Erst zuhören, dann kontern: Wie man in einer Diskussion rhetorische Fragen, fiese Angriffe und andere Gemeinheiten abwehrt.
Manche Zeitgenossen verstehen Diskussionen als ein Kampffeld, das sie mit rhetorischen Strategien bewaffnet betreten. Mit diesen Waffen wollen sie ihre Gegner verunsichern. Für den Umgang mit solchen Zeitgenossen sollte man gewappnet sein - und immer friedlich bleiben. Wer die verbale Keule schwingt, ist nicht souverän. Pluspunkte bei seinen Mitmenschen sammelt man, wenn man sachlich bleibt und rhetorische Tricks nicht mit gleicher Münze heimzahlt. Zudem laufen alle, die rhetorische Strategien einsetzen, Gefahr, durchschaut zu werden.
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Erst zuhören, dann kontern: Doch nicht hinter jeder Frage steckt ein rhetorischer Trick. (© Foto: dpa)
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Status-Vorwurf
Es ist ein beliebter Trick, ein Argument abzuwerten mit dem Verweis auf die Person, die dieses Argument anführt. "Du kannst in Erziehungsfragen überhaupt nicht mitreden. Du hast doch gar keine Kinder." Weisen Sie darauf hin, dass von der Quelle einer Aussage nicht auf deren Qualität geschlossen werden kann: "Es geht nicht um mich, sondern um meine These, dass ..." Oder: "Der Hinweis auf meine Parteimitgliedschaft ist kein Ersatz für ein schlüssiges Gegenargument."
Kompetenz absprechen
"Sie sind noch viel zu jung, um...", "Ihnen fehlt noch die Erfahrung, um...", "Ich bezweifle, dass Sie in Ihrem fortgeschrittenen Alter das noch packen." Man kann Ihnen viel vorhalten: Ihr Alter, Ihr Geschlecht, Ihren Erfahrungshintergrund, Ihre Herkunft. Machen Sie aus dem, was man Ihnen vorhält, eine Tugend: "Gerade weil ich noch jung bin, kann ich die Sache unvoreingenommen sehen." Oder: "Gerade weil ich neu in der Firma bin, kann ich alle Strukturen und Vorgänge mit der notwendigen Objektivität betrachten."
Andeutungen
"Sieht man einmal von den Schwächen Ihrer Argumentation ab...", "Fast hätte ich gesagt...", "Auf die vielen Ungereimtheiten deines Beitrags will ich nicht weiter eingehen." Was soll mit solchen Andeutungen erreicht werden? Man soll dankbar sein, dass angebliche Schwächen nicht vor anderen ausgebreitet werden - und aus Dankbarkeit schweigen. Doch Andeutungen sind häufig nur Bluff. Und es ist immer besser zu wissen, woran man ist, als Andeutungen über Schwächen im Raum stehen zu lassen. Deshalb immer nachfragen: "Welche Schwächen?", "Können Sie das präzisieren?" Sie werden erleben: Alle kommen ins Schwimmen, denen es nicht um eine sachliche Korrektur ging, sondern um Einschüchterung.
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Debatte über Urheberrecht
Ich bin gespannt, wieviele diese Floskeln nun auswendig gelernt haben und gleich heute morgen beim ersten Meeting anwenden.
Die Artikel der SZ zu diesem Thema sind immer nett geschrieben, aber genau deshalb aber gefährlich.
Denn der Umgang mit solchen Situationen erfordert, wie Kommunikation allgemein, immer noch viel Fingerspitzengefühl. Der Angreifer muss merken, dass man sich nicht getroffen fühlt, sondern er blöd dasteht. Nur kann die Antwort sehr leicht so sein, dass es als Rechtfertigung und damit als "ich bin angekratzt" herüberkommt, und damit 1:0 für den Angreifer steht. Außerdem muss die Entgegnung zur eigenen Persönlichkeit passen.
Es gibt massenweise Seminare zu dem Thema. (Nur als Hinweis. Ich verdiene mein Geld nicht damit.) Denn erfolgreich solche Situationen zu meistern, ist wie beispielsweise Autofahren. Man benötigt ein bestimmtes Grundwissen, in diesem Falle wie Menschen ticken und warum sie so sind. Dann gehört viel Übung dazu und natürlich immer die praktische Erfahrung. So bildet sich ein Selbstbewußtsein, denn dazu gehört, dass ich nicht im fachlich von mir überzeugt bin, sondern auch mit der Gewissheit in Besprechungen gehe, dass mir solche Situationen nichts anhaben können. Mit diesem Selbstbewußtsein prallen dann derartige Angriffe auch an einem ab. Denn, wenn ich innerlich beleidigt bin, werde ich das auch mindestsns durch Mimik und Gestik zum Ausdruck bringen, egal was ich sage.
Das ist ein langer Weg, aber er ist zu schaffen. Aber es braucht niemand zu erwarten, dass aus einem zurückhaltenden Menschen über Nacht mit ein paar auswendig gelernten Floskeln ein selbstbewußter wird, der alle Diskussionen in seinem Interesse entscheiden kann.