Sicherheit als größtes Anliegen
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Dass das Thema Suchthilfe schwer zu vermitteln ist, erfährt er immer wieder. Stattdessen gewähren die Firmen ihm zaghaft Zutritt, indem sie sich von Beratungsprogrammen gegen Burn-out, Schulden oder Konflikten im Team überzeugen lassen. Erst über diesem Umweg kommt Aupperle an das Thema Sucht im Betrieb heran. Dabei sieht er die Unternehmen selbst durchaus in der Verantwortung, wenn es den Mitarbeitern schlechtgeht: Die Belastung nehme zu, und immer öfter seien Arbeitsverträge nur befristet. "Sicherheit ist das größte Anliegen der Menschen. Wenn dieses Grundbedürfnis nicht erfüllt wird, entwickeln gerade sehr harmoniebedürftige Charaktere psychosomatische Erkrankungen und Süchte." Ob er daran glaubt, dass jemals eine suchtfreie Arbeitswelt existieren wird? "Nein. Unsere ganze Gesellschaft hat süchtige Strukturen, weil sie immer mehr, immer schneller und größer sein will. Und Alkohol als unsere Kulturdroge ist das soziale Schmiermittel."
Auch bei der Auftragsvergabe zum Beispiel. Wer mit dem Geschäftspartner nicht anstoßen möchte, zieht bei einem Deal schnell den Kürzeren. Insbesondere bei internationalen Geschäften mit Osteuropäern oder Asiaten sei der gemeinsame Umtrunk unvermeidbar, sagt Barmer-Berater Meierjürgen. Davon abgesehen, hat das gemeinsame Trinken am Arbeitsplatz im Vergleich zu früher aber abgenommen. Arbeitsverdichtung und Effizienzparolen machen es schlicht unmöglich. Geburtstage feiert man mit Kaffee und Kuchen statt mit Sekt am Mittag. Betriebsfeiern enden zeitig.
Abstinenz on the job
Die Folge ist allerdings nicht, dass der Alkoholkonsum am Arbeitsplatz abgenommen hat. Vielmehr hat sich aus einem mehr oder weniger offenen Konsum ein verdeckter Konsum entwickelt. Immerhin sieht Sozialtherapeut Aupperle Fortschritte bei der Therapie von Alkoholkranken am Arbeitsplatz. "Galt früher noch das Bild des Einzelnen, der unter dem Problem leidet, bezieht man bei modernen, ambulanten Therapien das Umfeld mit ein und belässt den Suchtkranken an seinem Arbeitsplatz." So bleibt er beruflich am Ball und trainiert Abstinenz on the job.
Der Kollegin von Susanne Bürger hilft dieser Ansatz nicht mehr. Sie hat sich vor kurzem in den Vorruhestand verabschiedet. Zuvor war sie rückfällig geworden. Ob sie nun in einem Umfeld der Fürsorge und psychologischer Unterstützung lebt, wissen die Ex-Kollegen nicht.
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(SZ vom 20.9.2008/bön)
DFB-Pleite gegen die Schweiz
Weder Betriebsleitung noch Betriebsarzt sind bei Alkoholfällen zur Untätigkeit verdammt. Mit welchen Strategien ein Betriebsarzt alkoholabhängige Mitarbeiter zur Einsicht und zum Handeln bringen kann ist seit vielen Jahren Gegenstand arbeitsmedizinischer Fortbildung. Diese Strategien werden in zahlreichen Betrieben erfolgreich umgesetzt, übrigens auch in mittelgroßen und kleinen. Voraussetzung ist ein engagierter und gut ausgebildeter Betriebsarzt, auf den leider oft aus Kostengründen verzichtet wird. Und das arbeitsrechtliche Instrumentarium des Personalchefs ist umfangreich genug, um beim betroffenen Mitarbeiter den zur Therapieeinsicht notwendigen Druck zu erzeugen. Allerdings, da haben Sie schon recht: Er muß erst erfahren, daß es da überhaupt einen Fall gibt. Das gelingt nur, wenn auch die Führungskräfte vor Ort im Thema Suchtmittelmißbrauch geschult sind. Sonst macht jeder, was er persönlich für richtig hält.