie sollte man auch? Als hierzulande ansonsten niemand von Elite reden wollte, da war die Rheinisch-Westfälisch Technische Hochschule längst Elite. Und ist es noch immer.
Das Hauptgebäude der RWTH. (© Foto: oh)
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Die Hochschule im Dreiländereck zwischen Deutschland, Belgien und den Niederlanden hat bei Studenten, Professoren und Arbeitgebern einen gleichermaßen formidablen Ruf. Wer an der RWTH forscht, zählt zur Spitze seines Faches; wer die Uni als Diplom-Ingenieur verlässt, braucht sich in aller Regel nicht um einen Job zu sorgen. Mit 30.000 Studenten und 400 Professoren ist Aachen auch die mit Abstand größte Technische Hochschule Deutschlands. Dazu tragen freilich auch die Geistes- und Sozialwissenschaften stark bei, die mehrere Schließungsversuche überlebt haben und weiter angeboten werden.
Der Glanz von Aachen aber rührt von den Technikfächern, und an diesem Glanz konnte vor Jahren selbst der Skandal um den früheren Rektor Hans Schwerte, der als vormaliger SS-Mann Hans Ernst Schneider enttarnt wurde, nicht kratzen. Vor allem in der Produktions- und Informationstechnik und den Materialwissenschaften zählt Aachen zur Weltelite - hier spielt die RWTH in einer Liga mit dem legendären MIT in den USA und der ETH Zürich.
Warum man bei so viel Elite überhaupt noch "Elite-Uni" im Exzellenz-Wettbewerb werden will? Rektor Burkhard Rauhut stutzt für einen Moment ob der despektierlichen Frage. Am Geld, sagt er dann, liege es sicher nicht. Tatsächlich steht die RWTH finanziell vergleichsweise gut da, weil sie auf einem starken zweiten Fuß steht: Mehr als ein Viertel ihres Etats wirbt sie als Drittmittel ein. Das Geld kommt überwiegend aus der Industrie; zu ihr hat die Uni, seit sie 1870 als Polytechnikum in der Nähe der Metallhütten und Bergwerke des Aachener Reviers und des Ruhrgebiets gegründet wurde, enge Kontakte - für manche Kritiker der Auftragsforschung zu enge. Ihnen hält Rektor Rauhut selbstbewusst entgegen, dass die RWTH auch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft erhebliche Fördergelder erhält - mehr sogar als jede andere deutsche Hochschule. Gut 510 Millionen Euro beträgt so in diesem Jahr der Gesamtetat der Uni, davon sind 143 Millionen Drittmittel. Die jährlich 13,5 Millionen Euro, die der Sieg im Elite-Wettbewerb bringt, wären da ein nettes Zubrot, mehr aber nicht.
Warum also der ganze Aufwand für den Elite-Titel? "Wir wissen, wie gut wir sind", sagt Rauhut schließlich: "Viele andere wissen es auch. Jetzt sollen es alle wissen!" Vor allem durch das Urteil der hochkarätigen Gutachter aus dem Ausland sucht die RWTH eine weitere Bestätigung ihres Glanzes.
Dieser Glanz soll freilich auch noch vermehrt werden. Mit einer ebenso ausgefeilten wie anspruchsvollen Final-Bewerbung will die Uni ihr wissenschaftliches Profil weiter schärfen. "Von der Idee zum Produkt" ist das Zukunftskonzept überschrieben, das die Entwicklung neuen Wissens in allen Stufen noch effizienter machen soll. "Dabei orientieren wir uns an der Wertschöpfungskette", sagt Rauhut: "Von der erkenntnisorientierten über die anwendungsorientierte Grundlagenforschung bis zur angewandten Forschung."
An jeder Stufe sind neue Institute oder Projekte geplant, etwa zum gemeinsamen Nachdenken von Ingenieuren, Medizinern und Soziologen über neue Forschungsthemen, zum Technologietransfer oder zur Frauenförderung. Diese ist hier mehr als eine Mode; die RWTH ist zwar Elite - doch die Elite ist gerade in den Technikfächern nur selten weiblich.
(SZ vom 10.7.2006)