Von Tanjev Schultz

Ein "Dr." auf der Visitenkarte fördert die Karriere. Deshalb suchen immer mehr Promotionswillige Hilfe bei unseriösen Instituten, die Titel verschachern. Vor Gericht gerät die Branche ins Zwielicht.

Die Ehrfurcht, die Doktortitel auslösen, ist schon oft aufs Korn genommen worden, Kurt Tucholsky meinte, ein Titel "erspart dem Titelträger jede Tüchtigkeit". Allerdings müssen die Doktorweihen erst einmal empfangen werden, und ohne Fleiß ist eine Promotion eigentlich nicht zu haben. Manche Titelaspiranten lassen sich von Promotionsberatern helfen: Den Arbeitsaufwand könnten sie "im Optimalfall durch unsere legale Unterstützung um bis zu 50 Prozent reduzieren". So preist ein Institut aus Bergisch Gladbach seine Dienste an. Es ist seit mehr als 20 Jahren im Geschäft - jetzt sitzt einer der Chefs vor Gericht.

Absolventen, dpa

Absolventen: Experten schätzen, dass etwa zwei Prozent der Doktoren auf dubiosen Wegen zum Titel kommen. (© Foto: dpa)

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Die Staatsanwaltschaft fordert dreieinhalb Jahre Haft, sie beschuldigt den 52-jährigen Geschäftsführer der Bestechung in mehr als 60 Fällen. Die Verteidigung plädiert auf Freispruch, an diesem Montag will das Landgericht Hildesheim das Urteil verkünden. Die Ankläger werfen dem Berater vor, Kunden an einen Jura-Professor der Uni Hannover vermittelt und diesem dafür Honorare gezahlt zu haben. Das Geld soll über die Ehefrau des Professors geflossen sein, für jeden angenommenen Kandidaten etwa 2000 Euro.

Der Professor wurde bereits im April wegen Bestechlichkeit zu drei Jahren Haft verurteilt. Im März hatten Ermittler die Beratungsfirma durchkämmt, die sich damit brüstet, bereits mehr als tausend Promotionsprojekte geplant und seit dem Jahr 2000 mehr als 350 Doktoranden geholfen zu haben, den Titel zu erlangen. Der Service reicht von der Auswahl eines Themas, über das Finden eines Doktorvaters bis zur Hilfe bei Recherchen.

Ein "Dr." auf der Visitenkarte

Wer schon im Berufsleben steht und glaubt, ein "Dr." auf der Visitenkarte fördere die Karriere, tut sich oft schwer damit, einen Professor von sich und seinem Vorhaben zu überzeugen. Professoren sind nicht verpflichtet, Doktoranden anzunehmen. Außerdem sind gute Noten im Examen meist Voraussetzung, um zugelassen zu werden. Ausnahmen sind möglich, und das Beratungsinstitut hat es offenbar im Zusammenwirken mit Professoren immer wieder geschafft, Promotionswillige durch die zuständigen Hochschulgremien zu bringen.

Im aktuellen Prozess geht es nicht um die Qualität der Dissertationen oder darum, dass Kandidaten sie nicht selbst verfasst hätten - obwohl Kritiker fließende Grenzen zwischen Vermittlungs- und Schreibdiensten vermuten. "Wir haben definitiv nie jemandem die Dissertation geschrieben", betont der Institutschef. Der Staatsanwaltschaft genügt es jedoch schon, dass Geld an einen Professor geflossen ist.

Der Berater, ein Doktor der Philosophie, beteuert, er sei juristischer Laie. Er sei nicht davon ausgegangen, etwas Strafbares zu tun. Es wäre jedoch verwunderlich, wenn das Gericht dies akzeptiert bei einem Mann, der sein Geld mit Rechercheleistungen verdient. Im Dienste der Kunden "analysieren wir die über 900 deutschen Promotionsordnungen", rühmt sich sein Institut.

Auf der nächsten Seite: Wie das "Trio infernale" aus Beratern, Professoren und "eitlen Tröpfen", die ihre Karriere voranbringen wollen, arbeitet.

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