Im Kita-Streit haben die Gewerkschaften dank einer unredlichen Strategie die Oberhand behalten.
Normalerweise ist es relativ einfach, nach Tarifverhandlungen zu sagen, wer eher gewonnen und wer eher verloren hat. Gewerkschaften fordern eine Lohnerhöhung um einen bestimmten Prozentsatz, die Arbeitgeber lehnen dies als völlig überzogen ab, irgendwo in der Mitte treffen beide Seiten sich dann.
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Nach vielen Monaten ist im Kita-Streit endlich eine Einigung erzielt worden. (© Foto: ap)
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Nun ist nach sechs Monaten der Tarifkonflikt im Sozial- und Erziehungsdienst doch noch zu Ende gegangen - und wer hat gewonnen? Kurzfristig: die Eltern, die bei der Betreuung ihrer Kinder nicht länger improvisieren müssen. Langfristig: wahrscheinlich die Gewerkschaften.
Der letzte Versuch
Offensichtlich ist, warum es am Montag diese Einigung gegeben hat. Die fünftägige Verhandlungsrunde war der wirklich letzte Versuch, diesen Konflikt noch während der Sommerferien zu lösen - bevor die Gewerkschaften Verdi und GEW Ende August wieder zu Streiks in großem Umfang aufgerufen hätten. Diese Eskalation wollten aber sowohl die beiden Gewerkschaften als auch die Arbeitgeber, die Kommunen, vermeiden. Ende August ist Bundestagswahlkampf; die Gewerkschaften mussten befürchten, dort mit ihrem Erzieher-Thema nicht mehr wahrgenommen zu werden und mit ihrem Arbeitskampf ins Leere zu laufen.
Aber auch für die Städte und Gemeinden wäre ein Arbeitskampf zu der Zeit unkalkulierbar gewesen. Die Kommunalpolitiker wären womöglich unter den Druck der Wahlkämpfer geraten - ganz abgesehen davon, dass ein Tarifabschluss für Arbeitgeber tendenziell umso teurer wird, je länger die Auseinandersetzung dauert. Gewerkschafter wollen schließlich nicht umsonst gekämpft haben.
Es ging ums Geld
Offensichtlich ist aber noch etwas anderes: Dass es in diesem Konflikt natürlich nur um Geld ging, wie immer, und nicht um so eine edle Sache wie den Gesundheitsschutz der Beschäftigten. Verdi und die GEW haben ja über Monate hinweg so getan, als wären Lärmschutzwände in den Kitas und rückenschonende Stühle für die Erzieherinnen ihr Kernanliegen. Vereinbart wurde aber nicht die Anschaffung von Stühlen - wie auch? -, vereinbart wurde ein Gebilde namens "betrieblicher Gesundheitszirkel". Für so etwas haben die Gewerkschaften monatelang gestreikt? Das glaubt ja wohl niemand.
Die Sache mit dem Gesundheitsschutz war ein Kniff; kein redlicher, aber ein erfolgreicher. Weil es dazu bisher keinen Tarifvertrag gab, durften Verdi und GEW für diesen Zweck zum Streik aufrufen. Das Ziel des Streiks war aber, außerhalb einer normalen Lohnrunde mehr Geld für Erzieher, Sozialarbeiter oder Heilpädagogen herauszuschlagen - indem man den Arbeitgebern eine neue Einkommenstabelle, mit höheren Sätzen als bisher, für diese Berufsgruppen abringt. Dass diese Strategie erfolgreich war, werden sich nicht nur Verdi und die GEW, sondern auch andere Gewerkschaften merken. Geld kann man nie genug wollen. Gut möglich, dass dieser Konflikt noch die Kultur der Tarifverhandlungen in diesem Land verändern wird.
(SZ vom 28.7.2009/bön/vw)
Ich kann das Gejammere auf allen Kanälen der kommunalen Arbeitgeber aus allen politischen Lagern im Zusammenhang mit dem wirklich lächerlichen KiTa-Erzieher-Tarifabschluss nicht mehr hören! Verdammt: Es geht um den wichtigsten Berufszweig dieses Landes. Diese Leute kümmern sich um die gute Entwicklung des wichtigsten Gutes, das wir haben: unsere Kinder! Und jetzt wird schon wieder gejammert, wie teuer das wird und sogar gedroht, daß die Angebote beschränkt werden müssen. Hallo?! Ich weiß, wo ihr das Geld herkriegen könnt. Holt es euch von Schäffler, Schickedanz, Wiedeking, Ackermann und von den ganzen Bankvorständen, die jetzt schon wieder staatlich und also gemeinschaftlich ermöglichte Millionen-Boni einklagen, holt es bei der Bayern LB, bevor die es gleich wieder ihren Versager-Vorständen zukommen läßt. Jede Kommune, die jetzt das Geld für die Erzieher zusammenkratzen muss, hat genug Reiche, die nicht wissen wohin mit dem Geld. Also los, SPD-Kommunalpolitiker! Die Chancen stehen gut!
... sei empfohlen, sich einmal ein halbes Jahr daran zu versuchen, ernsthaft als Erzieher/in arbeitend eine Familie zu ernähren.
Es ist eine Schande, wie hier mit der von den Politikern landauf, landab beschworen "Zukunft unseres Landes" umgegangen wird.
Es ist eine Frage der Zeit, wann der nächste Rattenfänger sich das zunutze machen wird. Und dann gnade Gott uns allen!
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Also wirklich... die Geiz ist geil Mentalität ist in diesem Land schon weit fortgeschritten! Leute die Arbeit dieser Menschen ist WICHTIG und BELASTEND bzw. anstrengend, sowohl körperlich als auch geistig/seelig. Dafür wurde bisher ein Hungerlohn gezahlt (meine Ansicht), und nun eben etwas mehr. Meine Meinung: verdient haben sie das.
Ist zwar jetzt an den Haaren herbeigezogen, aber solange Versager-Banker weiterhin Millionen kassieren, solange sollten DIE Peanuts für einen echt wichtigen Teil der arbeitenden Bevölkerung niemand kratzen.
Zu dem Artikel: Thema verfehlt, Polemik pur, setzen sechs!
und möchte anmerken, daß die Erhöhung bei 120 Euro pro Kopf pro Monat liegt. Davon abgesehen war die Forderung nach rückenschonendem Mobiliar eine in der Sache richtige Forderung und die ERzieherinnen würden sich selbst strafen, wenn sie diese nur zum Streikanlaß genommene Forderung wieder vergäßen.
Wenn jetzt davon geschwafelt wird, daß angesichts der jährlichen Mehrbelastung das angestrebte Ziel des beitragsfreien Kindergartens bis 20?? nicht zu realisiseren sei, dann zeigt das deutlich unsere Prioritäten. Wer glaubt, daß eine Kindererziehung zum Nulltarif zu haben ist (vielleicht machen das ja die "Osteuropäer") und wer nicht bereit das, das im Zweifel zu subventionieren, der wird sich noch umschauen, wenn uns in ein paar Jahren die gleiche Debatte zur Altenbetreuung einholt.
Vielleicht machen das ja dann auch (noch) die "Osteuropäer" für'n Appel und'n Ei.
Paging