Doktortitel Erfüllende Aufgabe, dürftiges Budget

Der Weg zum Doktortitel ist bereichernd, aber auch kräftezehrend, weil sich Doktoranden meist um Drittmittel kümmern müssen.

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Ein Promotionsstudium will erst mal finanziert sein. Das geht über einen Job an der Uni oder mit einem Stipendium.

Von Christine Demmer

Peter-Simon Dieterich hat ein Diplom in Mathematik und ein zweites in Physik. Am Graduiertenkolleg der Universität Hamburg promoviert der gebürtige Ludwigsburger seit Herbst 2013 mit einem Thema an der Schnittstelle beider Fachgebiete. Sein Professor aus Stuttgart hatte ihn als Auszeichnung für einen besonders hellen Kopf dorthin empfohlen. Für die halbe Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter bekommt der 28-Jährige etwa 1500 Euro brutto, nach Abzügen bleiben ihm davon ungefähr 1100 Euro. "Im nächsten Jahr werde ich jeden Monat 200 Euro mehr auf seinem Konto haben", berichtet Dieterich mit freudig klingender Stimme. Für große Sprünge reicht das Gehalt aber nicht. Fast die Hälfte geht für die Miete drauf, und auch sonst ist die Hansestadt kein billiges Pflaster. Für einen Nebenjob fehlt dem Doktoranden die Zeit. Er kennt keinen Kollegen, der sein Leben in Dissertation, Unitätigkeit und Zweitjob drittelt. Denn die Zeit drängt. Die Stelle am Graduiertenkolleg ist auf drei Jahre befristet.

Bei Begabtenförderungswerken können künftige Doktoren sich in Eigenregie bewerben

Während dieser Zeit haben junge Physiker ohne Promotion bereits die ersten Karrierestufen genommen und im Schnitt jährlich das Dreifache des Doktoranden verdient. Trotzdem liebäugelt nach Angaben des Studentennetzwerks E-fellows.net jeder fünfte Studierende in Deutschland mit dem Doktorhut. Geht es weiter wie bisher, dann werden zwei von drei Doktoranden die mehrjährige Zeit als Forscher und Autor mit einem Job an der Universität finanzieren, bezahlt entweder von der Hochschule oder aus Zuwendungen von Unternehmen und Forschungseinrichtungen. So wie Peter-Simon Dieterich leben viele von sogenannten Drittmitteln, mit denen Forschungsprojekte angeschoben und durchgeführt werden. Für Doktoranden ist es wunderbar, wenn das Thema einer Untersuchung mit dem ihrer Dissertation zusammenfällt. Es ist furchtbar, wenn sich der Geldgeber von dem Projekt verabschiedet. Keine Finanzierung - kein Job.

Im Unterschied zu Doktoranden, die mit einem Lehrauftrag an der Uni angestellt sind und Übungen und Tutorien betreuen, muss der vom Kolleg bezahlte Dieterich nur an speziellen Seminaren teilnehmen und hin und wieder einen Vortrag halten. Das ist eine feine Sache, aber solche Stellen sind rar, man bekommt sie nur, wenn man von einem Professor empfohlen wird. Besser sind die Aussichten auf einen Arbeitsplatz auf Zeit an den Universitäten. Die Hochschulen bezahlen ihre Angestellten nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L). Doktoranden gehören der fünfstufigen Entgeltgruppe E13 an. Auf der ersten Entgeltstufe und ohne vorherige Berufserfahrung im Fachgebiet verdienen sie auf einer Vollzeitstelle circa 3300 Euro brutto im Monat, auf der zweiten circa 3600 Euro. Allerdings sind die Verträge meist befristet, und viele Nachwuchsakademiker beklagen die hohe Arbeitsbelastung. Dennoch sind die jungen Leute meist glücklich, sich keine großen Sorgen um Miete und Brötchen machen zu müssen.

Das gilt auch für jenes Drittel der Doktoranden, das sich für ein Stipendium oder sogar mehrere qualifiziert hat. Hierfür gibt es im In- und Ausland Dutzende von Anlaufstellen. Zum Beispiel gewährt die Studienstiftung des deutschen Volkes 1150 Euro im Monat plus 100 Euro Forschungskostenpauschale, dazu die Teilnahmemöglichkeit an Doktorandenforen, Sommerakademien und Sprachkursen. Bewerben kann man sich nicht selbst, vielmehr muss ein Hochschullehrer eine Empfehlung aussprechen. Finanziell ähnlich ausgestattet sind die Stipendien der Begabtenförderungswerke. Sie haben den Vorzug, dass man sich selbst ins Spiel bringen kann, und zahlen derzeit 1050 Euro im Monat plus Forschungskostenpauschale. Hinzu kommen gegebenenfalls Zuschläge für Familie, Kinderbetreuung und Auslandsaufenthalte. Allerdings ist die Förderung abhängig vom selbst erzielten Einkommen. E-fellows.net zählt die Einschränkungen auf: "Neben dem Stipendium darfst du maximal fünf Stunden pro Woche arbeiten, bei einer Beschäftigung in Lehre und Forschung zehn Stunden. Und selbst versichern musst du dich auch."

Die meisten Bundesländer vergeben Abschluss-Stipendien, für die spezielle Kriterien gelten

Auch die Bundesländer vergeben Stipendien an Doktoranden mit überdurchschnittlichem Examen und spannenden Dissertationsthemen. Über die Vergabe entscheiden die Hochschulen. Normalerweise wird das Stipendium für ein Jahr bewilligt und umfasst 600 bis 900 Euro pro Monat plus 150 Euro Kinderzuschlag und einen Zuschuss zu Sach- und Reisekosten. Zusätzlich vergeben die meisten Bundesländer sogenannte Abschluss-Stipendien. Diese sind gedacht für Promovierende, die bisher an Hochschulen gearbeitet haben und ihre Stelle aufgeben mussten, um die Doktorarbeit fertigzustellen, oder deren Vertrag ausgelaufen ist, bevor sie ihre Dissertation abschließen konnten. Das Abschlussstipendium gibt ihnen bis zu einem Jahr Zeit, um die Promotion zu beenden.

Das Graduiertenkolleg in Hamburg, an dem Peter-Simon Dieterich untergekommen ist, unterstützt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Neben der DFG unterhalten auch die Max-Planck-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft Research Schools und Graduiertenkollegs mit Promotionsstipendien.

Doch gerade für junge Wissenschaftler gilt oft: Geld ist nicht alles. Mit seinen Pflichten am Kolleg ist Peter-Simon Dieterich einverstanden. Fast noch wichtiger freilich ist ihm: "Ich arbeite an meinem eigenen Thema." Das kann gewiss nicht jeder sagen, der im Karriererad steckt.