Bildung Was Sie über das duale Studium wissen sollten

  • Mehr als 1500 duale Studiengänge gibt es in Deutschland, die von 95 000 Studierenden besucht werden.
  • Die Verknüpfung von universitärer Ausbildung und beruflicher Praxiserfahrung wird bei den Studenten immer beliebter.
Von Bianca Bär

Das duale Studium boomt. Deutschlandweit kooperieren immer mehr Hochschulen und Firmen, um ein Studium in Kombination mit Praxisphasen im Betrieb oder mit einer Berufsausbildung anzubieten. So waren bei der Datenbank "Ausbildung Plus" des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) im Oktober 2015 mehr als 1500 duale Studiengänge verzeichnet, die von 95 000 Studierenden besucht wurden. Damit hat sich die Zahl der dort registrierten dualen Studienangebote binnen acht Jahren mehr als verdoppelt. Im April 2007 zählte die Datenbank nur 666 Studiengänge sowie knapp 43 000 dual Studierende. Die meisten Angebote beziehen sich auf Wirtschaft, Ingenieurwesen, Immobilien, IT und Technik; es gibt unter anderem auch duale Studiengänge zu Gesundheits-, Sozial- und Umweltthemen. Im Bereich der Geisteswissenschaft wird aber so gut wie nichts angeboten.

"Das duale Studium ist so beliebt, weil es für alle drei Seiten, also Unternehmen, Hochschulen und die Studierenden Vorteile mit sich bringt", erklärt Barbara Hemkes vom Bundesinstitut für Berufsbildung. "Die Unternehmen betreiben mit dem dualen Studium eine Bestenauslese der Schulabsolventen mit dem Ziel, zukünftige Führungskräfte zu rekrutieren." Die Nachwuchskraft lerne den Betrieb in den Praxisphasen intensiv kennen und sei daher ideal auf ihre Aufgaben vorbereitet.

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Außerdem können die Unternehmen mit diesem Modell ihren Nachwuchs spezifisch, ihren Bedürfnissen entsprechend, ausbilden. "In Absprache mit den Hochschulen können die Betriebe ihre Erwartungen an das Studium deutlich machen", führt Hemkes aus. Die enge Abstimmung mit den Hochschulen schätzt auch Katrin Sünderhauf. Sie ist bei der Deutschen Bahn (DB) für die Grundsätze im Schülerrecruiting zuständig. Bundesweit bietet die Bahn 20 verschiedene duale Studiengänge in den Richtungen Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften sowie IT an. "Wir haben die Möglichkeit, den Hochschulen Anregungen zu liefern, welche Inhalte bei der Ausbildung in unseren Betrieben besonders wichtig sind und deshalb auch in im Rahmen des Studiums intensiv behandelt werden sollten", erläutert Sünderhauf. "Die Hochschulen prüfen diese Wünsche und versuchen, sie in die Ausbildung zu integrieren."

Die meisten dualen Studiengänge, die die DB anbietet, sind praxisintegrierend, einige aber auch ausbildungsintegrierend organisiert. Beim praxisintegrierenden Modell wird das dreijährige Bachelorstudium mit Praxisphasen im Betrieb kombiniert. In der Regel arbeiten die Studenten dabei während der vorlesungsfreien Zeit bei verschiedenen Projekten im Unternehmen mit. Beim ausbildungsintegrierten Modell durchlaufen die Studierenden zusätzlich auch eine Berufsausbildung. In vier bis 4,5 Jahren erwerben sie so eine Doppelqualifikation: den Bachelortitel und einen Ausbildungsabschluss der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer oder einer Fachschule.

"Ein attraktives Format"

Auch die Hochschulen profitieren von dieser Symbiose mit den Unternehmen und anderen Einrichtungen. "Das duale Studium ist ein attraktives Format, um weitere Studierende zu gewinnen", betont Hemkes vom BIBB. "Viele der Fachhochschulen liegen im ländlichen Raum. Mit dem dualen Studium können sie den jungen Leuten dort eine vielversprechende Perspektive bieten", ergänzt Theresa Eitel, Mitglied der Geschäftsführung von Hochschule Dual mit Sitz in München. Hochschule Dual ist die Dachmarke des dualen Studiums, das an den 17 staatlichen Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern, zwei Hochschulen in kirchlicher Trägerschaft und an der Hochschule Ulm, Baden-Württemberg, angeboten wird.

Das Ziel, leistungsbereite und begabte Studieninteressierte und Absolventen in der Region zu halten, verfolgt auch die Grenzebach Maschinenbau GmbH mit Sitz in Hamlar im schwäbischen Landkreis Donau-Ries. "Wir brauchen den Führungskräftenachwuchs hier am Ort. Wer einmal für das Studium wegzieht, kommt selten zurück", sagt Erich Rößner. Er betreut die derzeit 23 dual Studierenden des mittelständischen Familienunternehmens, die im ausbildungsintegrierenden Modell Maschinenbau, Elektrotechnik oder Fachinformatik studieren.