Künstler müssen ihre Jobtauglichkeit besonders oft belegen: Vier von fünf Stellen für Kreative werden nur an Bewerber mit Erfahrung vergeben.
Ein abgeschlossenes Hochschulstudium allein garantiert noch keinen Arbeitsplatz. Gerade für Absolventen der künstlerischen Fächer wie Design, Musik oder Schauspiel ist es besonders wichtig, erste Einblicke ins Berufsleben vorzuweisen: Vier von fünf Stellen für Kreative werden nur an Bewerber mit Berufserfahrung, Praktika oder abgeschlossener Ausbildung vergeben.
Schauspieler haben es beim Einstieg in den Job ohne Praktikum besonders schwer. (© Foto: dpa)
Anzeige
Insgesamt fordern nur drei von fünf Ausschreibungen für Berufsanfänger praktische Erfahrungen. Dies ergab der aktuelle Young Professional Index, eine Untersuchung von mehr als 2000 Online-Stellenangeboten bei 800 Unternehmen durch den Personaldienstleister jobs in time.
Die Kreativen sind jedoch nicht die einzigen Absolventen, die dringend Erfahrung im Beruf benötigen. Auch drei Viertel der Stellen für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler werden nur an Interessenten vergeben, die das Geschäftsleben nicht nur aus dem Hörsaal, sondern auch im Alltag kennen.
Juristen und Mediziner hingegen müssen solche Erfahrungen deutlich seltener belegen. Bei ihnen ist eine ausgedehnte Praxisphase verbindlicher Teil des Studiums, so dass ein Arbeitgeber diese Qualifikation voraussetzen kann.
Der beste Weg, die notwendige Berufstauglichkeit nachzuweisen, ist erste Berufserfahrung. 94 Prozent der Stellenangebote nennen diese Möglichkeit. Praktika oder eine Berufsausbildung hingegen werden nur bei einem Viertel der zu vergebenden Positionen akzeptiert.
Hierbei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Branchen: Während mehr als die Hälfte der Absolventenstellen im Dienstleistungsgewerbe auch an Bewerber vergeben wird, die bisher lediglich Praktika vorweisen können, sind es im Handel nicht einmal ein Viertel.
Bessere Chancen bei Mittelständlern
Am schwierigsten ist der Einstieg im verarbeitenden Gewerbe. Praktika gelten hier nur bei 12 Prozent der Stellen als Türöffner.
Wer allerdings frisch diplomiert direkt von der Hochschule kommt, kann in den meisten Fällen naturgemäß keine Berufserfahrung vorweisen. Für die erste Anstellung sind die Chancen bei mittelständischen Unternehmen deutlich besser als bei Konzernen.
Die kleineren Firmen setzen die Einstiegshürden niedriger an: Bei mehr als 40 Prozent ihrer Ausschreibungen akzeptieren sie auch Bewerber, die statt Berufserfahrung Praktika vorweisen. Bei Großunternehmen gilt dies nicht einmal für 19 Prozent der Ausschreibungen.
Ein vergleichbares Bild zeigt sich für Absolventen, die neben dem Studium eine abgeschlossene Berufsausbildung mitbringen. Für ein Drittel der Mittelstandsstellen reicht diese Qualifikation aus. Bei Konzernen gilt dies nur für ein Fünftel der Stellen.
- Studie Die Mär von der "Generation Praktikum" 12.04.2007
- Arbeitsmarkt für Hochschulabsolventen Generation Hoffnung 22.03.2007
- Generation Praktikum Welche Rechte Praktikanten haben 22.05.2006
- Gehälter von Ingenieuren Bescheidener Einstieg, rasanter Aufstieg 13.11.2006
- Jobs für Berufsanfänger Der schnelle Weg nach oben 27.07.2006
(sueddeutsche.de/dpa)