Das Familienministerium stellt eine Studie über eine seltene Spezies vor: Eltern, die beide Vollzeit arbeiten. Die "Doppelkarriere-Paare" wissen, dass sie einen hohen Preis für ihr Lebensmodell zahlen.
Sie sind nicht leicht zu finden, die "Doppelkarriere-Paare" mit kleinen Kindern. Denn gerade in den alten Bundesländern dominiert das Vollzeit-Teilzeit-Modell: Der Mann arbeitet weiter an seiner Karriere, nachdem er Vater geworden ist; die Frau steigt nach einer Geburt jahrelang aus dem Job aus - und falls sie wieder einsteigt, tut sie das in Teilzeit und mit verringerten Ambitionen: Karriere kann halt nur einer machen.
Karriere mit Kind: Deutsche "Doppelkarriere-Paare" sind so selten, dass sie in den Statistiken kaum wahrnehmbar sind. (© Foto: iStock)
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Deutsche "Doppelkarriere-Paare" sind so selten, dass sie in den Statistiken kaum wahrnehmbar sind. Deshalb hat das EAF-Institut für seine am Mittwoch vorgestellte Studie gar nicht erst versucht, repräsentative Daten zu sammeln. Stattdessen haben die Berliner Wissenschaftlerinnen im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung und des Bundesfamilienministeriums zwei Dutzend solcher Paare in den Chefetagen gesucht und interviewt; ergänzt wurde das von einer Online-Befragung, an der sich beteiligen konnte, wer wollte. Repräsentativ ist das Ganze deshalb nicht, interessant ist es trotzdem. Denn vielleicht äußert sich hier eine Avantgarde, die ein Modell lebt, das in ein paar Jahren alltäglich ist.
Wo hinter Vätern keine Hausfrauen stehen
In den Einschätzungen der meisten Befragten findet sich ein pragmatischer Optimismus: Alle Paare wissen, dass sie einen hohen Preis für ihr Lebensmodell zahlen - zum Teil in Form von Gebühren und Löhnen für professionelle Unterstützung, zum Teil in Form von permanenter Zeitnot. Trotzdem wirken viele erstaunlich zufrieden: Diese Eltern, die meist in den sechziger Jahren geboren wurden, gehen offensiv mit ihren Karrierezielen um; in ihren Firmen wissen Kollegen und Chefs, dass hinter solchen Vätern keine Hausfrauen stehen. (Und ein paar der Paare haben im Ausland erlebt, dass es nicht nur das deutsche Vollzeit-Teilzeit-Modell gibt.) Der Anspruch dieser Eltern ist deutlich: Wir wollen mindestens ein Kind und zwei Karrieren. Bisher war so etwas selten zu hören.
Doch sind diese paar Befragten wirklich eine Avantgarde? Vielleicht sollte man, um das einschätzen zu können, kurz zurückblicken: Hätten sich junge Eltern vor zehn oder fünfzehn Jahren ähnlich geäußert? Hätte ein Vater, der im Jahr 1950 oder 1955 geboren wurde, den Wunsch artikuliert, dass auch seine Frau ihre akademische Qualifikation angemessen nutzen solle? Wohl kaum. Ein paar der Eltern, die in den bunten siebziger Jahren sozialisiert wurden, scheinen dies zu tun. Dass es bald mehr werden, ist nicht auszuschließen.
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(SZ vom 15.5.2008/bön)
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Das wird immer wieder vergessen:
Wenn eine Frau eben nicht 5000 Euro brutto + verdient, wird sie sich überlegen arbeiten zu gehen. Gilt auch für Hausmänner.
derblauebär: Wundern Sie sich nicht, warum solche Studien überhaupt angefertigt werden?
Das ist doch interessant: Erst hält man Frauen mit massivem ideologischen Aufwand jahrzehntelang vom Arbeitsmarkt fern (siehe die Nachkriegsentwicklung in Deutschland west) und nun versucht man, angesichts sinkender Beitragszahler und kollabierender Sicherungssysteme, die zweite Hälfte der erwachsenen Gesellschaftsmitglieder als gleichberechtigte Beitragszahler zu etablieren. Schon komisch.
Der Autor suggeriert mit Blick auf diese mehr als fragwürdige "Studie" einen Zusammenhang zwischen Sozialisation und Rollenmuster. Das halte ich für zu kurz gesprungen. Es ist ja nicht so, daß es keine arbeitswilligen Frauen gäbe! In Ostdeutschland ist es (Sozialisation!) seit den 50 iger Jahren normal, daß beide arbeiten gehen, er und sie.
Daß sich nun in Ostdeutschland die (Berufs)-biographien der Frauen denen ihrer westlichen Schwestern anpassen (sie bleibt zu Hause), hat vor allem mit dem statussichernden und konservative Rollenmuster stützenden Arbeitsmarkt zu tun: Männer verdienen nun mal mehr.
Faktisch ist es eine Organisationsfrage und eine Frage der Einstellung zum Kind als auch zum Modell "Ehe", die darüber entscheidet, ob eine Familie/Partnerschaft glücklich ist, oder nicht (siehe Skandinavien). Die Rahmenbedingungen für Familien, die Möglichkeiten, überhaupt zwischen mehreren Modellen wählen zu können, muß der Staat bereit stellen. Familienpolitik kostet (richtig) Geld.
Das scheint aber eine unliebsame Schlußfolgerung zu sein. Also untersucht man lieber "Vorzeigepaare", die es aufgrund privilegierender Faktoren geschafft haben, dem strukturellen Dilemma (hier Kind und Armut, dort job und kein Kind) zu entkommen.