Von Norbert Franck

Erst zuhören, dann kontern: Wie man in einer Diskussion rhetorische Fragen, fiese Angriffe und andere Gemeinheiten abwehrt.

Manche Zeitgenossen verstehen Diskussionen als ein Kampffeld, das sie mit rhetorischen Strategien bewaffnet betreten. Mit diesen Waffen wollen sie ihre Gegner verunsichern. Für den Umgang mit solchen Zeitgenossen sollte man gewappnet sein - und immer friedlich bleiben. Wer die verbale Keule schwingt, ist nicht souverän. Pluspunkte bei seinen Mitmenschen sammelt man, wenn man sachlich bleibt und rhetorische Tricks nicht mit gleicher Münze heimzahlt. Zudem laufen alle, die rhetorische Strategien einsetzen, Gefahr, durchschaut zu werden.

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Erst zuhören, dann kontern: Doch nicht hinter jeder Frage steckt ein rhetorischer Trick. (© Foto: dpa)

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Status-Vorwurf

Es ist ein beliebter Trick, ein Argument abzuwerten mit dem Verweis auf die Person, die dieses Argument anführt. "Du kannst in Erziehungsfragen überhaupt nicht mitreden. Du hast doch gar keine Kinder." Weisen Sie darauf hin, dass von der Quelle einer Aussage nicht auf deren Qualität geschlossen werden kann: "Es geht nicht um mich, sondern um meine These, dass ..." Oder: "Der Hinweis auf meine Parteimitgliedschaft ist kein Ersatz für ein schlüssiges Gegenargument."

Kompetenz absprechen

"Sie sind noch viel zu jung, um...", "Ihnen fehlt noch die Erfahrung, um...", "Ich bezweifle, dass Sie in Ihrem fortgeschrittenen Alter das noch packen." Man kann Ihnen viel vorhalten: Ihr Alter, Ihr Geschlecht, Ihren Erfahrungshintergrund, Ihre Herkunft. Machen Sie aus dem, was man Ihnen vorhält, eine Tugend: "Gerade weil ich noch jung bin, kann ich die Sache unvoreingenommen sehen." Oder: "Gerade weil ich neu in der Firma bin, kann ich alle Strukturen und Vorgänge mit der notwendigen Objektivität betrachten."

Andeutungen

"Sieht man einmal von den Schwächen Ihrer Argumentation ab...", "Fast hätte ich gesagt...", "Auf die vielen Ungereimtheiten deines Beitrags will ich nicht weiter eingehen." Was soll mit solchen Andeutungen erreicht werden? Man soll dankbar sein, dass angebliche Schwächen nicht vor anderen ausgebreitet werden - und aus Dankbarkeit schweigen. Doch Andeutungen sind häufig nur Bluff. Und es ist immer besser zu wissen, woran man ist, als Andeutungen über Schwächen im Raum stehen zu lassen. Deshalb immer nachfragen: "Welche Schwächen?", "Können Sie das präzisieren?" Sie werden erleben: Alle kommen ins Schwimmen, denen es nicht um eine sachliche Korrektur ging, sondern um Einschüchterung.

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